Durchfall beim Pferd: Warum Abwarten gefährlich ist – und wie du den Darm wirklich sanierst

Durchfall beim Pferd: Warum Abwarten gefährlich ist – und wie du den Darm wirklich sanierst

ℹ️ Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei starkem, anhaltendem oder von Fieber begleitetem Durchfall sofort den Tierarzt rufen. Ergänzungsfuttermittel sind keine Arzneimittel und dienen nicht der Behandlung von Erkrankungen.

 

Durchfall beim Pferd ist häufiger als viele denken – und wird gleichzeitig zu oft unterschätzt. Was nach einem breiigen Pferdeäpfel harmlos aussieht, kann innerhalb von Stunden zur ernsthaften Dehydration führen, das Immunsystem destabilisieren und bei infektiösen Ursachen sogar andere Pferde und Menschen gefährden. Dieser Ratgeber zeigt dir, was hinter verschiedenen Durchfallformen steckt, wann sofortiges Handeln geboten ist, und wie eine echte Darmsanierung nach einem Durchfallereignis aufgebaut wird.

Was ist Durchfall – und was ist er nicht?

Durchfall (Diarrhö) beim Pferd bedeutet eine abnormale Veränderung der Kotkonsistenz hin zu breiig, wässrig oder flüssig – oft verbunden mit häufigem Kotabsatz. Wichtig ist die Abgrenzung zum Kotwasser, das viele Besitzer verwechseln:

Merkmal

Durchfall (Diarrhö)

Kotwasser

Definition

Kot selbst ist breiig bis flüssig; Wasserabsorption im Dickdarm gestört

Normaler Kotballen, aber zusätzlich fließt freies, braunes Wasser ab

Kotkonsistenz

Abnorm weich bis komplett flüssig

Normaler Ballen – parallel dazu freies Wasser

Ursache

Darmflora-Störung, Infektion, Entzündung, Fütterung

Sphinkter-Schwäche, Darmsensibilität, Stressreaktion

Dringlichkeit

Je nach Schwere: mittel bis hoch

Meist geringer, aber persistierend → Tierarzt

Dehydrationsrisiko

Hoch bei starkem Verlauf

Geringer, da Flüssigkeit zusätzlich verloren geht

Ansteckend

Bei infektiöser Ursache: ja (Salmonellen)

Meist nicht


Gesunder Pferdekot: Wie er aussehen soll

Konsistenz: Feste, gut geformte Ballen – beim Aufprall sollten sie leicht auseinanderfallen, nicht wie Stein.

Farbe: Grünlich-braun; variiert je nach Futter (Heu = bräunlicher, Gras = grüner).

Geruch: Leicht säuerlich-grünlich – unangenehm riechender Kot ist ein Hinweis auf Fermentationsstörungen.

Häufigkeit: Pferde äppeln alle 90–120 Minuten – insgesamt 8–12x täglich.

Abweichungen von diesen Normen verdienen Aufmerksamkeit – nicht sofort Panik, aber Beobachtung.


Wie Durchfall im Darm entsteht – die Physiologie

Um Durchfall zu verstehen, hilft ein Blick auf die normale Wasserresorption im Dickdarm. Hier werden täglich enorme Mengen Flüssigkeit aus dem Nahrungsbrei rückabsorbiert – beim Pferd bis zu 100 Liter täglich. Wenn dieser Prozess gestört wird, entsteht Durchfall.


Durchfallmechanismus

Was im Körper passiert

Osmotischer Durchfall

Unverdaute Substanzen (z.B. überschüssige Stärke im Dickdarm) ziehen Wasser osmotisch ins Darmlumen – Kotbrei wird verdünnt; tritt bei Kraftfutterüberladung auf

Sekretorischer Durchfall

Bakterientoxine (z.B. Clostridium) aktivieren Sekretionsmechanismen – Darm pumpt aktiv Wasser ins Lumen; massivstes Volumen, schwerster Verlauf

Exsudativer Durchfall

Darmschleimhaut ist entzündet und geschädigt (Kolitis); verliert Fähigkeit zur Wasserabsorption; Blut, Schleim, Eiweiß gehen verloren

Motilitätsdurchfall

Zu schnelle Darmpassage lässt keine Zeit zur Resorption; bei Stress, Angst, Krampfzuständen; meist selbstlimitierend

Malabsorptiver Durchfall

Schleimhautschaden reduziert Nährstoffaufnahme; chronischer Verlauf; Gewichtsverlust trotz gutem Fressen


Dringlichkeits-Ampel: Wann musst du sofort handeln?

