EMS bei Pferden: Wenn Fett krank macht und Hufrehe droht - ahipos-horses

EMS bei Pferden: Wenn Fett krank macht und Hufrehe droht

Equines Metabolisches Syndrom (EMS) ist eine der häufigsten, gleichzeitig aber am meisten unterschätzten Stoffwechselerkrankungen bei Pferden und Ponys. Betroffene Tiere sehen oft gut genährt aus – manche sogar gesund. Das Tückische: EMS entwickelt sich schleichend über Jahre und zeigt sich oft erst dann dramatisch, wenn der erste schwere Hufrehe-Schub kommt. Wer die Warnsignale kennt und früh handelt, kann diesen Moment verhindern.

Was ist EMS beim Pferd – einfach erklärt

EMS (Equines Metabolisches Syndrom) ist eine Stoffwechselstörung, bei der die Körperzellen nicht mehr normal auf das Hormon Insulin reagieren – sogenannte Insulinresistenz. Als Reaktion schüttet die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin aus, um den Blutzucker zu regulieren. Dieser chronisch erhöhte Insulinspiegel (Hyperinsulinämie) ist der direkte Auslöser für Hufrehe bei EMS-Pferden.

Es ist ein schleichender Prozess. Erst freut man sich, dass das Pferd „gut im Futter“ steht und wenig Hafer braucht. Dann bilden sich kleine Polster hinter der Schulter und der Mähnenkamm wird fest. Und plötzlich, oft im Frühjahr beim Anweiden, kommt der Schock: Hufrehe.

Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) ist keine Laune der Natur, sondern fast immer die Folge von zu gut gemeinter Haltung. Es ist vergleichbar mit dem Typ-2-Diabetes beim Menschen. Um Dein Pferd zu schützen, musst Du verstehen, was im Stoffwechsel schiefläuft.

Der Feind heißt Insulinresistenz

  • Wenn Dein Pferd Zucker oder Stärke frisst (aus Gras, Müsli oder Heu), steigt der Blutzucker. Die Bauchspeicheldrüse schüttet Insulin aus, um den Zucker in die Zellen zu schleusen (als Energie).
  • Bei übergewichtigen Pferden sind die Körperzellen jedoch irgendwann „satt“. Sie reagieren nicht mehr auf das Insulin. Sie machen die Tür nicht auf. Das nennt man Insulinresistenz.
  • Die Bauchspeicheldrüse reagiert panisch: „Die Tür geht nicht auf? Ich brauche mehr Schlüssel!“ Sie pumpt immer mehr Insulin ins Blut.
  • Das Fatale: Ein dauerhaft hoher Insulinspiegel ist toxisch für die Huflamellen. Er zerstört die Verbindung zwischen Hufbein und Hornkapsel. Deshalb ist EMS die Hauptursache für Hufrehe.

EMS vs. PPID (Cushing): Diese Unterschiede musst du kennen

Merkmal

EMS

PPID / Cushing

Betroffenes Alter

Junge bis mittelalte Pferde

Meist ab 15+ Jahren

Typische Rassen

Ponys, native Rassen, leichtfuttrige Typen

Alle Rassen, alle Altersgruppen

Ursache

Insulinresistenz + Übergewicht

Tumor der Hypophyse (Zwischenlappen)

Langes Fell

Nicht typisch

Charakteristisches Hauptsymptom

Diagnose

Insulintest, oraler Zuckertest (OST)

ACTH-Spiegel im Blut

Behandlung

Diät, Bewegung, Futtermanagement

Pergolid (Medikament, dauerhaft)

Hufrehe-Risiko

Sehr hoch – chronische Hyperinsulinämie

Hoch – durch ACTH-Einfluss

Symptome: Diese Warnsignale zeigen EMS

  • Abnorme Fettpolster: Kamm ('Fettmähnenkamm'), Schultervorsprünge, Schweifrübe, über der Kruppe
  • Übergewicht oder Schwierigkeit, Gewicht zu verlieren – trotz normaler oder reduzierter Fütterung
  • Wiederkehrende Hufrehe ohne erkennbaren klassischen Auslöser
  • Erhöhte Saisonanfälligkeit: besonders Frühjahr und Herbst bei hohem Fruktangehalt im Gras
  • Lethargie, reduzierte Belastbarkeit, frühe Erschöpfung
  • Polydipsie/Polyurie (übermäßiges Trinken und Urinieren) – nicht bei allen EMS-Pferden
  • Muskelabbau trotz gutem Nährzustand – besonders an Rücken und Kruppe

EMS und Hufrehe: Der gefährliche Zusammenhang

Chronisch erhöhte Insulinspiegel schädigen die Blutgefäße in der Huflederhaut (Corium). Die Durchblutung wird systematisch gestört – das führt zu Huflederhautentzündung und im schlimmsten Fall zur Rotation oder zum Durchbruch des Hufbeins.

