Kolik vs. Kolitis beim Pferd - Wenn der Bauch Alarm schlägt – Unterschiede, Gefahren und Maßnahmen - ahipos-horses

Kolik vs. Kolitis beim Pferd - Wenn der Bauch Alarm schlägt – Unterschiede, Gefahren und Maßnahmen

Kolik vs. Kolitis beim Pferd: Ursachen, Symptome, Unterschiede und was im Notfall zu tun ist

🚨 KOLIK IST EIN NOTFALL – SOFORT TIERARZT RUFEN

Bis der Tierarzt eintrifft:

  • PAT-Werte messen und dem Tierarzt beim Anruf durchgeben (Puls, Atmung, Temperatur)
  • Pferd im Schritt führen – Bewegung fördert die Darmmotilität
  • Wälzen zulassen – es löst keine Verschlingung aus und lindert den Schmerz
  • Kein Futter, kein Wasser bis zur tierärztlichen Freigabe
  • Pferd nicht alleine lassen – Verhalten und Schmerzniveau beobachten und dokumentieren

ℹ️ Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Kolik und Kolitis sind veterinärmedizinische Notfälle – immer sofort den Tierarzt rufen. Ergänzungsfuttermittel sind keine Arzneimittel und dienen nicht der Behandlung von Erkrankungen.

Bauchschmerzen beim Pferd gehören zu den gefürchtetsten Notfällen in der Pferdehaltung. Kolik und Kolitis werden dabei häufig gleichgesetzt oder verwechselt – dabei handelt es sich um grundlegend verschiedene Erkrankungen mit unterschiedlichen Ursachen, unterschiedlichem Verlauf und vor allem unterschiedlicher Dringlichkeit. Diesen Unterschied zu kennen kann Leben retten. Dieser Ratgeber erklärt beide Erkrankungen vollständig, zeigt die entscheidenden Unterschiede und gibt dir das Wissen, das du im Notfall brauchst.

1. Warum Pferde so anfällig für Bauchprobleme sind: Anatomische Besonderheiten

Der Verdauungstrakt des Pferdes ist evolutionär auf kontinuierliche Bewegung und kleinste Futtermengen über viele Stunden ausgelegt – nicht auf Boxenhaltung und zweimal täglich große Kraftfutterportionen. Diese Diskrepanz ist der Kern vieler Verdauungsprobleme.

Anatomische Besonderheit

Warum sie problematisch ist

Kein Erbrechen möglich

Starker Schließmuskel am Mageneingang (Kardia) verhindert das Übergeben – Gas und Mageninhalt können sich stauen; Magenriss droht

Sehr kleiner Magen (15–20 Liter)

Auf kontinuierliche kleine Mengen ausgelegt; große Kraftfuttergaben überlasten ihn direkt

Keine Gallenblase

Galle fließt kontinuierlich in den Dünndarm – lange Fresspausen stören diesen Fluss

Sehr langer Dickdarm (7–8 Meter)

Viele Kurven, Engen und Lageänderungen – anfällig für Verlagerungen, Verschlingungen und Verstopfungen

Blinddarm (30–40 Liter)

Enorm groß; bei Gasansammlung kann er sich verlagern und andere Organe verdrängen

Geringes Peritoneum

Bauchfell ist empfindlich; Entzündungen (Kolitis) greifen schnell auf die gesamte Bauchhöhle über

2. Teil 1: Kolik – der Sammelbegriff für Bauchschmerzen

Kolik ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für alle Schmerzen im Bauchraum – ähnlich wie „Bauchschmerzen“ beim Menschen. Die Ursachen sind vielfältig, die Schweregrade reichen von leichter Krampfkolik bis zur lebensbedrohlichen Darmverschlingung.

