Senior-Pferde: Muskulatur erhalten, gut verdauen, beweglich bleiben

Senior-Pferde: Muskulatur erhalten, gut verdauen, beweglich bleiben

ℹ️ Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Ergänzungsfuttermittel sind keine Arzneimittel und dienen nicht der Behandlung von Erkrankungen. Bei Muskelabbau, Gewichtsverlust oder anderen Beschwerden deines Senior-Pferdes: Tierarzt hinzuziehen.

Ein Pferd, das sein ganzes Leben aktiv gearbeitet hat, verdient im Alter mehr als Boxenruhe und Sparfütterung. Doch genau das bekommen viele Senioren – und verlieren dabei systematisch Muskelmasse, Beweglichkeit und Lebensqualität. Dabei ist altersbedingte Muskelschwäche kein unausweichliches Schicksal. Mit dem richtigen Verständnis der physiologischen Veränderungen im Alter, einem angepassten Training und einer gezielten Fütterung lässt sich Muskelerhalt bei den meisten Pferden bis ins hohe Alter erreichen. Dieser Ratgeber zeigt dir wie.


Ab wann ist ein Pferd ein Senior – und was bedeutet das physiologisch?

Es gibt keine universelle Altersgrenze. Als grober Orientierungsrahmen gilt: ab 15–18 Jahren beginnen die meisten Pferde, alterstypische Veränderungen zu zeigen. Rassen und Individuen unterscheiden sich erheblich – ein gut gehaltener 22-jähriger Warmblüter kann fitter sein als ein vernachlässigter 16-Jähriger.


Altersphase

Was sich physiologisch verändert

Ca. 15–18 Jahre (frühe Seniorität)

Subtile Veränderungen: leicht nachlassende Proteinverwertung, verlangsamter Fellwechsel, Zähne beginnen deutlicher abzunutzen, Konditionsaufbau dauert länger

Ca. 18–22 Jahre (mittlere Seniorität)

Sichtbarer Muskelabbau entlang der Oberlinie möglich; Rücken beginnt durchzuhängen; Zahnprobleme beeinflussen Futteraufnahme; Gelenke werden steifer

Ab ca. 22–25 Jahre (hohe Seniorität)

Oft deutlicher Körperkonditionsverlust; Herausforderungen beim Kauen von Raufutter; erhöhter Nährstoffbedarf trotz reduzierter Verwertung; PPID-Risiko stark erhöht

Ponyrassen und Robustpferden

Oft länger vital und aktiv als Warmblüter; erreichen häufig 30+ Jahre bei guter Haltung


Sarkopenie: Der biologische Mechanismus hinter dem Muskelabbau im Alter

Warum verlieren alte Pferde Muskelmasse, obwohl sie gutes Futter bekommen? Die Antwort liegt in einem Prozess namens Sarkopenie – dem altersbedingten, progressiven Abbau von Skelettmuskelmasse und -funktion. Diesen Mechanismus zu verstehen ist der Schlüssel zu allem, was folgt.


Was Sarkopenie beim Pferd auslöst

Anaboles Ungleichgewicht: Muskeln werden ständig auf- und abgebaut. Im Alter verschiebt sich dieses Gleichgewicht zugunsten des Abbaus – selbst bei ausreichend Protein.

Nachlassende Proteinverwertung: Die Dünndarmzotten flachen ab, die Absorption von Aminosäuren aus dem Futter wird ineffizienter – dasselbe Futter liefert weniger verwertbare Bausteine.

Hormonelle Veränderungen: Abnehmende Spiegel anaboler Hormone (u.a. Wachstumshormon, IGF-1) reduzieren die Muskelproteinsynthese.

Oxidativer Stress: Alterungsprozesse erhöhen freie Radikale in Muskelzellen – Vitamin E und Selen als antioxidativer Schutz werden wichtiger.

Bewegungsmangel: Ohne Trainingsreiz fehlt dem Körper das Signal, Muskeln zu erhalten – Boxenpension ohne Bewegung beschleunigt Sarkopenie dramatisch.

Zahnverschleiß: Schlechte Zähne bedeuten schlechte Futterverwertung – das häufigste und am meisten übersehene Problem bei Senior-Pferden.


⚠️ Der häufigste Fehler: Futter erhöhen statt richtig füttern

Viele Besitzer sehen Muskelabbau beim Senior und erhöhen einfach die Gesamtfuttermenge.

