Hufrehe beim Pferd Symptome, Soforthilfe & Vorbeugung

Hufrehe beim Pferd Symptome, Soforthilfe & Vorbeugung

🚨 HUFREHE IST EIN NOTFALL

Tierarzt sofort rufen – bei Verdacht nicht abwarten. Jede Stunde zählt.

Bis der Tierarzt eintrifft:

  • → Pferd auf SEHR weichem Untergrund stellen (tiefer Sand, Sägemehl, Heumatratze)
  • → Hufe mit Eiswasser oder Eis kühlen – so lange wie möglich, so früh wie möglich
  • → KEIN Treiben zum Bewegen – das Pferd entscheidet, ob es läuft
  • → Futter sofort entziehen – kein Gras, kein Kraftfutter, nur Heu oder gar nichts

ℹ️ Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Ergänzungsfuttermittel sind keine Arzneimittel und dienen nicht der Heilung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten. Hufrehe ist ein medizinischer Notfall – bei jedem Verdacht sofort den Tierarzt rufen.

Hufrehe beim Pferd: Symptome, Soforthilfe & Vorbeugung

Hufrehe ist nach der Kolik die zweithäufigste Todesursache bei Pferden und Ponys. Gleichzeitig ist sie eine der Erkrankungen, bei der frühe Erkennung und richtiges Soforthandeln den Unterschied zwischen vollständiger Genesung und dauerhaftem Schaden machen können. In Deutschland leiden schätzungsweise 7–10% aller Pferde an einer Form von Hufrehe – und viele chronische Fälle entstehen, weil ein akuter Schub zu spät erkannt oder falsch behandelt wurde. Dieser Ratgeber erklärt alles, was Pferdebesitzer wissen müssen: vom Mechanismus über die verschiedenen Ursachentypen bis zum langfristigen Management.


Was ist Hufrehe – und was passiert im Huf?

Hufrehe (fachsprachlich: Laminitis) ist eine aseptische – also nicht durch Keime verursachte – Entzündung der Huflederhaut. Die Huflederhaut (Corium) ist das hochsensible Bindegewebe, das das Hufbein über verzahnte Blättchenstrukturen (Lamellen) mit der Hornkapsel verbindet. Dieser sogenannte Hufbeinträger ist die Grundstruktur, die den gesamten Huf zusammenhält.

Der Mechanismus in vier Schritten

1. Auslöser: Ein systemischer Reiz (Futter, Hormonstörung, Endotoxine etc.) führt zu einer gestörten Durchblutung der Huflederhaut.

2. Entzündung: Das Gewebe entzündet sich, schwillt an – aber die Hornkapsel gibt nicht nach. Es entsteht enormer Druck.

3. Zerstörung: Die Blättchenstruktur des Hufbeinträgers beginnt sich aufzulösen. Das Hufbein verliert seinen Halt.

4. Rotation / Absenkung: Das Hufbein dreht sich unter dem Zug der tiefen Beugesehne nach vorne-unten (Rotation) oder sinkt insgesamt ab (Absenkung). Im schlimmsten Fall durchbricht die Hufbeinspitze die Sohle.


⚠️ Zeitkritisch: Hufbein kann sich innerhalb von 24–48h bewegen

Viele Besitzer denken, sie haben Zeit. Das stimmt nicht.

Das Hufbein kann sich bereits 24–48 Stunden nach dem ersten Schub zu drehen beginnen.

In diesem Zeitfenster ist das Ausmaß des Endschadens noch maßgeblich beeinflussbar.

Deshalb: Bei jedem Verdacht sofort Tierarzt – kein Abwarten bis morgen.


Die verschiedenen Hufrehe-Typen: Ursachen gezielt erkennen

Hufrehe ist nicht gleich Hufrehe – der Auslöser bestimmt das Management. Das ist der Unterschied, den kein anderer Ratgeber so klar aufzeigt: Wer den Typ nicht kennt, kann das Problem nicht an der Wurzel angehen.