Die wichtigsten Koliktypen im Überblick

Koliktyp

Mechanismus

Dringlichkeit

Typische Zeichen

Gaskolik

Gasansammlung in Dick- oder Dünndarm; Darm dehnt sich schmerzhaft aus

Hoch – schnell eskalierend möglich

Aufgetriebener Bauch, Flanke drückt heraus, Unruhe, Wälzen

Krampfkolik

Unkontrollierte Muskelkrämpfe des Darms; kommen und gehen wellenartig

Mittel – gut medikamentös behandelbar

Wellenförmige Schmerzphasen; Pferd beruhigt sich zwischen den Krämpfen

Verstopfungskolik

Futterstau im Dick- oder Dünndarm; Inhalt kann nicht weitertransportiert werden

Hoch – stundenlang ohne Verbesserung gefährlich

Wenig bis kein Kot; Pferd scharrt, schaut auf den Bauch; oft schleichend

Sandkolik

Sandansammlung im Dickdarm; Gewicht und Reizung verursachen Schmerzen

Mittel bis hoch – oft chronisch-latent

Unspezifisch; Kotveränderungen; tritt oft auf sandigen Weiden auf

Darmverschlingung / Volvulus

Darm dreht sich um die eigene Achse; Blutversorgung unterbrochen

EXTREM – absoluter Notfall, oft OP nötig

Plötzlich hochgradiger Schmerz; Schweiß, Pulssteigerung; klare OP-Indikation

Dünndarmverschluss

Kompletter Verschluss des Dünndarms; Mageninhalt kann nicht abfließen

EXTREM – Magenrissrisiko

Reflux über Nasenschlundsonde; hochgradiger Schmerz; sofort in die Klinik

Magenüberladung

Magen überdehnt; Pferd kann nicht erbrechen; Magenruptur droht

EXTREM – lebensbedrohlich

Würgebewegungen; langer, gestreckter Hals; Schmerz trotz Krampfmittel

Winterkolik / Wasserkolik

Dehydration führt zu Verstopfung; häufig im Winter bei zu kaltem Wasser

Mittel – oft durch Trinkanreiz vermeidbar

Latente Verstopfung; tritt oft nach längerer Trinkpause auf

⚠️ Die Schmerzstärke spiegelt NICHT die Schwere der Kolik

Ein Pferd mit einer leichten Gaskolik kann extrem unruhig und schmerzhaft wirken.

Ein Pferd mit einer Darmverschlingung kann sich zwischenzeitlich scheinbar beruhigen.

Deshalb: Die Beurteilung übernimmt immer der Tierarzt – nicht das äußere Schmerzverhalten des Pferdes.

Jede Kolik, die nicht innerhalb von 30 Minuten deutlich nachlässt, muss tierärztlich beurteilt werden.

3. Kolikanzeichen erkennen: Was du beobachten und messen musst

Pferde äußern Schmerzen sehr unterschiedlich. Manche sind dramatisch unruhig, andere stehen kaum merklich verändert. Kenne dein Pferd – Abweichungen vom Normalverhalten sind die wichtigsten Warnsignale.

Kolikanzeichen

Bedeutung / Was es anzeigt

Scharren, Stampfen

Frühe Schmerzreaktion – sofort aufmerksam beobachten

Auf den Bauch schauen oder beißen

Lokalisierter Schmerz – klassisches Kolikzeichen

Wiederholtes Hinlegen und Aufstehen

Stärkerer Schmerz; das Pferd versucht, Erleichterung zu finden

Wälzen (aktiv oder passiv)

Schmerzerleichterungsversuch; entgegen früherer Annahmen kein Risiko für eine Darmverschlingung

Schweißausbruch ohne Belastung

Deutliches Schmerzzeichen; je stärker, desto ernster

Aufgetriebene Flanken

Gasansammlung im Darm – oft von hinten gut sichtbar

Kein Kotabsatz oder ungewöhnlich wenig

Verstopfungszeichen; muss engmaschig beobachtet werden

Puls über 48 Schläge/Min. in Ruhe

Wichtiges Maß für die Schmerzintensität; über 60: dringend, über 80: akuter Notfall

Schleimhäute blass, bläulich oder trocken

Zeichen für einen Schock oder schwere Durchblutungsstörungen – sofort in die Klinik

Scheinbare Beruhigung mit Schweißausbruch

Kritisches Warnsignal: mögliche Darmruptur – sofort den Tierarzt rufen, keine Zeit verlieren

PAT-Werte bei Kolik: Was du dem Tierarzt melden musst

Puls (normal: 28–44 Schläge/Min.): 15 Sekunden lang zählen und mit 4 multiplizieren. Unter 44 = leicht; 44–60 = mittel; über 60 = dringend; über 80 = Notfall.