Das Problem: Das alte Pferd kann mehr Futter oft nicht besser verwerten – es nimmt nur mehr Energie auf, nicht mehr Aminosäuren.

Entscheidend ist nicht die Futtermenge, sondern die Qualität und Verdaulichkeit der Proteinquellen.

Dünndarmverdauliches Rohprotein (pcv-Rohprotein) ist der entscheidende Parameter – nicht der Rohproteingehalt auf der Packung.


Woran du erkennst, dass dein Pferd Senior-Unterstützung braucht

Diese Veränderungen zeigen an, dass das bestehende Management angepasst werden muss. Sie sind kein Schicksal – aber sie brauchen eine Reaktion:


Beobachtung

Was dahintersteckt – und was es bedeutet

Einsinkende Oberlinie / Sattelpunkt wird tiefer

Verlust der langen Rückenmuskulatur (M. longissimus dorsi); häufig erstes äußerlich sichtbares Zeichen

Hervorstehende Widerristknochen

Muskelabbau im Schulterbereich; Sattelpassform prüfen – drückt jetzt anders

Hängebauch bei normalem oder mageren Körper

Atrophie der Bauchmuskulatur; typisch für fortgeschrittene Sarkopenie und/oder PPID

Wickelkauen / Heuwickel am Boden

Zahnproblem – kann Heu nicht klein kauen; massive Einschränkung der Futteraufnahme

Gewichtsverlust trotz reichlich Futter

Schlechte Absorption im Dünndarm; mögliche Grunderkrankung (PPID, Magengeschwür, Parasiten)

Deutlich verlangsamter Fellwechsel

Möglicher Hinweis auf PPID – ACTH-Test beim Tierarzt empfohlen

Steifheit nach Boxenruhe, bessert sich langsam

Gelenkveränderungen (Arthrose); Beweglichkeit als Trainingsinhalt wichtiger

Verminderte Kondition bei gleicher Arbeit

Herzkreislauf und Muskeln brauchen länger; Training anpassen, nicht reduzieren


Zahngesundheit: Der am häufigsten übersehene Faktor beim Senior

Kein Fütterungsplan der Welt funktioniert, wenn das Pferd das Futter nicht ausreichend zerkleinern kann. Und bei Seniorpferden ist das häufiger der Fall als die meisten Besitzer ahnen.


Zahnproblem

Auswirkung auf Futteraufnahme und Muskelerhalt

Abgekaufte Zähne (Altersabnutzung)

Geringere Reibfläche; schlechtere Zerkleinerung von Heu → unverdaut Dickdarm → Gärungs- und Durchfallprobleme

Fehlende Zähne

Einseitige Belastung; Heuwickelkauen; massive Einschränkung der Raufaseraufnahme

Hakenzähne / Spitzen

Schmerzen beim Kauen → Futterverweigerung oder einseitiges Kauen

Periodontitis

Entzündung des Zahnfleisches; Schmerzen; Fresslust reduziert

Verlust der Kaufähigkeit

Pferd kann Heu nicht mehr fressen → Heucobs einweichen, Heulage, Mash – mit Tierarzt absprechen


Zahnkontrolle beim Senior: Alle 6 Monate ist Pflicht

Bei Adulten Pferden reicht ein jährlicher Zahnarztbesuch. Ab 18–20 Jahren: alle 6 Monate.

Erst nach gründlicher Zahnkontrolle Fütterungsplan anpassen – sonst kaufst du Ergänzungsmittel, die das Pferd nicht kauen kann.

Zeichen für Zahnprobleme: Heuwickel am Boden, einseitige Kaubewegung, Fressen dauert länger als früher, Gewichtsverlust trotz viel Futter.

Die Zahnkontrolle ist die wichtigste Einzelmaßnahme beim Senior-Pferd – vor allem anderen.


Fütterung für Senior-Pferde: Zwei Typen brauchen verschiedene Ansätze

Ähnlich wie beim PPID-Pferd machen viele Besitzer den Fehler, alle Senior-Pferde gleich zu füttern. Dabei gibt es zwei grundlegend verschiedene Ausgangslagen, die sehr unterschiedliche Strategien erfordern:


Typ A: Senior mit Muskelabbau und Untergewicht (häufig)

Dieses Pferd verliert Muskelmasse, obwohl genug Futter vorhanden ist. Die Ursache liegt meist in der Proteinqualität und -verdaulichkeit, nicht in der Menge:

