ISG-Probleme beim Pferd – wenn die Schaltstelle der Hinterhand aus dem Gleichgewicht gerät
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Warum das ISG beim Pferd oft unterschätzt wird
Viele Reiter kennen diese Situation: Das Pferd läuft plötzlich schleppend, lässt sich nicht mehr biegen oder wirkt im Galopp „irgendwie fest“. Und schnell fällt ein Satz, den man oft hört:
„Der hat bestimmt eine ISG-Blockade.“
Auch in Gesprächen mit Pferdebesitzern taucht der Begriff häufig auf – manchmal fast reflexartig. Dabei zeigt die Erfahrung vieler Therapeuten und Tierärzte:
„Das Iliosakralgelenk ist wichtig, keine Frage. Aber nicht jedes Problem in der Hinterhand ist automatisch eine ISG-Blockade.“
Sicher ist: Das ISG ist ein hochsensibles Gelenk mit enormer Bedeutung für die Bewegungsmechanik – und gleichzeitig eine Stelle, an der sich Probleme aus ganz anderen Körperregionen bemerkbar machen können.
Was ist das Iliosakralgelenk beim Pferd?
Das Iliosakralgelenk (ISG), auch Kreuzdarmbeingelenk, verbindet das Becken mit der Wirbelsäule. Es liegt direkt unter dem höchsten Punkt der Kruppe – und lässt sich gut ertasten.
Anatomische Übersicht
| Struktur | Beschreibung |
|---|---|
| Darmbein (Ilium) | Teil des Beckenknochens |
| Kreuzbein (Sacrum) | Verschmolzene Kreuzwirbel, dreieckige Form |
| Gelenkflächen | sehr eng, kaum beweglich |
| Bänder & Kapseln | sorgen für Stabilität, sind aber verletzungsanfällig |
Das ISG ist kein „bewegliches“ Gelenk wie ein Knie – es ist eine Stabilitäts- und Kraftübertragungsstation.
Warum das ISG so wichtig ist
Das Kreuzdarmbeingelenk ist die zentrale Schaltstelle zwischen:
- der Kraft der Hinterhand
- der Wirbelsäule
- dem gesamten Bewegungsapparat
Es muss stabil genug sein, um die Kraft nach vorne zu leiten –
und gleichzeitig beweglich genug, um Elastizität zu ermöglichen.
Genau diese Kombination macht es anfällig.
Das ISG überträgt:
- Schubkraft
- Stoßdämpfung
- Rotationsbewegung
- Seitwärtsbewegung
- Lastaufnahme
Wenn dieses System aus der Balance gerät, zeigt sich das sofort im Bewegungsbild.
Wie entstehen ISG-Probleme beim Pferd?
ISG-Störungen können viele Ursachen haben – oftmals nicht dort, wo das Problem sichtbar erscheint.
Häufige Ursachen für ISG-Beschwerden
| Ursache | Beschreibung |
|---|---|
| Stürze oder Ausrutscher | plötzliche Überdehnung der Bänder |
| schlechte oder fehlende Muskulatur | Pferd kompensiert → ISG überlastet |
| falsche Hufstellung | verändert Kraftlinien → Überlastung |
| zu intensives Training auf gebogenen Linien | Rotation + Belastung gleichzeitig |
| Sattel- und Reiterunebenheiten | blockieren die Bewegungsenergie |
| Traumata | Verspannungen, Zerrungen, Mikrorisse |
| Überlastung | v. a. bei jungen oder untrainierten Pferden |
ISG-Probleme sind also selten isoliert, sondern meist Folge eines komplexeren Musters.
ISG-Blockade – Modediagnose oder reales Problem?