Atemfrequenz (normal: 8–16 Atemzüge/Min.): Bewegungen der Flanke zählen.

Temperatur (normal: 37,5–38,2 °C): Bei Kolik oft leicht erhöht; Fieber über 38,5 °C ist ein Warnsignal für Entzündungen.

Schleimhautfarbe: Rosa und feucht = gut; blass, bläulich oder trocken = sofort Klinik.

Darmgeräusche: Gurgeln und Gluckern ist normal. Totale Stille ist ein Alarmzeichen. Mit dem Ohr an beide Flanken hören.

4. Kolik-Sofortmaßnahmen: Was du bis zum Eintreffen des Tierarztes tust

  1. Tierarzt sofort anrufen: PAT-Werte durchgeben, Beginn der Symptome nennen und das Verhalten beschreiben.
  2. Pferd im Schritt führen: Leichte Bewegung fördert die Darmmotilität; das Pferd jedoch nicht zum Hasten zwingen.
  3. Wälzen zulassen: Sofern sich das Pferd dabei nicht an Hindernissen verletzen kann; Wälzen verursacht keine Verschlingung.
  4. Kein Futter, kein Wasser: Bis zur tierärztlichen Freigabe, da Trinken je nach Koliktyp schaden kann.
  5. Stall sichern: Eimer entfernen und Hindernisse räumen, damit sich das Pferd beim Wälzen nicht verletzt.
  6. Beobachten und dokumentieren: Schmerzintervalle, Kotabsatz und Verhalten festhalten und dem Tierarzt berichten.
  7. Keine Eigenmedikation: Weder Buscopan noch Phenylbutazon ohne ausdrückliche Tierarztanweisung verabreichen, da dies die Diagnose verschleiert.

5. Was der Tierarzt bei Kolik untersucht und tut

Untersuchungsschritt

Wofür er genutzt wird

Klinische Untersuchung

Puls, Atmung, Temperatur, Schleimhautfarbe, Darmgeräusche (Auskultation)

Rektale Untersuchung

Ertasten von Verlagerungen, Verstopfungen und Darmspannung – essenziell für die Typbestimmung

Nasenschlundsonde

Magen entleeren; Reflux prüfen (Rückfluss deutet auf Dünndarmverschluss hin); Einbringen von Flüssigkeit/Öl

Ultraschall

Darstellung von Darmschlingen, Flüssigkeitsansammlungen und Verlagerungen

Bauchpunktion

Bei Verdacht auf Peritonitis oder Darmruptur; Beurteilung von Farbe und Zusammensetzung der Bauchflüssigkeit

Blutbild / Laktat

Einschätzung des Schweregrads und der systemischen Beteiligung; Laktatwerte über 4 mmol/L gelten als kritisch

6. Teil 2: Kolitis – die gefährliche Darmentzündung

Kolitis bezeichnet eine Entzündung des Dickdarms (Kolon) beim Pferd. Im Gegensatz zur Kolik – die ein Symptom darstellt – ist Kolitis eine eigenständige Erkrankung mit spezifischen Ursachen und einem oft dramatisch schnellen Verlauf. Kolitis zählt zu den gefährlichsten Krankheitsbildern in der Pferdeheilkunde und hat ohne sofortige Intervention eine hohe Sterblichkeitsrate.

Warum Kolitis so gefährlich ist

Die Dickdarmschleimhaut entzündet sich und verliert ihre natürliche Barrierefunktion.

Bakterien, Toxine und Flüssigkeit treten in den Blutkreislauf über – dies führt zu einem systemischen Schock.

Das Pferd verliert in kürzester Zeit massive Mengen an Flüssigkeit und Elektrolyten durch wässrigen Durchfall.

Ohne intensive Infusionstherapie kann das Tier innerhalb von Stunden an Dehydration und Endotoxämie versterben.

Kolitis ist ein intensivmedizinischer Notfall – eine sofortige Klinikeinweisung ist in der Regel unverzichtbar.

Ursachen der Kolitis beim Pferd

Ursache

Erklärung

Salmonella spp.

Häufigste infektiöse Ursache; auch für den Menschen ansteckend! Strenge Hygienemaßnahmen und Quarantäne sind erforderlich.

