Warum Pferde keine Wiederkaeuer sind - und was das fuer die Fuetterung bedeutet
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Viele Pferde erhalten zu wenig Raufutter, zu selten, und die Fuetterungsintervalle sind zu lang. Um zu verstehen, warum das ein Problem ist, muss man verstehen, wie der Pferdemagen tatsaechlich funktioniert – und warum er sich fundamental von dem eines Rindes unterscheidet.
Lesezeit: ca. 8 Minuten | Aktualisiert: Mai 2026 | Basiert auf Empfehlungen & aktueller Pferdesportmedizin in Kooperation mit BioVet
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16–18 Std. grast ein Wildpferd taeglich |
> 60 % der Sportpferde mit Magenlaesionen (endoskopisch) |
max. 4–6 h maximale Raufutter-Pause ohne erhoehtes Magenrisiko |
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INHALT 1. Das Grundprinzip: Kontinuierliche Saeurproduktion 2. Pferd vs. Wiederkaeuer – der entscheidende Unterschied 3. Was passiert, wenn der Magen zu lange leer ist 4. Wie viel Raufutter braucht ein Pferd wirklich? 5. Magen und Training: Die unterschaetzte Verbindung 6. Die Darmflora: Pferd-spezifisch und sensibel 7. Unterstuetzung mit klarer Logik: Digestive Plus & Nonegus 8. FAQ |
1. Das Grundprinzip: Kontinuierliche Saeurproduktion
Der Magen des Pferdes produziert permanent Salzsaeure – unabhaengig davon, ob Futter vorhanden ist oder nicht. Das ist keine Fehlfunktion, sondern evolutionaere Anpassung an ein Tier, das in der Wildbahn 16–18 Stunden taeglich grast und den Magen kaum leer werden laesst.
Beim Wiederkaeuer (Rind, Schaf, Ziege) sieht das anders aus: Sie haben einen mehrkammerigen Magen mit komplexer Mikrobiotafauna, der Futter ruecklaeufig wieder hochbringt und neu verarbeitet. Das Pferd hat einen einzigen, relativ kleinen Magen (ca. 8–15 Liter Fassungsvermoegen) ohne Pansenfunktion.
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KERN DES MISSVERSTAENDNISSES Weil Pferde so aehnlich wie Rinder erscheinen, wird ihr Verdauungssystem aehnlich behandelt. Es ist aber fundamental anders. Das ist der wichtigste Satz dieses Artikels. |
2. Pferd vs. Wiederkaeuer – der entscheidende Unterschied
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Merkmal |
Pferd |
Rind (Wiederkaeer) |
|---|---|---|
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Magentyp |
Einkammeriger Magen |
Vier-Kammer-Magen (Pansen, Netzmagen, Blaettermagen, Labmagen) |
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Saeurproduktion |
Kontinuierlich, 24/7 |
Bedarfsgesteuert, primaere Verdauung im Pansen |
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Magenvolumen |
8–15 Liter |
Pansen: 150–200 Liter |
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Optimale Fresszeit/Tag |
16–18 Stunden |
8–10 Stunden mit Wiederkaeuen |
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Risiko bei Nuechternheit |
Magengeschwuere durch Saeure auf leerem Magen |
Gering – Panseninhalt puffert |
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Rohfaserverdauung |
Primaer im Blind- und Grimmdarm |
Primaer im Pansen |
Passend: Magengeschwuer beim Pferd – der komplette Ratgeber EGUS · ESGD vs. EGGD – die zwei Gesichter von Magengeschwueren
3. Was passiert, wenn der Magen zu lange leer ist
Bei einem Pferd mit 3 Fuetterungszeiten taeglich entstehen regelmaessig Pausen von 6–10 Stunden ohne Futter. In dieser Zeit produziert der Magen unveraendert Saeure – die sich im unteren Magenbereich (Druesenzone) ansammelt.
Problematisch wird das fuer die obere, druesenlose Magenzone (Plattenepithel-Zone), die keine Schutzschicht gegen Saeure besitzt. Bei leerem Magen – besonders waehrend Bewegung – kommt diese Zone mit der Saeure in Kontakt.
