Magnesium beim Pferd in Stressphasen: Wirkung, Bedarf, Dosierung und richtige Quellen - ahipos-horses

Magnesium beim Pferd in Stressphasen: Wirkung, Bedarf, Dosierung und richtige Quellen

Magnesium gehoert zu den am haeufigsten diskutierten Mineralstoffen in der Pferdefuetterung. Es wird oft bei nervösen, schreckhaften oder verspannten Pferden empfohlen – aber was leistet es tatsaechlich biochemisch? Wann ist Ergaenzung sinnvoll? Und was kein Magnesium kann.

Lesezeit: ca. 6 Minuten  |  Aktualisiert: Mai 2026  |  Alle unsere Produkte sind entwickelt mit Tieraerzten & Ernaehrungsberatern

INHALT

  1. Warum Magnesium fuer Nerven und Muskeln so wichtig ist
  2. Wie viel Magnesium braucht ein Pferd – der tatsaechliche Bedarf
  3. Wann steigt der Bedarf an?
  4. Natuerliche Quellen – und warum Gras und Heu manchmal nicht reichen
  5. Magnesium im Verhaeltnis zu Calcium und Phosphor
  6. Was Magnesium leisten kann – und was nicht
  7. Praktische Dosierung und Anwendung
  8. FAQ


1.  Warum Magnesium fuer Nerven und Muskeln so wichtig ist

Magnesium ist Cofaktor fuer ueber 300 Enzymreaktionen. Im Nervensystem blockiert es spannungsgesteuerte Calciumkanaele – das reguliert, wie stark Nervenreize weitergeleitet werden. Ohne ausreichend Magnesium werden diese Kanaele leichter aktiviert: das Ergebnis ist eine erhoehte Reizbarkeit des Nervensystems.

Funktion

Biochemischer Mechanismus

Sichtbar als

Nervenreizsteuerung

Mg blockiert NMDA-Rezeptoren und Ca-Kanaele – reguliert Reizweiterleitung

Ruhigere, gelassenere Reaktion auf Reize

Muskelentspannung

Mg als Ca-Antagonist: Ca loest Kontraktion aus, Mg ermoeglicht Entspannung

Weniger Muskelverspannungen nach Belastung

Energiestoffwechsel

Mg ist Cofaktor fuer ATP-Synthese – unverzichtbar fuer Energieproduktion

Ausdauer, Erholung nach Training

Knochen & Zaehne

Mg ist Bestandteil der Hydroxylapatit-Kristallstruktur

Strukturelle Stabilitaet des Skelettsystems


WICHTIGE EINSCHRAENKUNG

Magnesium reguliert die Intensitaet von Nervenreizen – es ist kein Sedativum und kein Beruhigungsmittel. Ein Pferd, das aus Schmerz, Angst oder schlechter Ausbildung schreckhaft reagiert, wird durch Magnesium allein nicht ruhiger.


Abgrenzung: Stress beim Pferd – Ursachen, Fuetterungstipps und was Magnesium wirklich leistet

2.  Wie viel Magnesium braucht ein Pferd – der tatsaechliche Bedarf

Die NRC (National Research Council) und deutschsprachige Ernaehrungsgesellschaften geben folgende Orientierungswerte:

Pferdekategorie

Mg-Bedarf/Tag (Orientierung)

Bemerkung

Erhaltung (500 kg, keine Arbeit)

ca. 7,5 g Mg/Tag

Grundbedarf – aus Raufutter oft gedeckt

Leichte bis mittlere Arbeit

ca. 8,5–10 g Mg/Tag

Bedarf steigt mit Belastung

Intensive Arbeit / Turnierpferd

ca. 10–15 g Mg/Tag

Plus Verlust durch Schweiss

Stute in Laktation

ca. 10–12 g Mg/Tag

Milchproduktion erhoehrt Bedarf

Senioren

wie Erhaltung, aber Resorption kann schlechter sein

Organische Quellen bevorzugen


SCHWEISSVERLUST BEACHTEN

Pferdeschweiss enthaelt Magnesium – bei intensivem Training oder Hitze kann der Verlust den Tagesbedarf spuerbar erhoehen. Sportpferde, die stark schwitzen, haben haeufig den groessten Ergaenzungsbedarf.


3.  Wann steigt der Bedarf an?

Situation

Warum Mg-Bedarf hoeher

Ergaenzung sinnvoll?

