Steifheit vs. echte Lahmheit: Wann muss der Tierarzt kommen?

Steifheit vs. echte Lahmheit: Wann muss der Tierarzt kommen?

Jeder Reiter kennt dieses mulmige Gefühl im Magen. Man holt das Pferd aus der Box, sattelt, steigt auf, und beim ersten Antraben stimmt etwas nicht. Es ist kein klares Hinken, aber der Schwung fehlt, der Rücken ist fest, der Takt stockt.

Die Gretchenfrage lautet nun: Ist das Pferd steif (klamm) oder ist es lahm?

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Ein steifes Pferd braucht Bewegung, Wärme und Gymnastizierung, um locker zu werden. Ein lahmes Pferd hat einen strukturellen Schaden oder akuten Schmerz und benötigt in der Regel Ruhe oder medizinische Behandlung. Wer ein lahmes Pferd weiter reitet („Das läuft sich ein“), riskiert massive Sehnenschäden. Wer ein nur steifes Pferd in die Box sperrt, verschlimmert das Problem.

Biomechanik: Was passiert im Körper?

Um zu urteilen, müssen wir verstehen, woher das Symptom kommt.

Steifheit (Muskeln & Faszien)

Steifheit ist meist ein muskuläres Problem oder resultiert aus verklebten Faszien.

In der Ruhephase (Box, Paddock) wird die Durchblutung der Muskulatur heruntergefahren. Stoffwechselendprodukte lagern sich ab, die Muskelfasern sind weniger elastisch. Bei älteren Pferden kommt hinzu, dass die Gelenkschmiere (Synovia) im Ruhezustand zähflüssiger wird.

  • Das Merkmal: Steifheit betrifft oft den ganzen Körper oder ist beidseitig. Das Pferd wirkt „hölzern“, tritt kurz, aber es nickt nicht deutlich mit dem Kopf.
  • Der Verlauf: Durch Bewegung wird die Durchblutung angeregt, die Gelenkschmiere wird flüssiger. Das Pferd „läuft sich ein“. Nach 15–20 Minuten wird der Takt besser.

Lahmheit (Schmerz & Schonung)

Lahmheit ist fast immer ein Schmerzzeichen. Das Pferd versucht, ein bestimmtes Bein zu entlasten.

  • Stützbeinlahmheit: Es tut weh, wenn der Huf den Boden berührt (z. B. Hufgeschwür, Arthrose, Sehnenentzündung). Das Pferd zieht das Bein schnell wieder hoch und nickt mit dem Kopf (fällt auf das gesunde Bein).
  • Hangbeinlahmheit: Es tut weh, das Bein vorzuführen (z. B. Spat, Muskelriss in der Schulter). Der Schritt ist verkürzt.
  • Der Verlauf: Bei echter Lahmheit wird das Bild durch Belastung oft schlimmer oder bleibt konstant schlecht. Es läuft sich nicht ein.

Diagnose im Selbstversuch: Der Reiter-Check

Bevor der Tierarzt gerufen wird, können erfahrene Reiter einige Tests durchführen, um die Lage einzuschätzen.

Der Zirkel-Check (Longieren)

Lassen Sie das Pferd auf hartem und weichem Boden vortraben.

  • Sieht man die Taktunreinheit nur auf einer Hand innen deutlich? $\rightarrow$ Verdacht auf Lahmheit.
  • Läuft das Pferd auf beiden Händen gleichermaßen „gebunden“ und spannig, ohne zu nicken? $\rightarrow$ Verdacht auf Steifheit.
  • Faustregel: Lahmheit auf hartem Boden deutet oft auf Knochen/Gelenke/Hufe hin. Lahmheit auf tiefem, weichem Boden deutet oft auf Sehnen/Bänder hin.

Das Reitgefühl

Fühlt sich das Pferd auf beiden Zügeln gleich fest an? Oder „fällt“ es in eine Seite hinein? Ein steifes Pferd lässt sich meist schwer stellen und biegen, ist aber symmetrisch „schlecht“. Ein lahmes Pferd versucht oft, sich dem Reitergewicht auf einer Seite zu entziehen.

Wenn der Energiefluss stockt

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird Steifheit oft als Stagnation des Qi (Lebensenergie) und des Blutes gesehen, häufig ausgelöst durch Kälte und Nässe („Bi-Syndrom“).

  • Akupunktur: Nadeln können helfen, diese Blockaden zu lösen und die Muskulatur zu entspannen. Viele Reiter berichten, dass gerade „klamme“ Pferde nach einer Akupunkturbehandlung deutlich lockerer laufen.
  • Wärmetherapie: In der Naturheilkunde ist Wärme das Mittel der Wahl gegen Steifheit. Das kann eine warme Kompresse mit Ingwer-Sud (Vorsicht: Hautreizung möglich!) sein, oder ganz klassisch das Solarium oder eine Nierendecke aus Keramikfasern (Back-on-Track etc.), die die Körperwärme reflektiert.
  • Massage & Osteopathie: Ein Osteopath kann feststellen, ob die Steifheit durch blockierte Wirbel (z. B. ISG-Blockade) verursacht wird. Oft ist das, was wir als „Beinproblem“ sehen, eigentlich ein Problem im Rücken.