Nicht jeder Durchfall ist gleich dringend – aber der Fehler liegt meist im Abwarten bei Zeichen, die sofortiges Handeln verlangen. Diese Tabelle gibt dir Orientierung:


Schweregrad

Zeichen

Was du tust

🟢 Leicht / Abwarten

Einmaliger weicher Kot nach Futterumstellung oder Weidestart; Pferd frisst und trinkt normal; kein Fieber; kein weiterer Durchfall nach 24h

Beobachten; Kraftfutter reduzieren; Heu anbieten; Wasser kontrollieren

🟡 Mittel / Tierarzt informieren

Breiiger bis dünner Kot seit mehr als 24h; Pferd leicht apathisch; Trinkmenge erhöht; kein Fieber; Allgemeinzustand noch gut

Tierarzt informieren und Anweisung einholen; Elektrolyte anbieten; Futter umstellen; Beobachtung intensivieren

🔴 Dringend / Tierarzt sofort

Wässriger Durchfall; Fieber über 38,5°C; deutliche Apathie; Fressunlust; trockene Schleimhäute; stark erhöhter Puls; Bauchschmerzen

Sofort Tierarzt rufen – kein Abwarten; Infusionstherapie möglich nötig; Isolation bei Verdacht auf infektiöse Ursache

🆘 Notfall / Sofort Klinik

Massiver wässriger Schwall-Durchfall; Schock-Symptome (blasse Schleimhäute, Kaltschweiss, kaum stehfähig); Blut im Kot; Durchfall beim Fohlen

Klinik sofort – lebensbedrohlich; Infusion und Intensivmedizin nötig; kein Warten auf Praxisöffnung


⚠️ Besondere Risikogruppen: Fohlen und Seniorpferde

Fohlen können durch Durchfall innerhalb von Stunden lebensbedrohlich dehydrieren – immer sofort Tierarzt.

Seniorpferde (ab 20 Jahren) haben geringere Reserven; Dehydration und Elektrolytverlust treffen sie härter.

Pferde mit PPID oder EMS: Durchfall kann Hufreheschübe triggern – erhöhte Wachsamkeit nötig.

Bei diesen Gruppen gilt immer: früher anrufen, nicht warten.


Ursachen: Warum bekommt mein Pferd Durchfall?

Die Ursachen sind vielfältig – und die Behandlung hängt direkt von der Ursache ab. Ohne Ursachenklärung ist jede Therapie nur Symptommanagement.


Ursachenkategorie

Was konkret passiert / Beispiele

Fütterungsfehler

Abrupte Futterumstellung; zu viel Kraftfutter auf einmal (Stärke gelangt unverdaut in Dickdarm); verdorbenes oder schimmeliges Heu; zu viel frisches Gras beim Weidestart im Frühjahr

Infektionen – bakteriell

Salmonella spp. (Zoonose!); Clostridium difficile / perfringens (oft nach Antibiotika); E. coli; Ehrlichien; bei Klinikaufenthalt und Stress erhöhtes Risiko

Infektionen – viral

Equines Coronavirus (ECoV); Rotavirus (vor allem bei Fohlen); selten aber möglich

Parasiten

Massenbefall mit kleinen Strongyliden; Cyathostominiose (Larven brechen massenhaft aus der Darmwand) – typisch im Frühjahr nach Anthelmintica-Gabe

Antibiotika-assoziiert (AAD)

Breitbandantibiotika vernichten Darmflora; pathogene Keime überwuchern; kann Kolitis-Bild produzieren; tritt 2–7 Tage nach AB-Gabe auf

Stress

Transport, Turnier, Stallwechsel, neue Herde, Schmerz – Cortisol stört Darmflora und Motilität; meist selbstlimitierend

Grunderkrankungen

Lebererkrankungen, Nierenprobleme, EMS, PPID, Magengeschwüre – Durchfall als Begleitsymptom

Sand / Fremdkörper

Sandansammlung im Dickdarm reizend und entzündend; auf sandigen Weiden häufig; oft latenter Verlauf

