Gelenkmanagement:  Warum moderne Nährstoffkombinationen klassische Ansätze ablösen

Gelenkmanagement: Warum moderne Nährstoffkombinationen klassische Ansätze ablösen

Vor zehn Jahren war die Antwort auf Gelenkbelastung beim Pferd fast immer die gleiche: Glucosamin und Chondroitin, vielleicht noch etwas MSM. Diese Kombination hat gute Dienste geleistet – und tut es teilweise noch. Aber die Forschung ist weiterentwickelt, die Anforderungen an Sportpferde sind gestiegen, und das Verständnis von Gelenkphysiologie hat sich grundlegend verändert.

Dieser Artikel ist ein ehrlicher Blick auf den Stand der Wissenschaft. Was bleibt aus der klassischen Ära? Was hat sich überholt? Und warum ist die Kombinationslogik moderner Präparate keine Marketingstrategie, sondern Biochemie?

Die klassische Ära: Glucosamin & Chondroitin – was bleibt?

Glucosamin ist ein Aminozucker, der als Vorläufer für Glykosaminoglykane (GAGs) dient – die Hauptkomponenten der Knorpelmatrix. Chondroitin ist ein Proteoglykan, das Wasser im Knorpel bindet und knorpelabbauende Enzyme hemmt.

Die Logik dahinter war und ist nachvollziehbar: Wenn Knorpelgewebe abgebaut wird, liefere die Bausteine für seinen Aufbau. Aber diese Idee ist unvollständig. Sie adressiert das Rohstoffproblem – nicht den Entzündungsprozess, der den Abbau antreibt.

Was die neuere Forschung zeigt

Die GAIT-Studie (USA, 2006) und ihre Nachfolger haben gezeigt, dass Glucosamin und Chondroitin allein bei Arthrose nur bei einer Untergruppe signifikant wirksam sind. Bei leichter bis moderater Symptomatik war der Effekt im Vergleich zu Placebo nicht konsistent nachweisbar.

Das bedeutet nicht, dass diese Wirkstoffe wertlos sind. Es bedeutet: Baustein-Supplementierung ohne Dämpfung der entzündlichen Prozesse, die den Knorpelabbau antreiben, kämpft bergauf.

Die neue Kombinationslogik: Mehrfach-Wirkebenen statt Einzelwirkstoff

Wirkstoff

Wirkebene

Angriffspunkt

Bester Synergist

Glucosamin

Baustoff

GAG-Synthese für Knorpelmatrix

Chondroitin, ASU

Chondroitin

Matrixschutz

MMP-Hemmung, Wassereinlagerung

Glucosamin

ASU (Avocado-Soja)

Zellfunktion

Chondrozyten-Aktivierung, Kollagensynthese

Glucosamin, Chondroitin

Boswellia (AKBA)

Entzündung

5-LOX → Leukotrien-Kaskade hemmen

Curcumin

Curcumin (mizelliert)

Entzündung + Antioxidanz

NF-κB, TNF-α, freie Radikale

Boswellia, Omega-3

Omega-3 (EPA/DHA)

Systemische Entzündung

Eicosanoid-Modulation

Curcumin, Boswellia

MSM

Bindegewebe

Schwefellieferant, Kollagen-Quervernetzung

Glucosamin

Hyaluronsäure

Gelenkschmierung

Synovialflüssigkeit

Alle anderen


Die entscheidende Erkenntnis: Entzündung und Knorpelabbau sind keine getrennten Prozesse. IL-1β – ein zentrales Entzündungsmolekül – aktiviert gleichzeitig Knorpelabbau-Enzyme (MMPs) und unterdrückt die Knorpelneubildung. Wer nur Bausteine liefert, ohne die entzündliche Kaskade zu adressieren, behandelt das Symptom, nicht den Prozess.

Applikationsform: Paste und Pulver verfolgen unterschiedliche Logiken

Neben der Frage, welche Wirkstoffe man einsetzt, ist die Frage des Wie entscheidend. Beides – Pulver und Paste – hat seinen Platz, aber für unterschiedliche Zwecke.

Format

Ideal für

Stärke

Schwäche

Pulver (im Futter)

Tägliche Grundversorgung, kontinuierliche Baustofforientierung

Einfach in Routine integrierbar, kostengünstig

Selektiv fressende Pferde sortieren Feinpartikel aus

Paste (oral direkt)

Reaktive Unterstützung, Turniertage, Belastungsspitzen

Garantierte Dosierung, schnelle Verfügbarkeit

Höherer Preis pro Dosis, situativer Einsatz


Diese Formate schließen sich nicht aus – sie verfolgen unterschiedliche Zeitlogiken. Tägliche Basisversorgung über Pulver, reaktive Unterstützung an Belastungstagen über Paste: das ist die Systemlogik, die modernem Gelenkmanagement entspricht.

