Pferd koppt – Verhaltensstörung oder stiller Hilferuf des Magens?
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„Er koppt halt.“ – Drei Sätze, die wir viel zu oft hören
„Der Vorbesitzer meinte, das macht er schon immer.“
„Ist halt eine schlechte Angewohnheit.“
„Wenn ich ihn mehr reite, hört er damit auf.“
Nach über 15 Jahren intensiver Arbeit mit Sport- und Freizeitpferden können wir eines klar sagen:
Koppen ist kein Charakterfehler.
Es ist fast immer ein Symptom.
Und wer Symptome nur abstellt – statt Ursachen zu verstehen – verschiebt das Problem.
Was bedeutet „Koppen“ eigentlich genau?
Koppen ist eine sogenannte stereotype Verhaltensweise. Das Pferd setzt die Schneidezähne an einer Kante an, spannt Halsmuskulatur und Unterkiefer an und zieht Luft ein. Dabei entsteht oft ein typisches Geräusch.
Wichtig:
Nicht jedes Luftschnappen ist echtes Koppen. Man unterscheidet:
- Aufsetzkoppen
- Freikoppen
- Luftschnappen ohne Aufsetzen
Gemeinsam haben sie eines:
Sie entstehen meist aus einem chronischen inneren Spannungszustand.
Warum Pferde koppen – die häufigsten Ursachen
1. Chronischer Stress
Pferde sind Dauerfresser, Herdentiere und Bewegungstiere. Boxenhaltung, lange Fresspausen, soziale Isolation oder hohe Trainingsanforderungen erzeugen Stress.
Stress wiederum führt zu:
- erhöhter Magensäureproduktion
- veränderter Darmmotorik
- dauerhaft erhöhtem Cortisol
- gestörter Reizverarbeitung
Und hier beginnt das eigentliche Problem.
2. Magenprobleme – der unterschätzte Auslöser
Studien zeigen eine klare Verbindung zwischen:
- Koppen
- Magengeschwüren (EGUS)
- chronischer Übersäuerung
Warum?
Der Pferdemagen produziert 24 Stunden Magensäure – auch ohne Futter.
Fehlt Raufutter, fehlt der natürliche Puffer.
Die Folge:
- Reizung der Magenschleimhaut
- Schmerzen
- Spannungszustand
Viele Pferde koppen, weil das Luftziehen kurzfristig Druck im Magen verändert.
Es ist kein „Tick“.
Es ist oft eine Selbstregulation.
3. Frühere Fütterungsfehler
Zu viel Stärke.
Zu wenig Raufutter.
Unregelmäßige Fütterung.
Schlechte Heuqualität.
All das verändert:
- pH-Wert im Verdauungstrakt
- Darmflora
- Schleimhautintegrität
Und damit die gesamte Stressresilienz des Pferdes.
Warum ein Koppriemen keine Lösung ist
Ein Koppriemen verhindert die Bewegung.
Aber nicht die Ursache.
Was passiert dann?
- Stress steigt weiter
- Cortisol bleibt erhöht
- Magenprobleme verschlechtern sich
- andere Stereotypien entstehen
Wir sehen das regelmäßig in der Praxis.
Koppen ist nicht das Problem.
Es ist der Hinweis.
Der Zusammenhang zwischen Magen & Nervensystem
Der Darm besitzt ein eigenes Nervensystem – das enterische Nervensystem.
Über die sogenannte Darm-Hirn-Achse beeinflusst der Verdauungstrakt:
- Stimmung
- Stressverarbeitung
- Reaktionsverhalten
Ein chronisch gereizter Magen bedeutet:
→ dauerhaft erhöhte Reizbereitschaft
→ Unruhe
→ stereotype Verhaltensmuster
Deshalb ist Koppen häufig mehr Stoffwechselthema als Erziehungsproblem.
Was wirklich hilft – ein ganzheitlicher Ansatz
1. Management optimieren
- 24h Zugang zu hochwertigem Raufutter
- Heunetze zur Verlängerung der Fresszeit
- Sozialkontakt
- tägliche Bewegung
- stressarme Trainingsplanung
Das ist die Basis. Ohne diese Maßnahmen wirkt kein Ergänzungsfuttermittel nachhaltig.
2. Magenschleimhaut stabilisieren
Hier setzen wir in der Praxis häufig auf:
🔹 EQUINOX Nonegus
Zur Unterstützung der Magenschleimhaut, der natürlichen Barrierefunktion und des Verdauungsgleichgewichts – besonders bei stressanfälligen Pferden.
Nonegus ist ein Ergänzungsfuttermittel und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Therapie.
3. Darmflora & Stressachse unterstützen
Wenn zusätzlich Kotwasser, Blähungen oder wechselnde Konsistenz auftreten, kann eine Stabilisierung der Darmflora sinnvoll sein.
🔹 AHIPOS Digestiv
Digestiv Zur Unterstützung einer stabilen Darmfunktion bei sensiblen Pferden.
Auch hier gilt:
Ergänzungsfuttermittel sind begleitend gedacht und ersetzen keine tierärztliche Behandlung.
Wie lange dauert es, bis sich Koppen verändert?
Ehrlich?
Manchmal gar nicht vollständig.
Denn:
Ist das Verhalten neurologisch manifestiert, bleibt es als Muster bestehen.
Aber:
Wir erleben häufig:
- geringere Intensität
- weniger Häufigkeit
- entspannteres Gesamtverhalten
- bessere Trainingsbereitschaft
Und genau das ist das Ziel.
Nicht Symptomunterdrückung.
Sondern Systemberuhigung.
Wann muss unbedingt der Tierarzt ran?
- Gewichtsverlust
- schlechte Futteraufnahme
- häufiges Gähnen
- Leistungseinbruch
- Kolik-Anzeichen
- auffällige Blutwerte
In diesen Fällen ist eine Gastroskopie sinnvoll.
Fazit: Koppen ist kein Charakterfehler
Koppen ist häufig:
- Stressreaktion
- Magenproblem
- Ausdruck innerer Überforderung
Wer nur das Geräusch bekämpft, ignoriert die Ursache.
Wer den Stoffwechsel stabilisiert, Haltung optimiert und gezielt unterstützt, verändert das gesamte System.
Und genau das sehen wir immer wieder:
Wenn der Magen ruhig wird, wird oft auch das Pferd ruhiger.
FAQ – Die häufigsten Fragen aus der Praxis
Ist Koppen ansteckend?
Nein. Es handelt sich nicht um ein erlerntes Verhalten durch Nachahmung, sondern um eine individuelle Stressreaktion.
Bekommt ein Kopper immer Magengeschwüre?
Nicht zwingend. Aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich erhöht. Eine Abklärung lohnt sich.
Hilft mehr Arbeit gegen Koppen?
Nicht, wenn die Ursache im Magen liegt. Mehr Training kann Stress sogar verstärken.
Sollte ich einen Kopper kaufen?
Nur, wenn du bereit bist, Management, Fütterung und den Stress konsequent zu optimieren.
Können Ergänzungsfuttermittel Koppen heilen?
Nein. Sie können unterstützend wirken, ersetzen aber keine Haltungsanpassung und keine tierärztliche Diagnose.