Das Tückische: EMS-Pferde entwickeln Hufrehe auch ohne akuten Auslöser, weil der Insulinspiegel dauerhaft erhöht ist – nicht nur nach einer akuten Zuckerzufuhr. Diese Pferde sind permanent im Risikozustand.

EMS managen: Die vier wichtigsten Stellschrauben

1. Fütterungsmanagement – die wichtigste Maßnahme überhaupt

Getreidefrei ist Pflicht – aber nicht die Lösung

Die Diagnose EMS erfordert ein radikales Umdenken. Der erste Schritt ist immer die Reduktion von Zucker und Stärke.

  • Getreidefrei füttern: Hafer, Gerste und Mais sind tabu. Kein Kraftfutter, kein Müsli, kein zuckerhaltiges Futter, keine Karotten in großen Mengen
  • Heu waschen? Ja! Wenn das Heu einen hohen Zuckergehalt hat, hilft es, das Heu für 60 Minuten in Wasser zu tauchen. Das wäscht einen Großteil des wasserlöslichen Zuckers (Fruktane) heraus.
  • Kein Gras! Für ein akutes EMS-Pferd ist Weidegang lebensgefährlich. Der Zuckergehalt im Gras schwankt extrem. Bis die Insulinwerte im Blut wieder normal sind, gehört das Pferd auf einen Sandpaddock. Dein Pferd sollte keinen oder stark limitierter Weidezugang haben – besonders morgens und nach Frostnächten
  • Mahlzeiten auf 4–6 kleine Portionen verteilen: Reduziert Insulinspitzen

2. Gewichtsreduktion als aktive Therapie

Übergewicht ist bei EMS nicht nur Symptom, sondern Ursache und Verstärker. Jedes Kilo Übergewicht verschlimmert die Insulinresistenz. Ziel: Body Condition Score auf 4–5/9 reduzieren. Heuration: 1,5% des Zielkörpergewichts in Trockenmasse täglich. Niemals unter 1,0% – das provoziert Hufreheschübe durch Energiemangel.

3. Bewegung als Medikament

Muskelarbeit verbraucht Energie und macht die Zellen wieder sensibel für Insulin.

Viele Besitzer kaufen „Stoffwechsel-Kräuter“ und hoffen auf Wunder. Doch bei EMS gibt es nur ein wirkliches Heilmittel: Moderate, regelmäßige Bewegung verbessert die Insulinsensitivität der Muskeln nachweislich. 30–60 Minuten täglich in der reheschubfreien Phase. In aktiven Hufrehephasen keine Belastung – zwischen den Schüben ist Bewegung Therapie. Ein EMS-Pferd muss arbeiten – und zwar so, dass es schwitzt (sofern keine akute Hufrehe vorliegt!). 30 Minuten Schritt reichen nicht. Trab und Galopp sind nötig, um den Stoffwechsel anzukurbeln.

4. Veterinäre Überwachung

EMS-Pferde sollten regelmäßig kontrolliert werden: Insulintests im Jahresverlauf (besonders Frühjahr), Hufkontrolle alle 6–8 Wochen, Gewichtsverlaufsdokumentation. Bei Verschlechterung: Erweiterte Diagnostik zum Ausschluss von PPID.

Unterstützendes Management

Während Du das Pferd durch Training und Diät managst, kannst Du den Körper unterstützen, die Altlasten loszuwerden.

1. Toxinbindung im Darm

Da der Stoffwechsel von EMS-Pferden auf Hochtouren läuft und das Hufreherisiko durch Endotoxine im Darm erhöht ist, ist eine Entlastung der Leber und des Darms sinnvoll. EQUINOX Nonegus kann hier helfen, Schadstoffe im Darm zu binden, bevor sie den ohnehin gestressten Organismus fluten.

2. Muskeln erhalten trotz Diät

Das große Problem beim Abnehmen: Das Pferd soll Fett verlieren, aber keine Muskeln. Wenn Du das Futter drastisch kürzt, baut der Körper oft erst Muskeln ab (Proteinmangel).

Um das zu verhindern, braucht das Pferd trotz Diät hochwertige Aminosäuren. AHIPOS Body Builder ist hier (in angepasster, kleinerer Dosis oder gezielt nach dem Training) eine Option, da es die essentiellen Bausteine liefert, ohne Massen an Energie/Zucker mitzubringen. So bleibt das Pferd sportlich, während das Fett schmilzt.