Vergiftungen

Giftpflanzen (Eiche, Oleander, Jakobs-Kreuzkraut), Schimmelpilztoxine im Heu, chemische Gifte

Cyathostominiose

Massenausbruch hypobiotischer Kleinstrongylidenlarven aus der Darmwand im Frühjahr; schweres, oft lebensbedrohliches Bild; schlechte Prognose ohne sofortige Behandlung


Kotfarbe und -beschaffenheit als diagnostischer Hinweis

Die Farbe und Konsistenz des Durchfalls liefert dem Tierarzt – und dir als erstem Beobachter – wertvolle Hinweise auf die mögliche Ursache. Kein Ersatz für die Diagnose, aber nützlich für das Gespräch mit dem Tierarzt:


Kotfarbe / -beschaffenheit

Mögliche Bedeutung – immer mit Tierarzt besprechen

Grünlich, sehr breiig

Typisch bei zu viel frischem Gras oder Wechsel von Heu auf Weide; meist selbstlimitierend

Gelblich-orange, wässrig

Hinweis auf Dünndarmbeteiligung; Gallensekret nicht vollständig resorbiert

Graubraun, sehr wässrig, übelriechend

Schwere Dickdarm-Dysbiose oder Kolitis; sofort Tierarzt

Schwärzlich

Verdautes Blut aus Magen oder Dünndarm (Magengeschwür, Dünndarmblutung) – Notfall

Hellrot (Blutschlieren)

Frisches Blut aus Enddarmbereich; Entzündung oder Verletzung – sofort Tierarzt

Schleimig

Darmschleimhaut betroffen; Entzündung; erhöhte Sekretionsaktivität

Normale Farbe aber sehr weich

Oft Fütterungsursache oder beginnende Stress-Reaktion; Beobachtung ausreichend


Diagnose: Was der Tierarzt untersucht

Der Tierarzt benötigt für eine präzise Diagnose möglichst viele Informationen. Bereite dich auf folgende Fragen vor:

  • Wann hat der Durchfall begonnen – genauer Zeitpunkt?
  • Wie hat sich die Konsistenz verändert – von weich zu wässrig?
  • Frisst und trinkt das Pferd normal?
  • Letzte Futterumstellung, Wurmkur, Antibiotikagabe?
  • War das Pferd in letzter Zeit unter besonderem Stress (Transport, Turnier, Stallwechsel)?
  • Haben andere Pferde im Bestand ähnliche Symptome?


Untersuchungsschritt

Was er zeigt

Klinische Untersuchung

Puls, Atmung, Temperatur, Schleimhautfarbe, Hautturgor (Dehydration), Darmgeräusche

Kotprobe / Kotuntersuchung

Parasitologische Analyse (Wurmeier, Larvenstadien); bakteriologische Kultur (Salmonellen, Clostridien); Virologie (Coronavirus, Rotavirus)

Blutbild und Blutchemie

Entzündungsparameter (Fibrinogen, Leukos); Nieren- und Leberwerte; Elektrolyte (Na, K, Cl); Protein; Laktat

Ultraschall Abdomen

Darmwanddicke (verdickt = Entzündung), freie Flüssigkeit, Darminhalt

Rektale Untersuchung

Konsistenz des Darminhalts, Darmwandveränderungen, Schleim

Flüssigkeitsstatus

Hautfalten-Test: Haut über dem Hals zusammenschieben – bleibt sie 2–3 Sekunden stehen = leichte Dehydration; länger = mittel bis schwer


Behandlung: Was der Tierarzt macht – und was du tun kannst

Tierärztliche Maßnahmen je nach Schwere

Maßnahme

Wann und warum

Infusionstherapie (i.v.)

Bei mittlerer bis schwerer Dehydration; Elektrolyt- und Flüssigkeitsersatz; bei Schock erste Priorität

Orale Elektrolytgabe

Bei leichter Dehydration; Elektrolytpaste oder -lösung über Nasenschlundsonde oder freiwillig trinken

Adsorbentien (z.B. Aktivkohle, Smektit)

Binden Toxine im Darmlumen; bei Vergiftungsursache und leichter Bakterientoxin-Belastung

Probiotika / Präbiotika

Darmflora-Wiederaufbau; nach Antibiotika-Gabe essentiell; auch bei stressbedingtem Durchfall

Antibiotika

Nur bei nachgewiesenem oder hochgradig vermutetem bakteriellem Erreger; vorsichtig einsetzen – können AAD auslösen