Typ

Ursache / Mechanismus

Wichtigste Managementmaßnahme

Futterrehe (häufigster Typ)

Übermäßige Stärke/Zucker-Aufnahme führt zu Dysbiose im Darm, Endotoxinfreisetzung, Mikrozirkulationsstörung

Sofort Heu mit niedrigem WSC-Gehalt, kein Kraftfutter, kein Gras

Weiderehere / Fruktan-Rehe

Fruktan aus Weidegras – besonders bei Sonnenschein, Frost oder Trockenheit – überflutet den Dickdarm

Weidezugang sofort stoppen; Management wie Futterrehe

EMS-Rehe (Insulinrehe)

Chronisch erhöhte Insulinspiegel durch Insulinresistenz schädigen die Blutgefäße im Corium

Langfristiges Gewichtsmanagement, Heuanalyse, Bewegung; EMS-Abklärung

PPID-Rehe (Cushing)

ACTH-Überschuss durch Hypophysentumor führt zu Insulindysregulation und Immunsuppression

Pergolid (Medikament) vom Tierarzt; paralleles Fütterungsmanagement

Belastungsrehe

Übermäßige mechanische Belastung eines Beins (bei Entlastung des anderen wegen Verletzung)

Betroffenes Bein schonen und orthopädisch entlasten; gesundes Bein mit Bandage schützen

Endotoxinrehe

Schwere Koliken, Gebärlähmung, Durchfall – Endotoxine gelangen in die Blutbahn

Tier vom Tierarzt stabilisieren; Endotoxin-Quelle behandeln

Vergiftungsrehe

Giftpflanzen, Mykotoxine, bestimmte Medikamente (z.B. Kortison) als Auslöser

Quelle entfernen; supportive tierärztliche Behandlung

Schrittrehe

Zu langes Stehen auf hartem Boden (z.B. Turnierpausen) ohne Bewegung

Wechselnde Untergrunde; ausreichend Bewegung in Turnierpausen


Symptome: So erkennst du Hufrehe – auch die frühen Zeichen

Hufrehe wird häufig zu spät erkannt – oft weil die frühen Zeichen als Steifheit, schlechter Tag oder Lahmheit unklarer Ursache abgetan werden. Diese Symptome musst du kennen:


Frühzeichen – sofort handeln

Symptom

Was du tust

Warmblütigkeit eines oder mehrerer Hufe (mehr als die anderen)

Hufe mit Handrücken vergleichen; Tierarzt informieren

Verstärkter Puls an den Zehnarterien (beide Seiten der Fessel)

Täglich kontrollieren bei Risikopferden; bei Verstärkung sofort handeln

Leichte, unklare Lahmheit vorne, die sich nach Bewegung nicht verbessert

Nicht 'einlaufen lassen' – Tierarzt rufen

Zögerliches Auftreten auf hartem Boden, Bevorzugung weichen Untergrunds

Weichen Untergrund anbieten; Tierarzt informieren

Ungewöhnliche Ruhehaltung: Pferd verlagert Gewicht von einem Bein aufs andere

Beobachten und dokumentieren; bei Persistenz Tierarzt


Akute Hufrehe – Notfallzeichen

  • Klassische Rehe-Stellung: Vorderbeine vorgestellt, Hinterbeine unter den Körper geschoben – das Pferd versucht Gewicht von den schmerzhaften Hufen zu nehmen
  • Deutlich verstärkter, hämmernder Puls an den Fesselarterien
  • Alle Hufe stark erwärmt
  • Bewegungsunwille bis totale Auftrittsverweigerung
  • Schwitzen, Zittern, erhöhter Ruhepuls (Schmerzzeichen)
  • Pferd liegt dauerhaft – steht nicht auf


Chronische Hufrehe – was sich am Huf verändert

Veränderung am Huf

Was sie bedeutet

Reheringe (Querrillen an der Hufwand)

Am Ballen breiter als an der Zehe – Zeichen ungleichmäßigen Hornwachstums durch frühere Schübe

'Pantoffelform' / Knollhuf

Verlängerte Hufzehe, eingezogene Trachten – typisch für chronisch veränderten Huf

Verbreiterte weiße Linie

Hufbeinträger hat nachgegeben; Hornverbindung gelockert

Geknickte Zehenwand / Knick in der Hufwand

Sichtbares Zeichen einer Hufbeinrotation

Abgeflachte oder konvexe Sohle ('Vollsohle')

Hufbein hat sich gesenkt und drückt die Sohle nach außen

Hufabszesse

Häufig begleitend; Eiter sucht sich Ausweg durch Hornwand oder Krone


Tipp: Den Zeharterien-Puls täglich kontrollieren

Gesunde Pferde haben einen kaum spürbaren Puls an den Zehnarterien (beidseitig der Fessel, hinter dem Fesselgelenk).