Clostridium difficile / perfringens

Bakterielle Überwucherung des Dickdarms; tritt oft nach Antibiotikagaben oder Stressereignissen auf.

Coronavirus (ECoV)

Equines Coronavirus; geht häufig mit Durchfall und Appetitverlust einher; seltener, aber möglich.

Zytostatika-Behandlung

Bestimmte Medikamente können die Darmschleimhaut schädigen.

Antibiotika-assoziiert

Breitbandantibiotika stören die physiologische Darmflora und begünstigen das Wachstum von Clostridien.

Rechtsseitige Dorsal-Kolitis (RDDC)

Eine seltene, schwer verlaufende Form, bei der der rechte Dickdarm betroffen ist; Prognose oft vorsichtig.

Idiopathisch

Kein spezifischer Erreger nachweisbar; Ursache unklar, wobei eine stressbedingte Dysbiose vermutet wird.

Toxine / Vergiftungen

Giftpflanzen, Mykotoxine oder kontaminiertes Futter kommen als Auslöser in Betracht.

Symptome der Kolitis – und wie sie sich von Kolik unterscheiden

Merkmal

Kolik

Kolitis

Schmerzcharakter

Bauchdehnung, Krämpfe, Wälzen

Bauchschmerz verbunden mit einem systemischen Krankheitsbild

Durchfall

In der Regel KEIN Durchfall

Fast immer vorhanden – wässrig bis schwallartig

Fieber

Meist nicht vorhanden

Häufig – oft über 39 °C

Allgemeinzustand

Schmerzhaft, aber oft noch aufmerksam

Schwer krank, apathisch, ausgeprägte Schwäche

Schleimhäute

Meist rosa bis leicht blass

Oft stark blass, trocken, zyanotisch

Puls

Erhöht durch Schmerz

Sehr stark erhöht infolge von Schock und Endotoxämie

Dehydration

Möglich bei Verstopfung

Fast immer ausgeprägt – lebensgefährlich

Verlauf

Variabel – Minuten bis Tage

Oft rasant – innerhalb von Stunden bis zum Schock

Klinikbedarf

Je nach Typ – nicht immer zwingend

Fast immer – intensive Infusionstherapie erforderlich

⚠️ Hygienewarnung bei Kolitis: Salmonellen sind für Menschen gefährlich

Pferde mit einer infektiösen Kolitis (z. B. durch Salmonellen) können die Erreger auf den Menschen übertragen.

Konsequente Hygiene ist Pflicht: Schutzkleidung, Einmalhandschuhe, Stiefel desinfizieren und gründlich Hände waschen.

Das erkrankte Pferd sofort isolieren – jeglicher Kontakt zu anderen Pferden oder gesunden Tieren ist zu unterbinden.

Der behandelnde Tierarzt muss über den Verdacht auf eine infektiöse Kolitis informiert werden (Meldepflicht beachten).

7. Kolik vs. Kolitis: Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

Aspekt

Kolik vs. Kolitis

Was es ist

Kolik: Symptom / Sammelbegriff für Bauchschmerzen | Kolitis: Eigenständige Erkrankung (Dickdarmentzündung)

Ursache

Kolik: Mechanisch (Gas, Verstopfung, Verlagerung) | Kolitis: Infektiös, toxisch oder antibiotika-assoziiert

Durchfall

Kolik: In der Regel nein | Kolitis: Fast immer, oft massiv wässrig

Fieber

Kolik: Selten | Kolitis: Häufig, oft stark erhöht

Systemische Erkrankung

Kolik: Selten (außer bei Schock durch Darmverschlingung) | Kolitis: Fast immer – mit Endotoxämie

Ansteckend

Kolik: Nein | Kolitis (infektiös): Ja – Zoonosegefahr (z. B. Salmonellen)

Behandlungsort

Kolik: Oft ambulant lösbar | Kolitis: Fast immer stationäre Klinikbehandlung nötig

Prognose

Kolik: Variabel je nach Typ | Kolitis: Ernsthaft – Sterblichkeitsrate liegt trotz Behandlung bei 20–60 %

8. Prävention: Was Fütterung und Management zur Darmgesundheit beitragen können

Kolik und Kolitis lassen sich nicht immer verhindern – aber das Risiko lässt sich durch ein konsequentes Management deutlich senken. Die Fütterung bildet dabei die wichtigste Stellschraube.