Entwurmung

Bei Nachweis von Parasiten; gezielt nach Kotprobe – nicht pauschal

Schmerzmittel / NSAR

Bei begleitenden Bauchschmerzen; vorsichtig – Magen-Darm-Schleimhaut schonen


Was du als Besitzer sofort tun kannst

  1. Tierarzt informieren oder rufen – je nach Dringlichkeits-Ampel
  2. Kraftfutter und Leckerlis sofort weglassen – Heu ad libitum bereitstellen
  3. Frischen Wasser kontrollieren – trinkt das Pferd ausreichend?
  4. Elektrolyte anbieten – separate Tränke mit Elektrolytlösung; keine Zwangsgabe
  5. Pferd beobachten – Puls, Temperatur, Allgemeinzustand, Kotmenge dokumentieren
  6. Hygiene: Hände waschen nach Kontakt; Stallgeräte separat; bei Infektionsverdacht isolieren
  7. Keine Hausmittel ohne Rücksprache – Joghurt, Knoblauch oder Essig können Durchfall verstärken


Darmsanierung nach Durchfall: Der Aufbauplan in drei Phasen

Das ist der Abschnitt, der in keinem anderen Ratgeber so konkret steht: Was passiert eigentlich nach dem Durchfall? Wie lange ist die Darmflora destabilisiert – und wie baut man sie wirklich wieder auf?

Die Darmflora eines Pferdes ist ein hochkomplexes Ökosystem aus Billionen von Mikroorganismen. Ein schweres Durchfallereignis – besonders wenn infektiöser Natur oder antibiotisch behandelt – zerstört dieses Gleichgewicht. Ohne gezielten Aufbau bleibt der Darm für Wochen oder Monate vulnerabel.


Phase 1: Akutphase (Tag 1–5, parallel zur tierärztlichen Behandlung)

  • Ausschließlich Heu – gute Qualität, kein Schimmel, kein verdorbenes Heu; ad libitum
  • Kein Kraftfutter, keine Möhren, kein Obst – alles, was den osmotischen Druck im Dickdarm erhöht
  • Ausreichend Wasser – frisch, sauber; bei Verweigerung: angewärmtes Wasser oder Elektrolytlösung
  • Elektrolyte nach tierärztlicher Anweisung – bei Dehydration entscheidend
  • Keine Weide – Gras fermentiert schnell; zu große Flüssigkeitszufuhr aus frischem Gras
  • Ruhe und Stressreduktion – Cortisol destabilisiert die Darmflora weiter


Phase 2: Stabilisierungsphase (Tag 5–21)

  • Heu weiterhin Basis – langsam erste Kraftfuttergaben wieder einführen (maximal 100g pro Tag Steigerung)
  • Leicht verdauliche Ergänzungen zuerst: Möhren klein, eingeweichte Heucobs, Rübenschnitzel ohne Melasse
  • Darmflora aktiv unterstützen: Präbiotische Fasern (Flohsamen, Pektin) und pferdespezifische Probiotika
  • Weidegang langsam: Erst kurze Phasen (15–30 Min.), dann steigern; kein Vollweideeinstieg
  • Darmgeräusche und Kotbeschaffenheit täglich beurteilen – Verbesserung sollte kontinuierlich sein


Phase 3: Langfristiger Darmaufbau (Woche 3–8)

  • Normale Ration schrittweise wieder einführen – 10%-Regel je Woche gilt auch hier
  • Heuanalyse prüfen – war die vorherige Heuqualität Teil des Problems? Neue Charge analysieren lassen
  • Futterplan überdenken: Liegt der Ursprung in einem Fütterungsfehler, muss er strukturell behoben werden
  • Parasitenstatus prüfen: Kotprobe 4–6 Wochen nach dem Durchfallereignis wiederholen
  • Tierarztkontrolle: Je nach Schwere des Ausgangsbefunds Nachkontrolle nach 4–6 Wochen


Fütterung für Darmgesundheit: Basisversorgung und Ergänzung

Ergänzungsfuttermittel behandeln keine Erkrankungen. Eine bedarfsgerechte Grundversorgung kann jedoch dazu beitragen, die Darmschleimhaut und die Darmflora in einem Zustand zu halten, der Störungen besser standhalten kann. Die folgenden Informationen beschreiben die Funktion von Nährstoffen im normalen Verdauungsprozess.