Intensives Training / Turniersaison

Schweissverlust; erhoehter ATP-Bedarf; Muskelarbeit

Ja – begleitend

Transport (> 2h)

Stresshormone foerdern Mg-Ausscheidung ueber Urin

Ja – am Vortag starten

Stallwechsel / neue Herde

Chronisches Kortisol erhoehrt renale Mg-Ausscheidung

Ja – waehrend Adaptationsphase

Fruehjahr mit viel Frischgras

Frischgras hat hohes Mg, aber auch hohes Kalium – hemmt Mg-Aufnahme

Pruefen; Blutbild bei Unsicherheit

Alte oder resorptionsschwache Pferde

Darmresorption kann mit Alter abnehmen

Organische Mg-Formen bevorzugen

Pferde mit Muskelzittern oder Krampfneigung

Deutliches Zeichen fuer Mg-Unterversorgung – Tierarzt!

Ja – nach Diagnose


4.  Natuerliche Quellen – und warum Gras und Heu manchmal nicht reichen

Futtermittel

Mg-Gehalt (Orientierung)

Besonderheit

Frisches Gras (intensiv)

2,0–3,5 g Mg/kg TS

Haeufig ausreichend – aber Kalium hemmt Resorption

Heu (gut, erster Schnitt)

1,5–2,5 g Mg/kg TS

Qualitaet variiert stark; Lagerungsverluste moeglich

Hafer

ca. 1,2 g Mg/kg

Gute Quelle; aber niedriger Mg-Gehalt insgesamt

Ruebenschnitzel (getrocknet)

ca. 4,0 g Mg/kg

Gute natuerliche Mg-Quelle

Leinsamen

ca. 3,5 g Mg/kg

Plus Omega-3-Bonus

Mineralfutter (Produkt-abhaengig)

Variiert stark

Mengenfutter pruefen – Mg oft drin, aber in ausreichender Dosis?


KALIUM-MAGNESIUM-ANTAGONISMUS

Auf kraftfutter- und weide-intensiven Rationen kann ein hohes Kalium-Angebot die intestinale Magnesium-Resorption hemmen. Wer viel Frischgras oder kaliumreiches Heu fuettert, sollte Mg-Status im Blick behalten.


5.  Magnesium im Verhaeltnis zu Calcium und Phosphor

Magnesium wirkt nicht isoliert. Das Verhaeltnis zu Calcium ist entscheidend: Ca und Mg sind physiologische Antagonisten. Ca loest Muskelkontraktionen aus; Mg ermoeglicht die Entspannung. Beides im richtigen Verhaeltnis haelt Muskulatur und Nervensystem im Gleichgewicht.

Mineralstoff-Relation

Optimaler Richtwert

Was bei Ungleichgewicht passiert

Calcium : Magnesium

ca. 2:1 bis 3:1 (Ca:Mg)

Zu viel Ca ohne Mg: erhoehte Muskelspannung; zu viel Mg ohne Ca: selten, aber Resorptionsstoerungen

Calcium : Phosphor

1,2:1 bis 2:1 (Ca:P)

Wichtig fuer Knochenstoffwechsel; Mg-Resorption wird durch P-Ueberschuss gehemmt

Natrium : Kalium

Soll ausgeglichen sein

Hoher K-Spiegel hemmt Mg-Aufnahme im Darm


PRAXISHINWEIS

Wer isoliert Magnesium ergaenzt, ohne die Gesamtration zu kennen, kann das Gleichgewicht ungewollt verschieben. Gesamtration kalkulieren oder fertige Kombinationsprodukte verwenden, die das Ca:Mg:P-Verhaeltnis bereits beruecksichtigen.


6.  Was Magnesium leisten kann – und was nicht

Was Mg leisten KANN

Was Mg NICHT kann

✓  Nervenreize modulieren (nicht ausschalten)

✓  Muskelentspannung nach Kontraktion foerdern

✓  Stressbedingten Mg-Verlust ausgleichen

✓  Energiestoffwechsel unterstuetzen

✓  Teil eines ausgewogenen Mineralstoffprofils sein

–  Schmerz oder Angst als Stressursache beseitigen

–  Schlechtes Training oder Haltung ausgleichen

–  Als alleinige Massnahme bei nervösen Pferden ausreichen

–  Sofort wirken (Tage bis Wochen bis Wirkung sichtbar)