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Untere Magenzone (Druesenzone) |
Obere Magenzone (Plattenepithel) |
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Produziert Saeure Hat Schleimhautschutz-Schicht EGGD betrifft diese Zone |
Kein eigener Saeureschutz Anfaellig bei leerem Magen & Bewegung ESGD betrifft diese Zone |
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STUDIENLAGE Studien der University of Nottingham zeigen, dass ueber 60 % der Sportpferde und Rennpferde endoskopisch nachweisbare Magenlaesionen aufweisen – die meisten ohne offensichtliche klinische Zeichen. |
Symptome richtig deuten: Pferd gaehnt staendig – Stresssignal oder Magenproblem? · Wenn der Magen mitreitet – Stress erkennen & vermeiden
4. Wie viel Raufutter braucht ein Pferd wirklich?
Die NRC (National Research Council) und europaeische Ernaehrungsgesellschaften empfehlen als Minimum 1,5 % des Koerpergewichts als Trockensubstanz aus Raufutter taeglich. Fuer ein 550 kg Pferd sind das mindestens 8,25 kg Trockenmasse – also ca. 9–10 kg Heu (bei ca. 85 % Trockenmasse).
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MINDEST-RAUFUTTER-RECHNER Formel: Koerpergewicht (kg) x 0,015 = Mindestmenge Trockenmasse (kg) taeglich. Bei 500 kg = 7,5 kg TS. Bei 600 kg = 9,0 kg TS. Praxiswert Heu (85 % TS): Ergebnis / 0,85. |
Mindestens genauso wichtig wie die Menge: die Verteilung. Leerperioden von mehr als 4–6 Stunden sollten vermieden werden.
Praktische Massnahmen
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Heunetze mit kleinen Maschen (4–5 cm): Verlangsamen die Aufnahmegeschwindigkeit und strecken die Fresszeit – ohne mehr Heu fuettern zu muessen.
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Nacht-Heu: Pferde fressen nachts natuerlich. Ein gefuelltes Heunetz zur Nacht reduziert die saeuregefaehrdete Leerperiode erheblich.
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Raufutter VOR Kraftfutter: Zuerst Heu fuettern – das bildet einen Puffer und stimuliert die Speichelproduktion (Speichel ist alkalisch und puffert die Magensaeure).
Heuqualitaet beurteilen: Heuqualitaet erkennen – worauf Pferdebesitzer achten sollten · Wie Futterqualitaet den Verdauungstrakt beeinflusst
5. Magen und Training: Die unterschaetzte Verbindung
Intensive Bewegung erhoehte den Magendruck und befoerdert sauren Mageninhalt in die druesenlose Zone. Studien zeigen, dass Pferde, die nuechtern longiert oder gearbeitet werden, deutlich erhoehte Magenlaesionsraten aufweisen.
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EMPFEHLUNG AUS DER PFERDESPORTMEDIZIN Mindestens 30–60 Minuten vor dem Training eine kleine Raufuttermenge fuettern. Das puffert, reduziert Mageninhaltsverlagerung und wirkt prophylaktisch gegen trainingsbedingte Magenschaeden. Optimal: 200–300 g Luzerne direkt vor dem Reiten. |
Relevant fuer Turnierpferde: Leistungsabfall durch Magengeschwuere – Zusammenhang Sport · ADMR-konform im Turniersport – was Pferdebesitzer wissen muessen
6. Die Darmflora: Pferd-spezifisch und sensibel
Waehrend der Magen des Pferdes simpel klingt, ist der Hinterdarm hochkomplex: Blinddarm (ca. 30–35 Liter) und Grimmdarm (ca. 80–90 Liter) beherbergen eine riesige Mikrobiota-Gemeinschaft, die Rohfaser (Zellulose, Hemizellulose) zu kurzkettigen Fettsaeuren fermentiert – die wichtigste Energiequelle des Pferdes.
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Darmabschnitt |
Volumen |
Hauptfunktion |
Sensibilitaet |
|---|---|---|---|
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Magen |
8–15 Liter |
Saeureverarbeitung, Eiweissverdauung |
Saeureschaden bei Leerperioden |
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Duenndarm |
ca. 70 Liter |
Aminosaeure-, Fett-, Zuckerverdauung |
Staerekeoberladung -> Fermentation |
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Blinddarm |
30–35 Liter |
Rohfaserfermentation, Mikrobiota-Hub |
Sehr empfindlich bei Futterwechsel |
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Grimmdarm |
80–90 Liter |
Hauptfermentationskammer, Wasserentzug |
Empfindlich bei Stressloads |
Diese Mikrobiota ist empfindlich gegenueber:
- Ploetzlichen Futterwechseln (z. B. Heuwechsel, Weidebeginn)
- Antibiotika-Gaben
- Hohen Staerkemengen aus Getreide ohne Anpassung
- Psychischem Stress und langen Raufutter-Pausen
Vertiefend: Darmflora beim Pferd – warum sie ueber Gesundheit entscheidet · Futterumstellung beim Pferd – so gelingt sie stressfrei · Anweiden im Fruehjahr – so gelingt der Start auf die Fruehlingweide
7. Unterstuetzung mit klarer Logik: Digestive Plus & Nonegus
AHIPOS Digestive Plus – taeegliche Basis
AHIPOS Digestive Plus setzt mit kohlensaurem Algenkalk auf physiologische Saeure-Pufferung im Magen – nicht als Therapie, aber als ernaehrungsseitige Unterstuetzung der normalen Magenfunktion. Die Lebendhefe Levucell SC stabilisiert die Blinddarmflora bei Pferden, die unter Stress, wechselnder Futterqualitaet oder intensivem Trainingsalltag stehen.