Nährstoff / Substanz

Rolle im normalen Verdauungssystem des Pferdes

Rohfaser (Heu)

Grundlage der Darmflora-Ernährung; fördert normale Darmmotilität; puffert pH-Wert im Dickdarm

Pektine

Lösliche Ballaststoffe; präbiotische Wirkung – Futter für nützliche Darmbakterien; in Rübenschnitzeln, Apfelpektin

Flohsamenschalen (Psyllium)

Binden überschüssige Flüssigkeit; für Sandausleitung bekannt; regulieren Stuhlkonsistenz

Saccharomyces cerevisiae (Bäckerhefe)

Präbiotische Wirkung auf Dickdarmflora; stabilisiert Fermentationsprozesse; gut erforscht beim Pferd

Probiotika (pferdespezifische Stämme)

Wiederbesiedlung der Darmflora mit nützlichen Mikroorganismen; relevant nach Antibiotika und infektiösem Durchfall

Elektrolyte (Na, K, Cl, Mg)

Ausgleich von Verlusten bei Durchfall; essentiell für Zell- und Herzfunktion; sofortige Priorität bei Dehydration

Vitamin B-Komplex

Wird im gesunden Dickdarm vom Mikrobiom synthetisiert; bei Dysbiose kann Versorgung eingeschränkt sein

Zink, Mangan, Selen

Unterstützen normale Immunfunktion und Schleimhautintegrität; in deutschen Heuqualitäten häufig unzureichend



Unsere AHIPOS-Produktempfehlung

Digestive Plus von AHIPOS Horses – Ergänzungsfuttermittel zur Unterstützung normaler Verdauungsfunktionen; als Beitrag zur bedarfsgerechten Grundversorgung bei Pferden mit empfindlichem Verdauungstrakt, nach Durchfallereignissen und Fütterungsumstellungen:

Digestive Plus

Nonegus – Ergänzungsfuttermittel zur Unterstützung normaler Magenschleimhautfunktion; da Durchfall oft von Magenreizungen begleitet wird oder Magengeschwüre ein Mitauslöser sind:

Nonegus

AHIPOS Elektrolyt – Ausgleich von Elektrolytverlusten bei Durchfall; für eine bedarfsgerechte Grundversorgung nach Flüssigkeitsverlusten und bei erhöhtem Flüssigkeitsbedarf:

AHIPOS Elektrolyt


ℹ️ Hinweis

Ergänzungsfuttermittel sind keine Arzneimittel und dienen nicht der Behandlung von Durchfall. Sie ergänzen eine vollständige Grundernährung – kein Ersatz für tierärztliche Notfallbehandlung. Alle Fütterungsanpassungen nach einem Durchfallereignis besprichst du mit deinem Tierarzt.


Prävention: Was du langfristig tun kannst

  • Raufutter ad libitum: Keine langen Fresspausen – der Darm braucht kontinuierlichen Faserfluss
  • Futterumstellungen langsam: Mindestens 2 Wochen; auch bei Heuwechsel neue Charge schrittweise einmischen
  • Weidestart graduell: Im Frühjahr maximal 15–30 Minuten pro Tag beginnen; täglich steigern
  • Stressmanagement: Transport und Stallwechsel gut vorbereiten; Heu mitnehmen; Stress reduzieren
  • Entwurmung nach Kotprobe: Selektiv entwurmen – nicht pauschal; resistenzfördernde Übertherapie vermeiden
  • Zahngesundheit: Schlechte Zähne führen zu grob zerkleinertem Futter im Dickdarm → Fermentationsstörung → Durchfall
  • Hygiene: Tränken regelmäßig reinigen; Fressplätze kontrollieren; schimmeliges Heu sofort entfernen
  • Heuanalyse: Einmal jährlich – wer nicht weiß was er füttert, kann Probleme nicht verhindern
  • Antibiotika-Begleitung: Bei jeder AB-Gabe frühzeitig Probiotika/Präbiotika flankieren; mit Tierarzt besprechen


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FAQ: Häufige Fragen zu Durchfall beim Pferd

❓ Wie lange darf Durchfall beim Pferd andauern, bevor ich den Tierarzt rufe?