  • Dünndarmverdauliches Protein erhöhen: Luzerne (Alfalfa) hat hohen pcv-Rohprotein-Anteil und ist ideal für Senioren; Sojaextraktionsschrot (kleine Mengen); Bierhefe als Aminosäurequelle
  • Essentielle Aminosäuren gezielt ergänzen: Lysin, Methionin, Threonin – die drei erstlimitierenden Aminosäuren, die in Heu meist unzureichend vorhanden sind
  • Energie bedarfsgerecht anpassen: Älteres Pferd braucht oft 10–15% mehr Energie für denselben Körperzustand
  • Öle als Energiequelle: Leinöl, Rapsöl – langsam verfügbare Energie ohne Zuckerpeak; gut verträglich
  • Heu weich und zugänglich: Bei Zahnproblemen Heu wässern, Heucobs einweichen, Heupellets; kleinere Partikel = bessere Verdaulichkeit
  • Vitamin E und Selen erhöht: Antioxidativer Schutz für die Muskelzellen; bei Senioren häufig unzureichend


Typ B: Senior mit Übergewicht oder EMS/PPID-Komponente (nicht selten)

Manche Senioren sind trotz nachlassender Muskulatur übergewichtig – sie haben Fettdepots statt Muskeln. Hier gilt Zuckerkontrolle bei gleichzeitig ausreichend Protein:

  • Heu mit niedrigem WSC-Gehalt (unter 10%): Heuanalyse ist Pflicht; bei Bedarf wässern
  • Kein Kraftfutter mit Stärke/Zucker: Kein Hafer, Müsli, Gerste – aber dünndarmverdauliche Proteinquellen trotzdem sichern
  • Protein trotz Diät nicht kürzen: Muskelerhalt braucht Aminosäuren – wer beim Senior Protein spart, verliert Muskeln
  • Bewegung anpassen: Moderate Bewegung ist beim übergewichtigen Senior eine der wirksamsten Maßnahmen


Nährstofftabelle: Was Senior-Pferde besonders brauchen

Nährstoff / Bereich

Warum beim Senior besonders relevant

Lysin (1. limitierende Aminosäure)

In Heu häufig unzureichend; essentiell für Muskelproteinsynthese; Mangel = Muskelabbau trotz ausreichend Gesamtprotein

Methionin

Schwefelhaltige Aminosäure; für Kollagenqualität in Sehnen und Bindegewebe; bei Senioren oft unterversorgt

Threonin

Beteiligt an Verdauungsenzymbildung und Immunfunktion; wichtig für Darmschleimhaut-Integrität

Vitamin E

Antioxidativer Schutz der Muskelzellen gegen oxidativen Stress; bei Senioren 2x höherer Bedarf als bei jungen Pferden; in Heu kaum vorhanden

Selen

Cofaktor der Glutathionperoxidase; schützt Muskelzellen; in deutschen Böden oft mangelhaft; Überdosierung giftig – Analyse empfohlen

Omega-3-Fettsäuren

Zellmembranintegrität, Gelenkflüssigkeit, Entzündungsmodulation; in Heu kaum; Leinöl als Quelle

Zink und Kupfer

Für normale Immunfunktion und Enzymaktivität; bei Senioren häufig unzureichend im Heu

Phosphor (reduziert)

Seniorpferde verwerten Phosphor schlechter; Calcium-Phosphor-Verhältnis 2:1 anstreben

Wasser

Ältere Pferde trinken spontan weniger; Dehydration fördert Verstopfung und Nierenbelastung; auf Wasseraufnahme achten


ℹ️ Hinweis

Alle Fütterungsanpassungen für Senior-Pferde besprichst du mit deinem Tierarzt oder einem Pferdeernährungsberater.

Eine Heuanalyse ist die Grundlage jeder seriösen Rationsplanung – ohne sie ist jede Ergänzung Rätselraten.

Ergänzungsfuttermittel sind keine Arzneimittel und dienen nicht der Behandlung von Erkrankungen.


Unsere AHIPOS-Produktempfehlungen:

AHIPOS Body Builder – Ergänzungsfuttermittel mit gezieltem Aminosäureprofil (Lysin, Methionin, Threonin) als Beitrag zur bedarfsgerechten Grundversorgung von Senior-Pferden mit erhöhtem Proteinbedarf:

AHIPOS Body Builder

Equinox Dynamic – Ergänzungsfuttermittel mit MSM und Teufelskralle; weit verbreitet bei Pferden mit Belastung des Bewegungsapparats; für Senior-Pferde mit Gelenksteifigkeit als Beitrag zur bedarfsgerechten Grundversorgung:

Equinox Dynamic

AHIPOS Elektrolyt – Senior-Pferde trinken oft weniger; Elektrolyte können als Trinkanreiz und zur bedarfsgerechten Mineralstoffversorgung aktiv gehaltener Senioren eingesetzt werden:

AHIPOS Elektrolyt


ℹ️ Hinweis

Ergänzungsfuttermittel sind keine Arzneimittel und ersetzen keine tierärztliche Grundversorgung des Senior-Pferdes.


