Salzleckstein im Offenstall? Warum wir die unkontrollierte Salzaufnahme kritisch sehen

Salzleckstein im Offenstall? Warum wir die unkontrollierte Salzaufnahme kritisch sehen

„Wir haben doch einen Salzleckstein hängen.“

Diesen Satz hören wir häufig, wenn wir Ställe besuchen.

15 Pferde im Offenstall.
Ein großer Salzstein an der Wand.
Und die Überzeugung: „Die holen sich schon, was sie brauchen.“

Das klingt logisch. Natürlich. Fast schon romantisch – als würden Pferde instinktiv ihre Mineralstoffbilanz ausgleichen wie Wildtiere in freier Natur.

Doch moderne Pferdehaltung ist keine Steppe. Und Physiologie funktioniert nicht nach Stallgefühl.

Salz ist lebenswichtig.
Aber unkontrollierte Salzaufnahme ist keine bedarfsgerechte Mineralversorgung.

Und genau hier beginnt das Problem.

Warum Salz für Pferde unverzichtbar ist

Natrium und Chlorid – die beiden Bestandteile von Kochsalz – erfüllen zentrale Aufgaben im Pferdekörper. Sie regulieren den Flüssigkeitshaushalt, ermöglichen die Reizweiterleitung in Nerven und Muskeln und sichern die Stabilität des Blutvolumens.

Ohne ausreichende Natriumzufuhr kann ein Pferd:

Das Entscheidende:
Raufutter enthält in der Regel zu wenig Natrium, um den Bedarf zu decken. Heu ist natriumarm. Gras ebenso.

Ein 600-kg-Pferd benötigt im Erhaltungsbedarf rund 25–30 Gramm Salz täglich. Bei Arbeit, Hitze oder starkem Schwitzen kann sich dieser Bedarf deutlich erhöhen.

Salz ist also kein Luxus – sondern Basis.

Aber Basisversorgung braucht Struktur. Nicht Zufall.

Das Missverständnis vom „Selbstregulierer“

Es stimmt: Pferde besitzen ein gewisses Salzbedürfnis. Doch dieses Bedürfnis ist kein präziser Dosierungsmechanismus.

In freier Wildbahn legen Pferde weite Strecken zurück, um natürliche Salzquellen zu erreichen. Sie bewegen sich viel, schwitzen wenig kontrolliert und stehen nicht in künstlich zusammengesetzten Gruppen.

Im Offenstall hingegen treffen ganz andere Faktoren aufeinander:

  • Dominanzverhalten
  • Stress
  • Futterneid
  • Langeweile
  • individuelle Stoffwechselunterschiede
  • Trainingsbelastung
  • Erkrankungen

Ein rangniedriges Pferd kommt eventuell seltener an den Salzstein.
Ein nervöses Pferd leckt aus Stress.
Ein übergewichtiges Pferd schwitzt kaum, bekommt aber denselben Zugang wie ein Sportpferd.

Die freie Verfügbarkeit ersetzt keine individuelle Bedarfsberechnung.

Das Problem im Gruppenstall

In einem Offenstall mit 10 oder 15 Pferden wird ein Salzleckstein zur Blackbox.

Niemand weiß:

  • Wer wie viel aufnimmt
  • Ob einzelne Pferde deutlich überversorgt sind
  • Ob rangniedrige Tiere unterversorgt bleiben
  • Ob ein Pferd aus Langeweile dauerhaft leckt

Wir haben mehrfach erlebt, dass einzelne Tiere regelrechte „Salzrituale“ entwickeln – besonders bei Stress oder Futterumstellungen.

Salz stimuliert Durst.
Doch wenn Wasseraufnahme nicht ausreichend ist – etwa im Winter bei kaltem Wasser – kann das zu Problemen führen.

Eine chronisch hohe Salzaufnahme belastet die Nieren.
Eine chronisch zu geringe Aufnahme beeinträchtigt Leistungsfähigkeit und Regeneration.

Beides bleibt im Offenstall meist unbemerkt.

Überversorgung – ein unterschätztes Thema

„Zu viel Salz scheidet das Pferd doch aus.“

Teilweise ja. Aber das bedeutet nicht, dass Überdosierung folgenlos bleibt.

Bei dauerhaft hoher Natriumaufnahme muss der Organismus:

  • mehr Flüssigkeit mobilisieren
  • die Nieren stärker beanspruchen
  • Elektrolytgleichgewichte neu regulieren

Gerade ältere Pferde oder Tiere mit Stoffwechselbelastung reagieren sensibler.

Unkontrollierte Aufnahme kann zu:

  • verstärktem Urinabsatz
  • Elektrolytverschiebungen
  • erhöhter Belastung des Filtersystems
  • bei empfindlichen Pferden zu Durchfall oder Kotwasser

führen.

Salz ist kein harmloses „Mehr geht immer“.

Unterversorgung – das stille Risiko

Genauso kritisch ist die Annahme, ein Salzleckstein garantiere ausreichende Aufnahme.

Viele Pferde nehmen überraschend wenig auf – besonders im Winter.