Als Faustregel: Wenn der Durchfall nach 24 Stunden nicht deutlich besser wird, oder wenn das Pferd zusätzliche Symptome zeigt (Fieber, Apathie, Fressunlust), sofort Tierarzt. Bei wässrigem, massivem oder von Fieber begleitetem Durchfall gilt: sofort rufen – nicht warten. Fohlen und Seniorpferde immer sofort, auch bei mildem Beginn.

❓ Ist Durchfall beim Pferd ansteckend für andere Pferde?

Das hängt von der Ursache ab. Bakterielle Infektionen – besonders Salmonellen und Clostridien – können auf andere Pferde übertragen werden. Salmonellen sind zudem eine Zoonose und auf Menschen übertragbar. Bei Verdacht auf infektiösen Durchfall: Pferd sofort isolieren, Hygieneprotokoll einhalten, Tierarzt informieren. Fütterungsbedingter oder stressbedingter Durchfall ist nicht ansteckend.

❓ Was soll ich meinem Pferd bei Durchfall füttern?

Heu und Wasser – mehr nicht in den ersten 24–48 Stunden. Gutes Qualitätsheu ad libitum, kein Kraftfutter, keine Leckerbissen, keine Möhren. Elektrolyte anbieten (freiwillig, nicht zwingen). Kein frisches Gras. Langsame Wiedereinführung anderer Futtermittel erst nach deutlicher Verbesserung und nach Rücksprache mit dem Tierarzt.

❓ Warum funktioniert Joghurt aus dem Supermarkt beim Pferd nicht?

Joghurt enthält hauptsächlich Lactobacillus-Stämme, die für den menschlichen Darm optimiert sind. Die Darmflora des Pferdes – ein Dickdarmfermentierer – besteht vor allem aus Bacteroidetes und Firmicutes, nicht aus Laktobazillen. Humanjoghurt kann den Fermentationsprozess im Dickdarm des Pferdes sogar negativ beeinflussen. Sinnvoller sind pferdespezifische Probiotika oder Saccharomyces cerevisiae-Präparate.

❓ Mein Pferd hat nach der Wurmkur Durchfall bekommen – was ist passiert?

Das ist ein bekanntes Phänomen, besonders nach der Herbstentwurmung mit Ivermectin oder Moxidectin bei starkem Larvenbürden-Befall (Cyathostominiose). Wenn Millionen hypobiotischer Kleinstrongylidenlarven gleichzeitig aus der Darmwand ausbrechen, entsteht eine massive Entzündungsreaktion mit wässrigem Durchfall. Das ist ein Notfall – sofort Tierarzt. Dieses Risiko ist einer der Gründe für selektives Entwurmen nach Kotprobe statt pauschaler Zeitplanentwurmung.

❓ Was ist der Unterschied zwischen Durchfall und Kotwasser?

Durchfall bedeutet, dass der Kot selbst flüssig oder breiig ist – die Konsistenz ist abnorm. Kotwasser bedeutet, das Pferd setzt normal geformte Äpfel ab, aber daneben fließt zusätzlich freies, bräunliches Wasser ab. Beides sind Hinweise auf Probleme im Verdauungstrakt, aber die Mechanismen und Ursachen unterscheiden sich. Beide sollten tierärztlich abgeklärt werden, wenn sie persistieren.

❓ Wie lange dauert die Darmsanierung nach einem schweren Durchfall?

Nach einem leichten, fütterungsbedingten Durchfall: 1–2 Wochen für eine Normalisierung der Darmflora. Nach schwerem infektiösem Durchfall oder Kolitis: 4–8 Wochen, manchmal länger. Nach Antibiotika-assoziiertem Durchfall: 3–6 Wochen aktiver Wiederaufbau mit Probiotika und Präbiotika. Die Darmflora ist stabiler als man denkt – aber sie braucht Zeit und die richtigen Bedingungen.

❓ Kann Durchfall zu Hufrehe führen?

Ja – besonders bei schwerem, infektiösem Durchfall mit Endotoxämie (Bakterientoxine im Blut). Das ist einer der gefürchteten Verläufe nach Kolitis: Die ins Blut übergegangenen Toxine lösen Mikrozirkulationsstörungen in den Hufen aus. Pferde mit PPID oder EMS-Vorgeschichte sind besonders gefährdet. Ein weiterer Grund, schweren Durchfall sofort ernst zu nehmen.

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