Gewöhne dir an, den Puls täglich bei deinem Pferd zu kontrollieren – so merkst du Veränderungen sofort.

Ein verstärkter, hämmernder oder pochender Puls ist ein zuverlässiges Frühwarnsignal – noch bevor das Pferd lahmt.

Auch nur an einem Bein: sofort Tierarzt. Hufrehe kann zunächst einseitig beginnen.


Diagnose: Was der Tierarzt untersucht

Eine vollständige Hufrehe-Diagnose umfasst mehrere Schritte – und das Röntgenbild ist dabei unverzichtbar, nicht optional:

  1. Klinische Untersuchung: Palpation der Zehnarterien, Beurteilung der Huftemperatur, Hufzangentest (Druckempfindlichkeit der Sohle)

  2. Lahmheitsbeurteilung: Auf verschiedenen Böden, in Wendungen (Wendeschmerz ist typisch für Hufrehe)

  3. Röntgenaufnahmen: Seitlich und dorsopalmar – zeigen Hufbeinrotation (Grad) und -absenkung; Basis für jeden Rehebesch lag

  4. Blutuntersuchung: Insulinspiegel (bei EMS-Verdacht), ACTH (bei PPID-Verdacht), allgemeines Blutbild

  5. Hufbeinrotation-Messung: Winkel zwischen Hufbein und Dorsalwand; bestimmt Schweregrad und Prognose


Rotationsgrad

Klinische Bedeutung

0–5 Grad

Leichte Rotation; gute Prognose mit konservativem Management

5–10 Grad

Mittlere Rotation; intensive Behandlung nötig; Prognose variabel

10–15 Grad

Schwere Rotation; aufwendige Rehabilitation; Reitbarkeit fraglich

Über 15 Grad / Sohlendurchbruch droht

Sehr schwerer Verlauf; in manchen Fällen wird Euthanasie erwogen


Akutbehandlung: Was der Tierarzt macht – und was du tust

Sofortmaßnahmen für Besitzer (bis der Tierarzt eintrifft)

  1. Tierarzt anrufen – sofort, nicht abwarten

  2. Sehr weichen Untergrund bereitstellen: tiefer Sand, Sägemehl, Heumatratze – mindestens 20–30 cm tief

  3. Hufe intensiv kühlen: Eiswasser, Eiswanne oder Kühlbeutel – so früh und so lange wie möglich; Kühlung verlangsamt den Entzündungsprozess nachweislich

  4. Futter entziehen: kein Gras, kein Kraftfutter; nur getränktes Heu oder gar nichts bis zur Tierarztvisite

  5. NICHT zum Laufen zwingen: Jeder erzwungene Schritt kann den Hufbeinträger weiter schädigen

  6. KEIN Aspirin oder andere Humanmedikamente: Können die Diagnose verschleiern und Nebenwirkungen verursachen

Was der Tierarzt einsetzen kann

  • NSAR (Phenylbutazon, Flunixin): Schmerzkontrolle und Entzündungshemmung; Dauer begrenzt, da Langzeitgabe Magenprobleme verursacht
  • Acepromazin / Isoxsuprin: Vasodilatation – Erweiterung der Blutgefäße im Huf zur Verbesserung der Mikrozirkulation
  • Heparin: Gerinnungshemmung – verhindert Mikrothrombosen in den Hufgefäßen
  • Kryotherapie (Eis): Kühlschutzprotokoll über 24–72h; in Kliniken standardmäßig eingesetzt
  • Sonderverband / Rehekeil: Entlastet die Hufbeinspitze und reduziert Zug der tiefen Beugesehne
  • Notfall-Röntgen: Sofortaufnahme zur Beurteilung der Hufbeinlage – bestimmt das weitere Vorgehen

Chronische Hufrehe: Langfristiges Management

Wenn ein Pferd mehr als einen Reheschub hatte oder die Hufveränderungen anhalten, spricht man von chronischer Hufrehe. Das Ziel ist jetzt nicht Heilung, sondern stabiles, schmerzfreies Management.

