Die Leber beim Pferd: Entgiftungszentrale, Leberwerte und Regeneration

Die Leber beim Pferd: Entgiftungszentrale, Leberwerte und Regeneration

„Müdigkeit ist der Schmerz der Leber.“ Dieser alte medizinische Leitsatz trifft auf Pferde noch mehr zu als auf Menschen. Während ein Pferd mit Magengeschwüren oft kolikt oder beim Gurten beißt, leidet ein Pferd mit Leberproblemen meist stumm vor sich hin.

Die Leber ist das zentralste Stoffwechselorgan. Alles, was das Pferd frisst, gelangt über den Darm in den Blutkreislauf und passiert zuerst die Leber (Pfortaderkreislauf). Sie entscheidet: Was ist Nährstoff? Was ist Gift? Sie speichert Energie (Glykogen), Vitamine und Spurenelemente und produziert lebenswichtige Proteine. Wenn dieses Kraftwerk ins Stottern gerät, hat das Auswirkungen auf den gesamten Organismus – von der Hufqualität bis zur Leistungsbereitschaft.

Warnsignale: Wenn der Filter verstopft

Da die Leber keine Schmerzrezeptoren besitzt, tut sie nicht weh. Pferdehalter müssen daher auf subtilere Signale achten. Ein Leberschaden entwickelt sich oft schleichend über Monate.

Typische Symptome sind:

  • Leistungsabfall: Das Pferd wirkt triebig, lustlos und braucht lange zur Regeneration.

  • Haut & Fell: Stumpfes Fell („Hungerhaare“), Schuppen, Juckreiz oder schlechte Hufqualität. Auch Mauke, die trotz Behandlung immer wiederkommt, hat ihre Wurzel oft in einer überlasteten Leber.

  • Muskelabbau: Da die Leber für den Proteinstoffwechsel zuständig ist, bauen leberkranke Pferde oft an der Oberlinie ab, selbst bei gutem Futter.

  • Hungerödem: In schweren Fällen lagert sich Wasser am Bauch oder in den Beinen ein, weil die Leber nicht mehr genug Albumin (Bluteiweiß) produziert.

Der Blick ins Blutbild: Werte verstehen

Der Tierarzt stellt die Diagnose meist über ein Blutbild. Doch „die Leberwerte“ gibt es so nicht – es sind verschiedene Enzyme, die unterschiedliche Schäden anzeigen.

  1. GGT (Gamma-GT):

    Dies ist der häufigste Wert, der bei Pferden erhöht ist. Er ist sehr spezifisch für die Leber und die Gallengänge. Ein hoher GGT-Wert deutet oft auf chronische Probleme, Stauungen in den Gallenwegen oder eine dauerhafte Belastung durch Toxine hin.

  2. GLDH (Glutamat-Dehydrogenase):

    Dies ist ein „Leck-Enzym“. Es befindet sich im Inneren der Leberzellen. Findet man es im Blut, bedeutet das: Leberzellen sterben gerade akut ab. Ein hoher GLDH-Wert ist ein Alarmzeichen für eine akute Vergiftung oder Entzündung.

  3. AST (Aspartat-Aminotransferase) & LDH:

    Diese Werte sind nicht leberspezifisch; sie kommen auch in der Muskulatur vor. Ein erhöhter AST-Wert kann also Leberproblem oder Muskelkater bedeuten. Man muss ihn immer im Kontext mit den anderen Werten (CK für Muskeln, GGT für Leber) betrachten.

  4. Bilirubin:

    Der Gallenfarbstoff. Ist er erhöht, färben sich die Schleimhäute gelb (Ikterus). Dies passiert beim Pferd aber auch schnell, wenn es 24 Stunden nichts gefressen hat („Hungerikterus“), ohne dass die Leber krank ist.

Die Ursachen: Woher kommt das Gift?

Die Leber hat eine enorme Toleranz. Wenn die Werte steigen, ist das Fass meist schon übergelaufen. Die Ursachen sind heute selten echte Pflanzenvergiftungen (wie Jakobskreuzkraut), sondern meist schleichende Belastungen.

1. Futterqualität (Mykotoxine)

Das ist der häufigste Grund für moderat erhöhte Leberwerte im Stallalltag. Schimmelpilzgifte im Heu oder in der Silage sind für das bloße Auge oft unsichtbar, müssen aber von der Leber mühsam entgiftet werden. Ist das Heu über den Winter von schwankender Qualität, arbeitet die Leber im Dauerstress.

2. Übergewicht (EMS)

Zu dicke Pferde leiden oft an einer Fettleber. Der Körper mobilisiert Fettmassen, die die Leber nicht schnell genug verarbeiten kann. Das Organ verfettet und entzündet sich.

3. Medikamente & Wurmkuren

Jede chemische Wurmkur und jedes Schmerzmittel muss über die Leber abgebaut werden. Das ist normal und verkraftbar – solange die Leber gesund ist. Bei vorgeschädigten Organen kann die „normale“ Wurmkur den Ausschlag geben.

Strategien zur Regeneration: Entlasten statt nur füttern

Die gute Nachricht: Die Leber ist das einzige Organ, das sich vollständig regenerieren kann. Selbst wenn 70 % des Gewebes geschädigt sind, kann sie sich erholen – wenn man die Ursache abstellt.