Welche Strategie für welches Pferd?

Pferd-Profil

Empfohlene Strategie

Prioritäre Wirkstoffe

Turnierpferd, intensiv

Tägl. Pulver + Paste an Wettkampftagen 

Glucosamin, Chondroitin, Boswellia, Curcumin (miz.), ASU

Freizeitpferd, moderate Nutzung

Tägliche Grundversorgung als Pulver

Glucosamin, Chondroitin, MSM

Senior (ab 15 Jahre)

Kontinuierliche Langzeitgabe, ggf. erhöhte Dosis

Alle Bausteine + Omega-3, Hyaluronsäure

Jungpferd im Aufbau

Vorbeugend moderates Programm

Glucosamin, Chondroitin, Omega-3

Reha nach Belastungsverletzung

Intensive Phase, Kombinations-Paste

Boswellia, Curcumin (miz.), ASU, Glucosamin


Praxisbeispiel: Der Systemansatz in der Saison

📋  Fallbeispiel – Vielseitigkeitspferd, 9 Jahre, aktive Turniersaison

Saisonvorbereitung (Februar–März): Tägliches Pulver mit Glucosamin, Chondroitin, MSM, Omega-3.

Turnierphasen (Mai–September): Zusätzlich Gelenkpaste am Tag vor und am Turniertag selbst.

Regenerationswochen: Weiterhin Pulver, kein Pausieren der Grundversorgung.

Ergebnis (laut Besitzer nach einer Saison): Ausgeglicheneres Gangbild im Warmlaufen, weniger Steifigkeit nach intensiven Wochenenden. Kein kontrollierter Nachweis –aber ein Erfahrungsbericht, der die Systemlogik illustriert.

AHIPOS Motion-Boost + Equinox Flexen Plus: Das Systemdenken in der Praxis

Der AHIPOS Motion-Boost bildet die reaktive Paste-Komponente: Boswellia, mizelliertes Curcumin und ASU für die situative Unterstützung. Equinox Flexen Plus und Flexen ergänzen als Liquid die tägliche Grundversorgung mit klassischen Gelenkbausteinen.

Beide Produkte sind so konzipiert, dass sie sich in der Kombination ergänzen, ohne sich in Wirkstoffen zu überschneiden. Das verhindert ungewollte Überdosierungen und macht das Management transparent.

⚠️  ADMR-Hinweis für Turnierpferde

Wir empfehlen vor Turnieren Rücksprache mit dem Tierarzt zu halten und die Regularien des jeweiligen Veranstalters (FEI / nationale Verbände) zu prüfen.

 

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Glucosamin und Chondroitin noch zeitgemäß?

Ja – als Baustofflieferanten haben sie nach wie vor Berechtigung, besonders für Präventionsprogramme bei jungen Pferden und Freizeitpferden. Im Sportpferd sind sie sinnvoller Teil einer Kombinationsstrategie als alleinige Lösung.

Was unterscheidet 'entzündungshemmend' von 'gelenkschützend'?

Entzündungshemmend: Boswellia und Curcumin dämpfen entzündliche Kaskaden (5-LOX, NF-κB). Gelenkschützend: Glucosamin und Chondroitin unterstützen die Knorpelstruktur. Beides ist nötig – sie adressieren unterschiedliche Aspekte desselben Problems.

Kann ich mehrere Produkte kombinieren?

Grundsätzlich ja – aber achte auf Doppelungen. Wenn zwei Produkte jeweils Glucosamin enthalten, kann es zu Überdosierungen kommen. Immer die Gesamttagesmenge aller Quellen kalkulieren.

Wie lange braucht eine Kombinationsformel, bis sie wirkt?

Baustofforientierte Komponenten benötigen 6–12 Wochen. Entzündungsmodulierende Wirkstoffe in effektiver Formulierung können situativ schneller ansetzen. Vollständige Effekte zeigen sich bei kontinuierlicher Gabe.

Wann ist der Tierarzt statt Ergänzungsfutter gefragt?

Immer bei Lahmheit, Schwellung, Wärme, verändertem Gangbild oder nach akuten Traumata. Ergänzungsfuttermittel sind Prävention und Unterstützung – sie ersetzen keine Diagnose und keine Behandlung.

Hinweis: Ergänzungsfuttermittel sind kein Ersatz für tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen deines Pferdes wende dich bitte immer zuerst an einen Tierarzt.

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