Fütterungsprinzipien für einen gesunden Darm

  • Raufutter ad libitum: Das Pferd benötigt kontinuierlichen Zugang zu Heu – Fresspausen von über 4 Stunden erhöhen das Kolikrisiko und schädigen die Magengesundheit.
  • Kleine Kraftfutterportionen: Maximal 300–400 g pro 100 kg Körpergewicht pro Mahlzeit; große Mengen überfordern den Dünndarm und gelangen unverdaut in den Dickdarm.
  • Langsame Futterumstellungen: Mindestens 2 Wochen Übergangszeit einplanen; abrupte Wechsel destabilisieren die Darmflora.
  • Ausreichend Wasser: Besonders im Winter – zu kaltes Wasser wird oft gemieden; angewärmtes Wasser oder Elektrolyte erhöhen die Trinkmenge.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Darmmotilität; Bewegungsmangel bei Boxenpferden ist ein bekannter Risikofaktor.
  • Heuqualität: Schimmeliges oder stark verschmutztes Heu enthält oft Pilztoxine und gilt als direkter Kolitis-Auslöser.
  • Sandprävention: Auf sandigen Weiden periodisch Flohsamen (Psyllium) einsetzen; Futter sollte nicht direkt vom nackten Sandboden aufgenommen werden.

Darmflora: Die unterschätzte Schutzlinie

Eine stabile und diverse Darmflora bildet die wichtigste Schutzbarriere gegen Kolik und Kolitis. Zu den typischen Störfaktoren zählen:

  • Antibiotika: Insbesondere Breitbandantibiotika; Therapien sollten stets mit Prä- und Probiotika flankiert werden.
  • Stress: Transport, Stallwechsel, Turniere oder Herdenumstellungen erhöhen den Cortisolspiegel und verändern die Darmflora.
  • Abrupte Futterumstellungen: Schockieren die sensible Mikrobiota.
  • Anthelmintika: Eine gezielte Entwurmung nach vorheriger Kotprobenanalyse ist pauschalen Zeitplänen vorzuziehen.
  • Minderwertiges Futter: Schimmel und Pilztoxine sind direkt toxisch für Darmzellen und Mikrobiota.

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ℹ️ Hinweis

Ergänzungsfuttermittel sind keine Arzneimittel und dienen nicht der Behandlung von Kolik oder Kolitis. Sie ergänzen eine vollständige Grundernährung – kein Ersatz für tierärztliche Notfallbehandlungen.

9. Nach der Kolik: Wie geht es weiter?

Nach einer überstandenen Kolik ist das Pferd vulnerabel. Die Rückkehr zur normalen Routine sollte schrittweise und unter aufmerksamer Beobachtung erfolgen:

Zeitraum

Empfohlenes Vorgehen

Erste 12–24 h

Nur Heu in kleinen Portionsmengen; kein Kraftfutter; Wasseraufnahme beobachten; Kotabsatz kontrollieren

Tag 2–3

Langsame Rückkehr zur normalen Heumenge; leichte Bewegung im Schritt; Kraftfutter weiterhin meiden

Tag 4–7

Gradueller Wiedereinstieg in die normale Ration; Verhalten aufmerksam beobachten; bei erneuten Symptomen sofort den Tierarzt rufen

Ab Woche 2

Normales Training ist möglich, sofern sich das Pferd vollständig erholt hat – stets nach vorheriger tierärztlicher Rücksprache

Ursachenanalyse

Ermittlung der Auslöser (Fütterung, Wassermangel, Parasitenbefall); die Ursache muss behoben werden, nicht nur die Symptome

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10. FAQ: Häufige Fragen zu Kolik und Kolitis beim Pferd

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Kolik und Kolitis?

Kolik ist ein Sammelbegriff für Bauchschmerzen jeglicher Genese – ob mechanisch, krampfartig oder durch Verlagerungen bedingt. Kolitis hingegen ist eine eigenständige Entzündungserkrankung des Dickdarms mit systemischen Folgen wie Fieber, Schock und massivem Durchfall. Jede Kolitis äußert sich zwar in kolikartigen Symptomen, aber längst nicht jede Kolik ist eine Kolitis.