Schritt 1: Den Zufluss von Giften stoppen

Es bringt nichts, Leberkräuter zu füttern, wenn das Pferd weiterhin belastetes Heu frisst. Die kritische Prüfung der Futterqualität steht an erster Stelle.

Um den Organismus sofort zu entlasten, ist der Einsatz von Toxinbindern ratsam. EQUINOX Nonegus ist hierfür prädestiniert. Es bindet Mykotoxine und andere unerwünschte Stoffe bereits im Darm, sodass diese über den Kot ausgeschieden werden und gar nicht erst in den Pfortaderkreislauf zur Leber gelangen. Das nimmt dem Organ die „Arbeit“ ab, Gifte neutralisieren zu müssen.

Schritt 2: Die Zellen schützen

Entgiftung ist Schwerstarbeit, bei der viele freie Radikale entstehen, die wiederum Leberzellen zerstören können. Antioxidantien sind daher der wichtigste Zellschutz.

AHIPOS Vitamin E (kombiniert mit Selen) ist ein potentes Antioxidans. Es schützt die Zellwände der Leber vor oxidativem Stress und unterstützt so die Regeneration des Gewebes. Besonders bei Pferden mit schlechten Leberwerten sollte der Vitamin-E-Status überprüft und optimiert werden.

Schritt 3: Kräuter als Kur

Klassische Leberpflanzen sind Mariendistel (Silymarin) und Artischocke. Sie regen den Gallenfluss an und stabilisieren die Leberzellmembranen. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung, wirken aber am besten, wenn gleichzeitig die Toxinbelastung (siehe Schritt 1) reduziert wird.

Stoffwechsel oder Leber?

Oft wird das Wort „Stoffwechselkur“ inflationär gebraucht. Wenn ein Pferd im Fellwechsel schlapp ist, heißt es oft: „Der Stoffwechsel ist belastet.“ Faktisch meint man damit meist die Leber. Wer sein Pferd im Fellwechsel unterstützen will, tut dies am besten, indem er die Leber entlastet. Denn der Fellwechsel benötigt Unmengen an Proteinen (Keratin) und Zink – beides muss die Leber bereitstellen.

Fazit

Erhöhte Leberwerte sind kein Todesurteil, aber ein sehr deutlicher Warnschuss. Sie zeigen an, dass das Entgiftungssystem des Pferdes überlastet ist. Die Lösung liegt selten in einem Wundermittel, sondern im Management: Kontrollieren Sie das Heu auf Schimmel, reduzieren Sie Übergewicht und unterstützen Sie die Ausscheidung von Toxinen aktiv. Mit der richtigen Pause und Unterstützung wird aus dem müden Patienten meist binnen 6 bis 8 Wochen wieder ein vitales Pferd.

Rechtlicher Hinweis zu unseren Produkten:

Die Produkte von AHIPOS und EQUINOX sind Ergänzungsfuttermittel zur Unterstützung der physiologischen Stoffwechselfunktionen. Sie sind keine Medikamente. Bei stark erhöhten Leberwerten, Gelbsucht (Ikterus), Koliken oder neurologischen Ausfällen ist unverzüglich ein Tierarzt hinzuziehen. Toxinbinder dienen der Futterhygiene und ersetzen keine tierärztliche Therapie bei akuten Vergiftungen.


FAQ: Fragen zur Lebergesundheit

Frage Antwort
Wie lange dauert es, bis sich die Leberwerte normalisieren? Das hängt von der Schwere des Schadens ab. Bei leichten Erhöhungen (z. B. durch Futter) sieht man oft schon nach 4–6 Wochen deutliche Besserungen, wenn die Ursache abgestellt wurde. Bei schweren, chronischen Schäden kann es Monate dauern. Ein Kontrollblutbild nach 6 Wochen ist empfehlenswert.
Darf ich ein leberkrankes Pferd reiten? Bei leicht erhöhten Werten: Ja. Bewegung regt die Durchblutung an, was der Entgiftung hilft. Allerdings muss die Leistung angepasst werden – das Pferd ist schneller müde. Bei akuten Entzündungen (hohe GLDH, Fieber) hat das Pferd strikte Ruhepause.
Hilft Lebertran? Nein, Vorsicht! Lebertran enthält sehr viel Vitamin A und D. Da die Leber diese fettlöslichen Vitamine speichert, kann eine Überversorgung die kranke Leber zusätzlich belasten. Lieber auf hochwertige pflanzliche Öle (in Maßen!) oder gezieltes Vitamin E setzen.
Was ist Jakobskreuzkraut? Eine gelb blühende Pflanze, die Pyrrolizidinalkaloide enthält. Diese Gifte zerstören die Leberzellen irreversibel (!). Die Leber vernarbt (Zirrhose). Da das Gift auch im getrockneten Heu wirksam bleibt und Pferde es dort nicht herausschmecken, ist die Weide- und Heukontrolle lebenswichtig.
Kann Alkohol im Darm entstehen? Ja, bei Fehlgärungen im Darm (z. B. durch zu viel Zucker/Stärke oder Silage) können Fuselalkohole entstehen. Diese belasten die Leber („Eigenbrauer-Syndrom“), ähnlich wie Alkohol beim Menschen. Eine darmschonende Fütterung ist daher immer auch Leberschutz.
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