Und gerade im Winter beobachten wir:

Salz stimuliert die Wasseraufnahme – aber nur, wenn es gezielt dosiert wird.

Hier kann eine kontrollierte Ergänzung sinnvoll sein – beispielsweise über ein Elektrolytpräparat wie AHIPOS Elektrolyt, insbesondere bei:

  • stark schwitzenden Pferden
  • intensiver Trainingsphase
  • Turnierbelastung
  • Sommerhitze

Wichtig: AHIPOS Electrolyt ist ein Ergänzungsfuttermittel und ersetzt keine tierärztliche Beratung oder Diagnostik.

Salz ist nicht gleich Elektrolyt

Ein klassischer Salzleckstein besteht in der Regel aus Natriumchlorid.

Doch Schweiß enthält deutlich mehr:

Ein Sportpferd verliert bei intensivem Training relevante Mengen dieser Mineralstoffe.

Ein Salzstein gleicht nur einen Teil davon aus.

Gerade bei leistungsorientierten Pferden reicht ein Leckstein nicht aus, um eine physiologisch saubere Elektrolytbilanz zu gewährleisten.

Die bessere Lösung: Gezielte Salzgabe

Statt Selbstbedienung empfehlen wir in der Praxis:

  • definierte tägliche Salzmenge im Kraft- oder Mineralfutter
  • Anpassung an Trainingsbelastung
  • zusätzliche Elektrolyte bei starkem Schwitzen
  • regelmäßige Beobachtung von Trinkverhalten und Urinmenge
  • saisonale Anpassung (Sommer/Winter)

So bleibt die Versorgung:

  • planbar
  • kontrollierbar
  • individuell anpassbar

Ein Leckstein kann als zusätzliche Sicherheitsquelle hängen – aber nicht als alleinige Strategie.

Spezielle Situationen: Wann Kontrolle besonders wichtig ist

Stoffwechselkranke Pferde (EMS, PPID)

Hier sollte die Mineralstoffzufuhr immer gezielt gesteuert werden.
Unkontrollierte Aufnahme kann die Regulation erschweren.

Ältere Pferde

Die Nierenleistung nimmt physiologisch ab. Hier ist Präzision sinnvoller als freie Verfügbarkeit.

Sportpferde

Elektrolytverluste variieren stark. Salz allein reicht nicht.

Offenstall mit vielen Tieren

Je größer die Gruppe, desto ungenauer die individuelle Aufnahme.

Warum wir Salzlecksteine nicht verteufeln – aber einordnen

Ein Salzleckstein ist nicht grundsätzlich falsch.

Er ist:

  • einfach
  • kostengünstig
  • wartungsarm

Aber er ist keine individuell gesteuerte Fütterung.

In kleinen Gruppen oder bei Einzelhaltung kann er sinnvoll sein.
In großen Offenställen mit heterogener Pferdestruktur ist er eher ein Kompromiss als eine Lösung.

Unsere Erfahrung aus der Praxis

In der Beratung sehen wir regelmäßig:

  • Pferde mit schwankender Leistungsfähigkeit
  • unklare Muskelprobleme
  • geringe Trinkmengen
  • diffuse Verdauungsthemen

Und nicht selten basiert die Mineralstrategie auf einem einzigen Salzstein.

Nach gezielter Umstellung auf definierte Salz- und Elektrolytgabe berichten Halter oft von:

  • stabilerer Leistungsfähigkeit
  • besserem Trinkverhalten
  • ruhigerer Muskulatur
  • gleichmäßigerer Regeneration

Nicht, weil Salz ein Wundermittel ist.
Sondern weil Dosierung plötzlich kontrolliert wird.

Fazit: Bequem ist nicht automatisch bedarfsgerecht

Ein Salzleckstein im Offenstall mit 15 Pferden ist vor allem eines: bequem.

Aber Pferdefütterung sollte nicht bequem sein.
Sie sollte bedarfsorientiert sein.

Salz ist lebenswichtig.
Doch lebenswichtig bedeutet nicht: frei verfügbar ohne Kontrolle.

Gezielte Gabe ist:

  • sicherer
  • nachvollziehbarer
  • physiologisch sauberer

Und genau darum geht es in moderner Pferdefütterung.


FAQ

Reicht ein Salzleckstein für mein Pferd aus?

Als alleinige Quelle ist er unpräzise. Eine definierte Salzgabe im Futter ist kontrollierbarer.

Wie viel Salz braucht ein Pferd täglich?

Ein 600-kg-Pferd im Erhaltungsbedarf etwa 25–30 g. Bei Arbeit deutlich mehr.

Können Pferde zu viel Salz aufnehmen?

Ja – besonders bei Langeweile oder Stress. Chronische Überversorgung kann die Nieren belasten.

Wann sind Elektrolyte sinnvoll?

Bei starkem Schwitzen, Hitze, Turnierbelastung oder intensiver Trainingsphase.

Ersetzen Ergänzungsfuttermittel den Tierarzt?

Nein. Elektrolyt- und Salzprodukte sind Ergänzungsfuttermittel und ersetzen keine tierärztliche Beratung oder Diagnostik.

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