Darf ich mein kolikkrankes Pferd wälzen lassen?

Ja. Die frühere Warnung, Wälzen würde Darmverschlingungen verursachen, ist wissenschaftlich längst widerlegt. Wälzen ist ein natürlicher Versuch des Pferdes, den Schmerz zu lindern, und schadet per se nicht. Die einzige Ausnahme: wenn sich das Pferd an umstehenden Hindernissen verletzen kann – diese sollten entfernt werden. Das Führen im Schritt hat zudem einen nachweislich positiven Effekt auf die Darmmotilität.

Wann muss ich sofort in die Klinik?

Eine sofortige Klinikfahrt ist geboten bei: Einem Puls über 60 Schläge/Min., der trotz Behandlung nicht sinkt; blassen oder bläulichen Schleimhäuten; einem Schweißausbruch gefolgt von scheinbarer Beruhigung (Verdacht auf Darmruptur); Schmerzen, die auf Schmerzmittel überhaupt nicht ansprechen; massivem wässrigem Durchfall mit Fieber (Verdacht auf Kolitis) oder Reflux über die Nasenschlundsonde (Dünndarmverschluss). Im Zweifelsfall gilt: Lieber einmal zu früh als zu spät in die Klinik.

Wie lange dauert eine Kolik?

Dies hängt stark vom jeweiligen Typ ab. Krampfkoliken lassen sich mit einem Spasmolytikum oft innerhalb von 30 bis 60 Minuten lösen. Verstopfungskoliken können hingegen Tage beanspruchen. Darmverschlingungen erfordern oft innerhalb weniger Stunden eine Operation. Als Faustregel gilt: Bessert sich der Zustand des Pferdes innerhalb von 30 Minuten nach Behandlungsbeginn nicht merklich, hat sich die Situation verschärft.

Was kostet eine Kolik-Operation?

Kolikoperationen sind kostenintensiv und bewegen sich je nach Klinikaufwand, Kolikart und Nachsorge realistisch zwischen 6.000 und 15.000 Euro. Eine Pferde-OP-Versicherung kann hierbei entlasten – besonders bei jungen oder sportlich genutzten Pferden. Entscheidend ist, dass finanzielle Überlegungen niemals den Zeitpunkt einer notwendigen Operation verzögern dürfen.

Ist Kolitis ansteckend?

Eine infektiöse Kolitis (z. B. durch Salmonellen) stellt eine Zoonose dar und ist somit auf den Menschen übertragbar. Entsprechende Hygienemaßnahmen sind zwingend einzuhalten: Schutzhandschuhe, Schutzkittel, Desinfektion von Stiefeln sowie gründliches Händewaschen. Das betroffene Tier muss strikt isoliert werden, und der Tierarzt ist über die Meldepflicht zu informieren. Nicht-infektiöse Formen der Kolitis (z. B. durch Antibiotika oder Stress) sind hingegen nicht ansteckend.

Kann ich einer Kolik vorbeugen?

Vollständig ausschließen lässt sich eine Kolik nie – aber das Risiko lässt sich durch ein durchdachtes Management stark minimieren. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören: Permanent zugängliches Raufutter, Verzicht auf große Kraftfutterportionen auf einmal, langsame Futterumstellungen, stets sauberes und temperiertes Wasser (auch im Winter), regelmäßige Bewegung, artgerechte Zahnpflege, strategische Entwurmung auf Basis von Kotproben sowie Stressreduktion bei Transport und Stallwechsel.

Was tun nach einer überstandenen Kolik?

An oberster Stelle steht die Ursachenforschung: Welcher Faktor hat die Kolik ausgelöst (Fütterungsfehler, Wassermangel, Parasiten, Darmflorastörung)? Ohne Behebung der Ursache steigt das Rückfallrisiko. Die Fütterung sollte für 2 bis 3 Tage geschont werden (vorwiegend Heu, kein Kraftfutter), Bewegung schrittweise gesteigert, die Darmflora gezielt unterstützt und bei der geringsten erneuten Veränderung umgehend der Tierarzt hinzugezogen werden.

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