Stimmen aus der Praxis: „Im Winter ist es schlimmer“

Pferdephysiotherapeutin Anja M. erklärt:

„Ich werde im Winter dreimal so oft gerufen wie im Sommer. Die Besitzer sagen: 'Mein Pferd läuft nicht'. In 80 % der Fälle ist es keine tierärztliche Lahmheit, sondern muskuläre Verspannung. Die Pferde stehen mehr, frieren vielleicht leicht, trinken weniger. Die Faszien verkleben. Wenn der Reiter dann ohne langes Schrittreiten Trab fordert, zerrt das an der kalten Struktur. Das tut dem Pferd weh, es macht sich fest – ein Teufelskreis.“

Sie rät: „Fühlt hin! Eine echte Senenverletzung wird heiß und dick. Eine Muskelverspannung ist oft diffus. Wenn Wärme und 20 Minuten Schritt nichts ändern, dann ruft den Tierarzt.“

Fütterung und Management: Locker durch Nährstoffe

Wenn strukturelle Schäden ausgeschlossen sind und es sich „nur“ um Steifheit, Verspannung oder Wetterfühligkeit handelt, kann die Fütterung gezielt unterstützen.

Muskelstoffwechsel entlasten (Der „Zell-Schutz“)

Jede Muskelarbeit erzeugt freie Radikale. Ist das Pferd steif, hat der Muskel oft Stress. Um die Regeneration zu fördern und die Zellen elastisch zu halten, sind Antioxidantien essenziell.

AHIPOS Vitamin E ist hier der Klassiker. Ein Mangel an Vitamin E und Selen ist eine der häufigsten Ursachen für unerklärliche Steifheit und Leistungsschwäche („Tying up“ / Kreuzverschlag-Neigung). Besonders im Winter, wenn kein frisches Gras (natürliches Vitamin E) verfügbar ist, ist die Ergänzung für Sport- und Freizeitpferde oft der Schlüssel zu mehr Losgelassenheit.

Die Basis für die Gelenke

Ist das Pferd nicht muskulär fest, sondern wirkt in den Gelenken „eingerostet“ (typisch für ältere Pferde oder nach Ruhephasen), hilft eine Versorgung der Knorpelstrukturen.

EQUINOX Flexen (die Basis-Variante ohne Teufelskralle) eignet sich hervorragend als Alltagsbegleiter. Es liefert Nährstoffe wie neuseeländische Grünlippmuschel, die die Gelenkschmiere und Knorpelfunktion unterstützen, ohne den Organismus zu belasten. Es ist ideal, um präventiv zu arbeiten, bevor aus einer leichten Steifheit ein echter Verschleiß wird.

Rechtlicher Hinweis zu unseren Produkten:

Die Produkte von AHIPOS und EQUINOX sind Ergänzungsfuttermittel zur Unterstützung der physiologischen Körperfunktionen. Sie dienen der Nährstoffversorgung. Bei unklaren Lahmheiten, Schwellungen, Wärme am Bein oder starker Schmerzäußerung ersetzen sie nicht die Diagnose und Behandlung durch einen Tierarzt. Lahmheit kann Symptom schwerer Verletzungen (Fissuren, Sehnenrisse) sein.

Unser Fazit

Die Unterscheidung zwischen Steifheit und Lahmheit erfordert Erfahrung und ein gutes Gefühl für das eigene Pferd.

Die Grundregel lautet: Steifheit bessert sich durch Bewegung, Lahmheit verschlechtert sich (meistens).

Nehmen Sie das Gefühl „er klemmt heute“ ernst. Oft ist es ein Hinweis auf Muskelkater, Nährstoffmängel (Vitamin E!) oder Kälte. Passen Sie das Training an, sorgen Sie für Wärme und lange Aufwärmphasen. Bleibt die Taktunreinheit jedoch bestehen oder finden Sie am Bein Wärme oder Schwellung, ist falscher Ehrgeiz fehl am Platz – dann hat das Pferd Pause, bis der Fachmann da war.

FAQ: Häufige Fragen zur Lahmheitsdiagnostik

Frage Antwort
Was bedeutet „Taktfehler“? Ein Taktfehler ist eine Unregelmäßigkeit im Rhythmus. Er ist oft die Vorstufe zur Lahmheit oder Ausdruck von Verspannung. Der Reiter spürt, dass das Pferd nicht gleichmäßig fußt. Nicht jeder Taktfehler ist eine Verletzung – oft ist es Balanceverlust oder schlechtes Reiten.
Wann darf ich weiterreiten? Wenn das Pferd nur klamm ist („Startschwierigkeiten“), dürfen und sollen Sie reiten, aber mit viel Gefühl. Reiten Sie lange Schritt, nutzen Sie große Linien. Wird das Pferd locker und schnaubt ab: Alles gut. Bleibt es fest oder wehrt sich: Absteigen.
Wie erkenne ich eine Hufrollenentzündung? Das ist tückisch. Hufrollen-Pferde gehen oft beidseitig klamm („klammgängerig“), stolpern häufig und haben einen kurzen, trippelnden Gang. Da es auf beiden Vorderbeinen wehtut, nicken sie oft nicht deutlich. Sie zeigen die Lahmheit oft deutlicher auf hartem Boden in der Wendung.
Hilft Magnesium gegen Steifheit? Magnesium ist wichtig für die Muskelentspannung. Ein Mangel führt zu Zuckungen und Verspannungen. Wenn die Steifheit nervös bedingt ist („Zappelphilipp“), kann Magnesium helfen. Ist die Steifheit eher oxidativer Stress (müde Muskeln), ist Vitamin E/Selen wichtiger.
Was ist der „Wendeschmerz“? Wenn Sie das Pferd auf engem Raum (z. B. Stallgasse) herumdrehen und es dabei das innere Bein seltsam wegzieht, ächzt oder fast umfällt, deutet das auf Probleme weit oben (Rücken, Kreuzdarmbein, Knie) oder Hufgelenke hin. Ein gesundes Pferd kreuzt die Beine flüssig.
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