Huforthopädie: Die Rolle des Hufschmieds

Bei chronischer Hufrehe ist der Hufschmied oder Huforthopäde ein gleichwertiger Partner neben dem Tierarzt. Ziel des orthopädischen Beschlags:

  • Hufbeinspitze entlasten: Durch Aufwickeln der Zehe (Zehenrichtung korrigieren) und Rückverlagern des Belastungspunkts
  • Trachten polstern: Weiche Materialien oder Keil entlasten die Sohle und unterstützen das Hufbein
  • Reguläre Kontrolle: Alle 4–6 Wochen Hufbearbeitung; Röntgen nach jedem Beschlag zur Kontrolle der Hufbeinlage
  • Engste Abstimmung Tierarzt-Hufschmied: Der Beschlag muss die Röntgenbefunde widerspiegeln – kein Beschlag ohne aktuelle Aufnahmen

Bewegung bei chronischer Hufrehe

Lange galt absolute Boxenruhe als Standard. Das hat sich geändert:

  • Leichte Bewegung auf weichem, ebenem Boden kann die Hufmechanik und Durchblutung unterstützen
  • Paddock mit tiefem Sand: Pferd entscheidet selbst, ob und wie viel es läuft
  • Hartes Pflaster, Asphalt, gefrorener Boden: Grundsätzlich vermeiden bei aktiver Rehe
  • Timing nach Tierarztanweisung: Die Entscheidung über Bewegungsumfang liegt beim behandelnden Tierarzt


Fütterung bei Hufrehe: Die wichtigste Stellschraube

Bei Futterrehe und EMS-Rehe ist das Fütterungsmanagement die entscheidende Langzeitmaßnahme. Alle nachfolgenden Punkte sind allgemeine Fütterungsempfehlungen – keine therapeutischen Aussagen. Den konkreten Fütterungsplan legt der Tierarzt fest.


Das Grundprinzip: Zucker und Stärke radikal reduzieren

Futtermittel

Status bei Rehe-Pferd

Heu mit niedrigem WSC-Gehalt (unter 10%)

✓ Basis-Futter – Heuanalyse ist Pflicht

Heu gewässert (30 Min. vor Verfütterung)

✓ Reduziert lösliche Kohlenhydrate um bis zu 30%

Frisches Weidegras

✗ Meiden – besonders bei Sonnenschein, nach Frost, morgens

Kraftfutter (Hafer, Gerste, Mais, Müsli)

✗ Meiden – hoher Stärkegehalt

Karotten, Äpfel, Obst

✗ Stark einschränken oder meiden – hoher Zuckergehalt

Stroh als Raufutter

⚠ Mit Vorsicht: kalorienarm, aber WSC beachten; nicht als Einzel-Raufutter

Mineralfutter / Ergänzung nach Analyse

✓ Wichtig: Wässern wäscht auch Mineralien aus – immer separat ausgleichen


Fruktansaison: Wann das Weidegras besonders kritisch ist

Situation

Fruktangehalt im Gras

Sonniger Tag nach Kältenacht

Sehr hoch – Frost stoppt Wachstum, Zucker akkumuliert

Sonniger warmer Tag (kein Wachstum durch Trockenheit)

Hoch – Photosynthese produziert Zucker, aber Wachstum stockt

Frühling: rasantes Wachstum, kühl und sonnig

Sehr hoch – Hauptrisikosaison

Herbst: abgefrorenes Gras

Hoch – ähnlich wie Frost-Situation

Mittags bis früher Nachmittag (Gras wächst aktiv)

Niedriger als morgens – günstigste Weidezeit für Rehe-Pferde

Überständiges, langes Gras auf wenig beflossenem Paddock

Unberechenbar – Analyse empfehlenswert


Gewichtsmanagement: Die unterschätzte Komponente

Übergewicht ist sowohl Risikofaktor als auch Verstärker bei Hufrehe. Ziel-BCS (Body Condition Score) für gefährdete Pferde: 4–5 von 9. Praktische Heumenge: 1,5% des Zielkörpergewichts in Trockenmasse täglich. Niemals unter 1,0% – das erhöht das Kolekrisiko und kann Rehe durch Energiemangel auslösen.