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LEVUCELL SC – WARUM DIESE HEFE SPEZIFISCH IST Levucell SC (Saccharomyces cerevisiae var. boulardii CNCM I-1079) ist eine patentierte, hitzestabile Lebendhefe, die speziell fuer ihre Wirkung im equinen Blinddarm untersucht wurde. Die Spezifizitaet des Stamms ist relevant – nicht jede Backhefe hat dieselbe Wirkung. |
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TAEGLICH – MAGEN & DARM AHIPOS Digestive Plus Kohlensaurer Algenkalk (Saeure-Puffer) + Levucell SC (Lebendhefe Blinddarm) – die taeegliche ernaehrungsbegleitende Basis fuer Magenfunktion und Darmflorastabilitaet. |
Equinox Nonegus – fuer intensivere Situationen
Fuer intensivere Situationen – nach Antibiotika, bei akuter Darmflora-Destabilisierung oder in Belastungsphasen – bietet Aquinox Nonegus als hochkonzentriertes Liquid eine skalierbare Unterstuetzungsoption mit Sucralfat und Slippery Elm.
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SITUATIV – SCHLEIMHAUTSCHUTZ Equinox Nonegus Begleitender Schleimhautschutz fuer intensive Belastungsphasen, vor Turnieren und Transport, und als Prophylaxe bei magensensiblen Pferden. |
Mehr zu natuerlichen Schleimhaut-Wirkstoffen: Suesssholzwurzel (DGL) – natuerlicher Schutz fuer die Magenschleimhaut · Der Magen im Gleichgewicht – wie Fuetterung & Routine helfen
8. FAQ – Verdauung beim Pferd
Hat mein Pferd Magengeschwuere, wenn es schlechte Rittigkeitstage hat?
Rittigkeitsprobleme koennen viele Ursachen haben. Magengeschwuere sind eine Moeglichkeit – aber nicht die einzige. Sicherer Nachweis nur ueber Gastroskopie. Indizien: Symptome schlimmer nach langer Nuechternheit oder kurz nach Futteraufnahme, Empfindlichkeit im Magenbereich.
Wie viele Stunden darf mein Pferd maximal ohne Raufutter sein?
Als Orientierung: nicht laenger als 4–6 Stunden. Laengere Pausen erhoehen das Magenulkus-Risiko nachweislich. Besonders kritisch: Nuechternheit direkt vor dem Training.
Hilft Digestive Plus gegen bereits bestehende Magengeschwuere?
Nein. Bestehende Magengeschwuere sind eine tieraerztliche Diagnose und Behandlungsindikation (Omeprazol). Digestive Plus ist ein praeventives und ernaehrungsbegleitendes Produkt – kein Therapeutikum.
Kann ich zu viel Heu fuettern?
Fuer die meisten Pferde ist ad libitum Heu (gute Qualitaet) kein Problem. Ausnahme: Metabolisches Syndrom (EMS), Insulinresistenz oder Cushing – dort kann zuckerreiches Heu kritisch sein. Dann Heudaempfen oder Soaking als Alternative.
Was ist Levucell SC und warum ist gerade diese Hefe wichtig?
Levucell SC (Saccharomyces cerevisiae var. boulardii CNCM I-1079) ist eine patentierte, hitzestabile Lebendhefe, die speziell fuer ihre Wirkung im equinen Blinddarm untersucht wurde. Die Spezifizitaet des Stamms ist relevant – nicht jede Backhefe hat dieselbe Wirkung.
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HINWEIS Ergaenzungsfuttermittel sind kein Ersatz fuer tieraerztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen deines Pferdes wende dich bitte immer zuerst an einen Tierarzt. |
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Fachredaktion Ahipos Horses Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Tieraerzten, Ernaehrungsberatern und equinen Internisten. Grundlagen basieren auf NRC-Empfehlungen und aktueller sportwissenschaftlicher Literatur zur Pferdeverdauung. |
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