Heulage-Fütterung: Segen für Allergiker oder Ursache für den Blähbauch?

Heulage-Fütterung: Segen für Allergiker oder Ursache für den Blähbauch?

„Seit wir Heulage füttern, hat er diesen Bauch.“

Diese Aussagen hören wir regelmäßig:

„Er sieht aus wie tragend – aber er ist ein Wallach.“
„Mit Heu war alles stabil. Mit Heulage kam das Kotwasser.“
„Er wirkt aufgegast nach dem Fressen.“
„Das Fell wurde stumpfer und er ist träger.“

Heulage wird oft als moderne, hygienische Lösung gefeiert.
Doch sie verändert die Darmphysiologie deutlich stärker als viele glauben.

Die Frage ist nicht: Ist Heulage gut oder schlecht?
Die Frage ist: Für welches Pferd – unter welchen Bedingungen – in welcher Menge?

Heulage ist kein „besseres Heu“ – sie ist ein anderes Futtermittel

Der entscheidende Unterschied liegt im Herstellungsprozess.

Heu:
• luftgetrocknet
• geringer Restzuckergehalt
• neutrale pH-Struktur

Heulage:
• siliert
• fermentiert
• deutlich niedrigerer pH-Wert
• enthält Milchsäurebakterien
• Restfeuchte deutlich höher

Das bedeutet:
Heulage bringt aktive Fermentationsprozesse direkt in den Pferdedarm.

Und genau hier beginnt die Diskussion.

Der pH-Wert – unterschätzter Faktor

Heulage hat einen sauren pH-Wert (oft zwischen 4,5 und 6).

Das Problem:
Der Pferdemagen produziert selbst kontinuierlich Säure.

Kommt nun saure Heulage hinzu, kann das bei empfindlichen Pferden:

• Magenirritationen verstärken
Säurebalance verschieben
• die Schleimhaut belasten
• Stressreaktionen triggern

Nicht jedes Pferd reagiert sensibel.
Aber Sportpferde, Stresspferde oder magenempfindliche Tiere tun es häufiger.

Warum entsteht der typische Blähbauch?

Ein „Heulage-Blähbauch“ ist meist kein Fett – sondern Gasbildung.

Ursachen:

• schnellere mikrobielle Fermentation
• Verschiebung der Darmflora
• erhöhte Gasproduktion im Blinddarm
• unvollständige Faserverdauung
• instabile mikrobielle Balance

Typische Begleitzeichen:

• aufgeblähte Flanken
• schwankende Kotkonsistenz
Kotwasser
• Leistungseinbruch
vermehrtes Gähnen
• empfindlicher Bauch

Der Darm ist kein isoliertes System.
Er beeinflusst Immunsystem, Muskelstoffwechsel und sogar Verhalten.

Heulage – für wen kann sie sinnvoll sein?

Es gibt klare Vorteile:

• staubarm – ideal für COB-Patienten
• geringere Schimmelbelastung bei korrekter Herstellung
• höhere Energiedichte

Doch sinnvoll ist sie vor allem:

bei Atemwegserkrankungen
• bei schwerfuttrigen Pferden
• bei sehr guter hygienischer Qualität
• bei stabiler Darmflora

Nicht sinnvoll ist sie oft bei:

• stoffwechselanfälligen Pferden
• Pferden mit chronischem Kotwasser
• magenempfindlichen Pferden
• leichtfuttrigen Rassen
• instabilen Beständen mit wechselnder Qualität

Qualität ist nicht verhandelbar

Heulage ist extrem empfindlich.

Probleme entstehen durch:

• falsche Trockensubstanz
• unzureichende Verdichtung
• Fehlgärungen
Mykotoxinbelastung
• zu lange Lagerzeiten
• unsaubere Entnahme

Gerade Mykotoxine sind ein stilles Problem.
Sie belasten Leber, Immunsystem und Darm – oft ohne akute Symptome.

Hier kann in problematischen Beständen EQUINOX Nonegus unterstützend eingesetzt werden, um den Verdauungstrakt bei Futterbelastung zu stabilisieren.

Wichtig:
Nonegus ist ein Ergänzungsfuttermittel und ersetzt keine Qualitätskontrolle oder tierärztliche Abklärung.

Darmstabilität – der Schlüssel zur Heulage-Verträglichkeit

Wenn Heulage gefüttert wird, sollte die Darmflora stabil sein.

Unterstützend kann eingesetzt werden:

AHIPOS Digestiv

Zur Unterstützung einer physiologischen Darmfunktion bei empfindlichen Pferden.
Ziel ist es, das mikrobielle Gleichgewicht zu fördern und Verdauungsstörungen vorzubeugen.

Auch hier gilt:
Ergänzungsfuttermittel ersetzen keine tierärztliche Diagnostik.

Häufige Denkfehler

„Heulage ist immer besser als Heu.“
→ Falsch. Es ist anders – nicht automatisch besser.

„Blähbauch ist nur optisch.“
→ Nein. Gasbildung bedeutet mikrobielle Instabilität.

„Kotwasser hat nichts mit Futter zu tun.“
→ Doch, sehr häufig.

„Wenn alle im Stall Heulage füttern, passt das schon.“
→ Nicht jedes Pferd reagiert gleich.

Praxisstrategie bei Blähbauch unter Heulage

  1. Qualität prüfen (Analyse!)
  2. Fütterungsmenge kontrollieren
  3. Übergang langsam gestalten
  4. Kraftfutter reduzieren
  5. Darm stabilisieren
  6. Stressfaktoren minimieren
  7. ggf. Teilumstellung auf Heu

Manchmal reicht bereits eine 30–50 % Heu-Beimischung, um das System zu stabilisieren.

Fazit: Heulage ist kein Allheilmittel

Sie kann Segen sein.
Sie kann Problemverstärker sein.

Entscheidend ist:

• Qualität
• Pferdetyp
• Darmgesundheit
• Management

Ein Blähbauch ist kein Schönheitsfehler.
Er ist ein Zeichen, dass der Darm mehr arbeitet, als er sollte.

Wer genau hinsieht, erkennt frühzeitig, ob Heulage passt – oder ob Anpassungen nötig sind.

FAQ

Verursacht Heulage automatisch Kotwasser?

Nein. Aber bei empfindlichen Pferden steigt das Risiko.

Ist Heulage saurer als Heu?

Ja. Der Fermentationsprozess senkt den pH-Wert deutlich.

Kann ich Heulage und Heu mischen?

Ja – das ist oft eine sinnvolle Übergangslösung.

Helfen Darmprodukte?

Sie können unterstützend wirken – ersetzen aber keine Ursachenanalyse.

Sollte ich bei chronischem Blähbauch den Tierarzt einschalten?

Ja, besonders wenn Gewichtsverlust, Kolik oder Leistungsabfall hinzukommen.

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