Darmgesundheit und Mineral versorgung

Durch Wässern des Heus und reduzierte Fütterung kann die Mineralversorgung beeinträchtigt werden. Eine bedarfsgerechte Grundversorgung mit Mineralstoffen ist deshalb bei Rehe-Pferden besonders relevant – immer in Absprache mit dem Tierarzt.

💊 AHIPOS-Produktempfehlung

Digestive Plus von AHIPOS Horses – Ergänzungsfuttermittel zur Unterstützung einer normalen Verdauungsfunktion; bei Pferden mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt und nach Fütterungsumstellungen als Teil einer bedarfsgerechten Grundversorgung geeignet:

Digestive Plus 

Nonegus – Ergänzungsfuttermittel zur Unterstützung einer normalen Magenschleimhautfunktion; relevant für Rehe-Pferde, die unter dem Stress von Fütterungseinschränkungen und Schmerzerfahrungen empfindlich reagieren:

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AHIPOS Elektrolyt – bei Rehe-Pferden mit eingeschränktem Futter und viel Stress ist die Elektrolytversorgung eine relevante Basiskomponente der Gesamtversorgung:

AHIPOS Elektrolyt


ℹ️ Hinweis

Ergänzungsfuttermittel sind keine Arzneimittel und dienen nicht der Behandlung von Hufrehe. Sie ergänzen eine vollständige Grundernährung – kein Ersatz für tierärztliche Behandlung. Alle Fütterungsanpassungen bei Rehe-Pferden besprichst du ausnahmslos mit deinem Tierarzt.


Vorbeugung: So senkst du das Rehe-Risiko dauerhaft

Für alle Pferde – Grundregeln

  • Heuanalyse: Mindestens einmal jährlich – nur so weißt du, was du fütterst
  • Kraftfutter nach Bedarf: Nur soviel wie Arbeit und Körperzustand erfordern – kein 'Vorsorge-Kraftfutter'
  • Weideeinführung schrittweise: Im Frühjahr nie von null auf Vollweide; 2 Wochen Anpassung
  • Weidezeiten steuern: Risikopferde mittags weiden (niedrigster Fruktangehalt), nicht morgens
  • Gewicht konsequent managen: Regelmäßiger BCS-Check, Maßband-Kontrolle alle 2–4 Wochen
  • Tägliche Hufkontrolle: Puls und Temperatur – Routine, die vieles früh erkennt
  • Regelmäßige Hufpflege: Alle 6–8 Wochen; korrekte Zehenlänge schützt den Hufbeinträger

Für Hochrisiko-Pferde (EMS, PPID, Rehe-Vorgeschichte)

  • Weidekörbe / Fressbremsen: Begrenzen die Grasaufnahme auf der Weide; sinnvolle Maßnahme für Adipöse
  • Kein Weidezugang bei Risikosituation: Frost, Sonnenschein nach kühler Nacht, überstandene Weide
  • Regelmäßige Blutkontrollen: Insulinspiegel, ACTH (Frühjahr und Herbst bei PPID-Pferden)
  • EMS / PPID behandeln: Grunderkrankung muss konsequent behandelt werden – Hufrehe ist sonst dauerhaft
  • Stressreduktion: Transport, Stallwechsel und Umstellungen bei Risikopferden sorgfältig planen


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FAQ: Häufige Fragen zur Hufrehe beim Pferd

❓ Ist Hufrehe heilbar?

Ein akuter Reheschub ohne Hufbeinrotation hat bei sofortiger und konsequenter Behandlung eine gute Prognose – viele Pferde genesen vollständig. Sobald das Hufbein rotiert oder abgesenkt ist, bleibt die strukturelle Veränderung dauerhaft. Das bedeutet nicht zwingend dauerhaften Schmerz oder Ende der Reitkarriere, aber das Pferd bleibt anfällig für weitere Schübe. Frühzeitiges Erkennen und richtiges Management sind entscheidend.