Training für Senior-Pferde: Die Trainingsmatrix je Ausgangssituation

Das Wichtigste zuerst: Senior-Pferde brauchen Bewegung – auch wenn es weniger und anders ist als früher. Die häufigste Fehlannahme ist, dass man alte Pferde schonen muss, indem man sie wenig bewegt. Das Gegenteil ist richtig: fehlender Trainingsreiz beschleunigt Muskelabbau. Das Ziel ist angepasste Bewegung – nicht Ruhigstellung.


Ausgangssituation

Ziel

Trainingsinhalt

Häufigkeit / Dauer

Fit, noch reitbar, keine wesentlichen Einschränkungen

Muskelerhalt und Beweglichkeit erhalten

Dressurarbeit mit Gymnasierungsfokus; Geländeritte im Schritt/Trab; Cavaletti; Bergauf-Arbeit

4–5x/Woche, 30–45 Min.; 1–2 Ruhetage mit Paddock

Leicht eingeschränkt (Arthrose, Steifheit), noch reitbar

Muskelerhalt bei reduzierter Gelenkbelastung

Sehr ausgiebiges Aufwärmen (20–25 Min. Schritt); Schritt und leichter Trab; wenig Galopp; viel Geländeschritt; Cavaletti niedrig

4x/Woche, 30–40 Min.; weiche Böden bevorzugen

Nicht mehr reitbar, aber bewegungsfähig

Muskeltonus erhalten, Lebensqualität maximieren

Führen im Schritt (30–45 Min. täglich); Longe ohne Reitergewicht; Führanlage; Paddock mit Bewegungsanreizen

Täglich! Kontinuität ist bei Senioren entscheidend

Stark eingeschränkt / chronische Schmerzen

Lebensqualität, kein Schmerz, soziale Integration

Freie Bewegung auf weichem Paddock; Physiotherapie; Wärmebehandlung; soziales Umfeld priorisieren

Freier Auslauf täglich; kein strukturiertes Training


Besonders wichtige Trainingsinhalt für Senioren

  • Langes Aufwärmen: Mindestens 20 Minuten Schritt – Gelenke brauchen länger, um Synovialflüssigkeit zu mobilisieren; bei Kälte länger
  • Cavaletti-Arbeit: Fördert aktives Abfußen, Koordination und Rückenaktivität; ideal für Senioren aller Fitnesslevel – niedrig aufbauen
  • Bergauf-Arbeit: Aktiviert Hinterhand und Rückenmuskulatur besonders effektiv; auch im Schritt wirkungsvoll
  • Seitengänge: Fördern Koordination und Rumpfstabilität; aber nur auf weichem Boden und nach ausgiebigem Aufwärmen
  • Kühlen nach Training: Senior-Pferde erholen sich langsamer; Beine nach Training kühlen; ausreichend Abkühlen vor Einstallen
  • Pausentage aktiv gestalten: Paddock, Weide oder Führen – kein völliger Stillstand; Seniorpferde versteifen schnell bei echtem Stillstand

Gesundheitsmanagement: Was Senior-Pferde regelmäßig brauchen

Maßnahme

Warum und wie oft beim Senior

Tierarztbesuche

Mindestens 2x jährlich; Blutbild (ACTH, Insulin, Mineralien, Niere/Leber); Körperkonditionsscore; PPID-Screening ab 15 Jahren empfohlen

Zahnkontrolle

Alle 6 Monate (nicht jährlich!); Zahnverlust und Kauprobleme sind beim Senior die häufigste Ursache für Gewichtsverlust

Hufpflege

Alle 4–6 Wochen; Gelenkveränderungen verändern die Belastungsachse; korrekte Hufkorrektur schützt Gelenke

Entwurmung

Kotprobe 2x jährlich; gezielt entwurmen; altes Immunsystem toleriert Parasitendruck schlechter

Impfungen

Vollständig und aktuell halten; Immunsystem altert und reagiert auf Infektionen schlechter