Viele Experten beobachten seit Jahren, dass das ISG sehr schnell für alles verantwortlich gemacht wird:
- Pferd buckelt → „ISG!“
- galoppiert schlecht an → „ISG!“
- geht nicht vorwärts → „ISG!“
„Das ISG kann Probleme machen – aber längst nicht so häufig, wie es diagnostiziert wird. Viele Hinterhandprobleme haben eine ganz andere Ursache.“
Typische Fehldiagnosen sind:
- Kissing Spines
- Hufprobleme
- Kniegelenksbeschwerden
- schlecht sitzende Sättel
- verspannte Lendenmuskulatur
- schwache Bauchmuskulatur
Deshalb ist eine gründliche tierärztliche Untersuchung entscheidend.
Symptome – so können sich ISG-Probleme zeigen
Eine klare Übersicht:
Typische Anzeichen für ISG-Beschwerden
| Symptom | Was du beobachten kannst |
|---|---|
| Schwierigkeiten im Galopp | unsaubere Sprünge, Kreuzgalopp |
| Hinterhand wirkt steif | wenig Schwung, kurze Tritte |
| Widersetzlichkeit beim Reiten | Schweifschlagen, Anlegen, Stocken |
| Probleme in Wendungen | Ausfallen der Hinterhand |
| Erschwerte Biegung | Pferd „schiebt die Schulter raus“ |
| taktunreines Antraben | wirkt unklar, nicht lahm |
| Empfindlichkeit beim Abtasten | Verspannungen, Muskelhartspann |
ISG-Probleme zeigen sich häufig diffus – genau deshalb ist Differenzialdiagnostik so wichtig.
Wie Tierärzte ISG-Probleme diagnostizieren
Eine echte ISG-Symptomatik wird oft durch Ausschlussdiagnostik festgestellt:
- gründliche Lahmheitsuntersuchung
- Abtasten der Kruppe
- Ultraschall
- Gelenksinfiltrationen
- Bewegungsanalyse
- Beurteilung der Hufe
- Rittigkeits- und Sattelcheck
ISG-Probleme sind komplex – und sollten immer professionell beurteilt werden.
Training für das ISG – Übungen, die wirklich helfen
1. Stangenarbeit im Schritt und Trab
Fördert Rückenaufwölbung, Aktivität der Hinterhand und stabile Bauchmuskulatur.
2. Schulterherein auf großen Linien
Sanfte Rotation → mobilisiert das ISG
Vorwärtstendenz → stärkt die Tragkraft
Korrekte Biegung → entlastet die äußere Gelenkfläche
3. Übergänge Schritt–Trab–Schritt
Fördern Lastaufnahme & Balance.
4. kontrolliertes Rückwärtsrichten
Aktiviert tiefe Bauchmuskeln → entlastet Lendenregion.
5. gerader Galopp auf großen Linien
Stärkt Muskulatur, ohne das ISG zu überlasten.
Fütterungsbegleitende Unterstützung
Um die Hinterhand zu stabilisieren, die Muskulatur zu stärken und Stressfaktoren zu reduzieren, können folgende Ergänzungen sinnvoll sein:
AHIPOS Body Builder
Begleitet den Muskelaufbau – wichtig für ein stabiles ISG.
EQUINOX Flexen oder Flexen Plus
Für Pferde, die zu Gelenkbelastungen neigen.
Hinweis: Flexen Plus enthält Teufelskralle und sollte bei Turnierpferden rechtzeitig abgesetzt werden.
AHIPOS Coolness
Für Pferde, die Spannungen schwer abbauen können – denn Stress und Muskelhartspann beeinflussen häufig das ISG.
Diese Produkte begleiten die Fütterung und ersetzen keine tierärztliche Diagnose.
Fazit – das ISG ist wichtig, aber selten allein das Problem
Das Iliosakralgelenk ist eine Schlüsselstelle im Pferdekörper – aber kein Allheil- oder Allschuldiger.
Es reagiert empfindlich auf:
- falsches Training
- mangelnde Muskulatur
- Stürze
- Überlastung
- schlecht sitzende Ausrüstung
Mit guter Gymnastizierung, einer starken Bauch- und Rückenmuskulatur, passenden Pausen und aufmerksamem Reiten kannst du viel tun, um die Schaltstelle der Hinterhand gesund zu halten.