❓ Woran erkenne ich Hufrehe, wenn noch keine Lahmheit sichtbar ist?

Frühzeichen vor der Lahmheit: Warmblütigkeit der Hufe, verstärkter Puls an den Zehnarterien, subtile Stellungsveränderung (Vorderbeine leicht vorgestellt), Bevorzugung weichen Bodens, leicht verlängerte Liegezeiten. Diese Zeichen erkennt man nur, wenn man das Normalverhalten seines Pferdes gut kennt – täglich kurz kontrollieren ist die beste Prävention.

❓ Darf ich mein Rehe-Pferd reiten?

Im akuten Schub: absolutes Nein. In der Reha-Phase: nur nach expliziter Freigabe durch den Tierarzt, basierend auf dem Röntgenbefund. Bei chronisch gut eingestellten Pferden ohne aktive Entzündung: oft ja, in angepasstem Umfang. Die Entscheidung trifft der behandelnde Tierarzt – nicht das äußere Erscheinungsbild des Pferdes.

❓ Wie lange dauert die Behandlung nach einem Reheschub?

Ein leichter Schub ohne Rotation: 4–8 Wochen bis zur klinischen Besserung. Mit Hufbeinrotation bis 10 Grad: 3–6 Monate intensives Management. Schwere Rotation: 6–18 Monate oder dauerhaftes Spezialmanagement. Das sind Orientierungswerte – den tatsächlichen Verlauf bestimmt der Tierarzt auf Basis regelmäßiger Röntgenkontrollen.

❓ Ist mein Pony mehr gefährdet als mein Warmblut?

Ja. Ponys, Isländer, Haflinger, Welsh und andere 'leichtfuttrige' Rassen sind evolutionär auf energiearme Umgebungen ausgelegt – ihr Stoffwechsel ist besonders effizient und damit bei modernem, reichhaltigem Futter anfälliger für Insulindysregulation und Hufrehe. Aber auch Warmblüter können betroffen sein, besonders bei EMS oder PPID.

❓ Was ist der Unterschied zwischen Hufrehe und Huflederhautentzündung?

Hufrehe ist die systemische Erkrankung – die Huflederhautentzündung ist der lokale Entzündungsprozess, der im Rahmen der Hufrehe entsteht. Jede Hufrehe führt zu einer Huflederhautentzündung, aber nicht jede Huflederhautentzündung ist Hufrehe (z.B. kann eine lokale Infektion oder mechanische Reizung ebenfalls das Corium entzünden).

❓ Kann Stress allein Hufrehe auslösen?

Stress allein ist in der Regel kein direkter Auslöser, kann aber das Risiko bei vorbelasteten Pferden erhöhen. Chronischer Stress beeinflusst den Insulinstoffwechsel und die Cortisolausschüttung. Bei EMS- und PPID-Pferden können Stresssituationen (Transport, Stallwechsel, Schmerzen durch andere Erkrankungen) einen Reheschub begünstigen oder auslösen.

❓ Warum bekommt mein Pferd trotz gutem Futtermanagement immer wieder Rehe?

Wenn das Futtermanagement stimmt und trotzdem Schübe auftreten, gibt es drei häufige Ursachen: (1) Eine zugrundeliegende Grunderkrankung (EMS oder PPID) wurde nicht oder nicht ausreichend diagnostiziert und behandelt – ein Insulintest und ACTH-Wert sind Pflicht. (2) Versteckte Fruktanquellen (Weide zu bestimmten Tageszeiten, überständiges Gras). (3) Belastungsrehe durch unentdeckte Orthopädie-Probleme am anderen Bein.

❓ Was tun, wenn das Rehe-Pferd nicht fressen will?

Futterverweigerung kann ein Schmerzzeichen sein oder auf Magenprobleme hinweisen – beides ist bei Rehe-Pferden unter Schmerzmittelgabe möglich. Sofort Tierarzt informieren. Kleine Mengen gewässertes Heu anbieten. Keine Kraftfutter-'Verlockungen'. Falls das Pferd auch nach Schmerzlinderung nicht frisst, muss der Tierarzt Magenprobleme ausschließen.

 

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