AHIPOS-Produktempfehlung

Nonegus – unterstützt die Magenschleimhaut; bei EMS-Pferden mit häufigen Fütterungsumstellungen besonders relevant:

Digestive Plus – stabilisiert die Darmflora bei Futterwechseln und Stressbelastung

Unser Fazit

EMS ist eine ernste, lebensbedrohliche Krankheit, aber sie ist heilbar. Du hast es in der Hand. Es gibt keine Pille dagegen, nur Disziplin.

Konsequente Diät (Heu abwiegen!), Verzicht auf Zucker/Leckerlis und ein straffes Sportprogramm sind der einzige Weg. Wenn Du die Insulinwerte in den Griff bekommst, kann Dein Pferd steinalt werden – ganz ohne Rehe.

 

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FAQ: Häufige Fragen

❓ Kann EMS geheilt werden?

EMS ist nicht heilbar, aber sehr gut managebar. Mit konsequentem Fütterungsmanagement, Gewichtsreduktion und regelmäßiger Bewegung können viele EMS-Pferde ein weitgehend normales Leben ohne Hufreheschübe führen. Das Management ist dauerhaft – eine Lockerung führt meist zu Rückschlägen.

❓ Wie wird EMS beim Pferd diagnostiziert?

Über Bluttests: Der orale Zuckertest (OST) oder der kombinierte Glukose-Insulin-Test (CGIT) messen die Insulinantwort. Ein einzelner Nüchterninsulinspiegel kann EMS übersehen, weil die Insulindynamik entscheidend ist. Die Diagnose stellt ausschließlich der Tierarzt.

❓ Darf ein EMS-Pferd auf die Weide?

Nur mit striktem Management: Weidezugang in fruktanarmen Zeiten (nachmittags/abends), nicht bei sonnigem kaltem Wetter und nach Frostnächten, Weidekörbe bei adipösen Pferden erwägen, Weidezugang schrittweise einführen. Winterweide bei sehr kurz abgefressenem Gras eingeschränkt möglich.

❓ Welche Rassen sind besonders anfällig für EMS?

Besonders gefährdet: Ponyrassen (Welsh, Shetland, Connemara, Haflinger, Isländer), Fjordpferde, Lusitanos, Araber und andere leichtfuttrige Rassen. Diese sind evolutionär darauf programmiert, aus wenig Futter viel herauszuholen – ein Vorteil in karger Natur, der in moderater Haltung zum Problem wird.

❓ Was ist der Unterschied zwischen normaler Hufrehe und EMS-Hufrehe?

Klassische Hufrehe entsteht durch einen einmaligen Insulinpeak (z.B. zu viel frisches Gras). EMS-Hufrehe entsteht durch chronisch erhöhte Insulinspiegel – das Pferd ist permanent im Risiko und bekommt Reheschübe auch ohne akuten Auslöser und scheinbar 'ohne Grund'.

❓ Mein Pony ist dick aber sonst fit – muss ich trotzdem handeln?

Ja, unbedingt. Adipöse Pferde ohne klinische Symptome haben oft bereits messbar erhöhte Insulinspiegel. Das Risiko für einen ersten schweren Reheschub ist auch ohne Vorgeschichte erheblich. Frühzeitiges Gewichtsmanagement ist deutlich einfacher als die Behandlung einer akuten Hufrehe.

❓ Kann Stress bei EMS-Pferden einen Reheschub auslösen?

Ja. Stress erhöht Cortisol, das die Insulinsensitivität weiter verschlechtert. Stressoren wie Transport, Herdenwechsel, Turniere oder Tierarztbesuche können bei EMS-Pferden subklinische Reheschübe auslösen. Magengesundheit und Stressmanagement sind deshalb bei EMS-Pferden besonders relevant.

❓ Wie oft sollte ich das Gewicht meines EMS-Pferdes kontrollieren?

Mindestens wöchentlich mit einem Maßband oder Gewichtsmessband. Zusätzlich regelmäßige Beurteilung des Body Condition Score (BCS) nach dem 9-Punkte-System. Gewichtskurven dokumentieren – langsame Zunahme über Monate ist oft der erste Hinweis auf Verschlechterung.

 

Rechtlicher Hinweis zu unseren Produkten:

Unsere Produkte dienen der Ergänzung der Ration. EMS (Equines Metabolisches Syndrom) ist eine tierärztlich zu behandelnde Stoffwechselstörung. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine tierärztliche Therapie und vor allem kein Bewegungsmanagement. Bei Verdacht auf Hufrehe (Sägebockstellung, warme Hufe) sofort den Tierarzt rufen!

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