–  PPID, Hypothyreose oder andere Erkrankungen behandeln


7.  Praktische Dosierung und Anwendung

Ergaenzungsformen im Vergleich

Mg-Form

Bioverffuegbarkeit

Einsatz

Magnesiumoxid (MgO)

Mittel (30–40 %)

Gängigste und guenstigste Form; ausreichend fuer Grundversorgung

Magnesiumcitrat

Hoch (> 60 %)

Bevorzugt bei Senioren oder bekannter Resorptionsschwaeche

Magnesiumchlorid

Hoch

Auch als Badezusatz – oral moeglich aber selten im Pferdeeinsatz

Kombinationsprodukte (Ca/Mg/P/Vit E)

Abgestimmt

Sicherster Weg – Verhaeltnisse bereits kalkuliert


Dosierungshinweis: Immer den Herstellerempfehlungen folgen. Schrittweise eindosieren (1–2 Wochen). Wirkung zeigt sich erst nach einigen Tagen bis Wochen – nicht nach dem ersten Tag.


MG + CA + P + VIT E – AUSGEWOGEN

AHIPOS Coolness

Magnesium, Calcium, Phosphor und Vitamin E in abgestimmtem Verhaeltnis – fütterungsbegleitende Unterstuetzung des Nervensystems in Stressphasen. Kein Beruhigungsmittel – Naehrstoffergaenzung mit klarer Logik.

Zum Produkt auf ahipos-horses.de


Passend: Mineralfutter richtig waehlen – Mangel & Ueberversorgung vermeiden  ·  Spurenelemente beim Pferd – kleine Mengen, grosse Wirkung

Fazit

Magnesium ist ein echter Grundbaustein fuer Nerven und Muskeln – aber kein Wundermittel. Wer die biochemische Wirkung versteht, setzt es gezielt ein: in Belastungsphasen, bei Schweissverlusten und wenn die Gesamtration eine Luecke zeigt.

EXPERTENRAT

Gesamtration kalkulieren bevor Magnesium ergaenzt wird. Ca:Mg-Verhaeltnis beachten. Kombinationsprodukte wie AHIPOS Coolness sind sicherer als isolierte Mg-Zufuhr. Tierarzt bei Muskelzittern oder Krampfneigung – das sind Symptome die abgeklaert werden muessen.


Weiterführend: Stress beim Pferd – Ursachen & Fuetterungstipps  ·  Warum Stress und Infekte fuer Pferde besonders belastend sind  ·  Elektrolyte beim Pferd – warum sie im Sommer unverzichtbar sind

8.  FAQ – Magnesium beim Pferd

Wann sollte ich meinem Pferd Magnesium geben?

Besonders sinnvoll in Belastungsphasen mit erhoehtem Schweissverlust (Turnier, intensives Training), bei stressbedingter Mg-Ausscheidung (Transport, Stallwechsel) oder wenn die Gesamtration eine Luecke zeigt.

Woran erkenne ich einen Magnesiummangel?

Nervositaet, Muskelzittern und Krampfneigung koennen Hinweise sein – aber diese Symptome haben viele Ursachen. Sicherer Nachweis nur durch Blutbild (Mg im Serum, idealerweise im Vollblut). Tierarzt einbeziehen.

Kann Magnesium dauerhaft gefüttert werden?

Ja, solange die Dosierungsempfehlung eingehalten und die Gesamtration beruecksichtigt wird. Das Ca:Mg-Verhaeltnis (ca. 2:1) im Blick behalten.

Gibt es natuerliche Magnesiumquellen?

Ja – Heu, Gras, Ruebenschnitzel und Leinsamen liefern Magnesium. In Stresssituationen oder bei erhoehtem Bedarf reicht das haeufig nicht aus.

Wirkt Magnesium sofort?

Nein – Tage bis Wochen sind realistisch, bis eine Wirkung sichtbar wird. Wer Sofort-Ergebnisse erwartet, wird enttaeuscht. Magnesium ist eine Dauerversorgung, kein Akutmittel.


HINWEIS

Bei Unsicherheiten oder anhaltenden Problemen immer Tierarzt oder Fütterungsberater hinzuziehen.


Fachredaktion Ahipos Horses

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit unseren Futtermittelexperten, Ernaehrungsberatern. Grundlagen basieren auf NRC-Empfehlungen und aktueller wissenschaftlicher Literatur zum Pferd.


DAS KOENNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

 

Zurück zum Blog