Physiotherapie / Massage

Sinnvoll alle 4–8 Wochen bei muskulären Beschwerden; löst Verspannungen die das Pferd von Bewegung abhalten

Sattelkontrolle

Alle 6 Monate – Körperform des Seniors ändert sich; ein schlecht sitzender Sattel ist Hauptursache für Bewegungsunwilligkeit


Senior-Pferde im Winter: Die kritische Jahreszeit

Der Winter ist für Senior-Pferde besonders herausfordernd – aus mehreren Gründen:

  • Mehr Energie für Thermoregulation: Senior-Pferde regulieren Körpertemperatur weniger effizient; mehr Energie geht in Wärmeproduktion → weniger für Muskelerhalt
  • Kältere Gelenke: Morgens steifer als im Sommer; Aufwärmphase noch länger; harte, gefrorene Böden meiden
  • Weniger Trinken: Kaltes Wasser wird gemieden → Dehydration → Verstopfungskoliken → Elektrolytmangel
  • Schlechtere Futterqualität: Winterheu hat oft weniger Vitamin E als Sommerheu → antioxidativer Schutz sinkt
  • Bewegungsmangel: Kalte, schlammige Paddocks laden nicht zur freiwilligen Bewegung ein → tägliches Führen wird wichtiger
  • Decken: Für dünne Senioren (BCS unter 4) oft notwendig; zu warme Decken auf zu gut beleibten Pferden sind problematisch

Lebensqualität im Alter: Was wirklich zählt

Ab einem bestimmten Punkt geht es nicht mehr um Leistung, sondern um Wohlbefinden. Diese Aspekte machen den größten Unterschied für die Lebensqualität alter Pferde:

  • Soziale Integration: Senior-Pferde leiden unter Isolation; Kontakt zu anderen Pferden ist essentiell – auch wenn sie nicht mehr in der Herde mithalten können; altersgerechte Gesellschaft suchen
  • Schmerzfreie Hufe und Gelenke: Regelmäßige Huf- und Gelenkkontrolle ist keine Option, sondern Pflicht
  • Sauber und trocken: Ältere Haut ist empfindlicher; Mauke und Ekzeme heilen schlechter; täglich putzen und Beine kontrollieren
  • Mentale Stimulation: Senioren sind oft dankbar für Beschäftigung – Führen, Bodenarbeit, neue Umgebungen
  • Schmerzmanagement: Bei chronischen Gelenkschmerzen sollte der Tierarzt einbezogen werden – Schmerzfreiheit ist Lebensqualität
  • Würdige letzte Phase: Wenn Lebensqualität dauerhaft nicht mehr herstellbar ist, ist ein würdevolles Ende die liebevollste Entscheidung – der Tierarzt begleitet diesen Prozess

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FAQ: Häufige Fragen zum Senior-Pferd

❓ Mein Pferd ist 20 Jahre alt und verliert Muskeln – woran liegt das?

Die häufigsten Ursachen: (1) Zahnprobleme – Pferd kann Raufaser nicht ausreichend zerkleinern → weniger Aminosäurenaufnahme. Erst Zahnarzt, dann Fütterung prüfen. (2) Unzureichende dünndarmverdauliche Aminosäuren im Futter – die Gesamtproteinmenge stimmt, aber die Qualität ist zu gering. (3) Mangelnder Bewegungsreiz – ohne Training kein Signal zum Muskelerhalt. (4) PPID – ACTH-Test beim Tierarzt, wenn gleichzeitig PPID-Symptome vorliegen (Fellwechselstörung, Hufrehe). Alle vier Faktoren prüfen – oft liegt Muskelabbau an einer Kombination.

❓ Wie viel Protein braucht ein Senior-Pferd?

Empfohlen werden 10–20% mehr verdauliches Rohprotein als beim Erhaltungsbedarf des erwachsenen Pferdes. Entscheidender als die Gesamtmenge ist die Qualität: Dünndarmverdauliches (pcv-) Rohprotein muss ausreichend vorhanden sein. Ein Pferdeernährungsberater kann die Ration auf Basis einer Heuanalyse exakt berechnen. Als grobe Orientierung: Luzerne, Sojaextraktionsschrot und pferdespezifische Aminosäure-Supplemente liefern die beste Qualität.

❓ Darf mein Senior-Pferd noch geritten werden?

Das ist eine individuelle Entscheidung, die der Tierarzt auf Basis einer klinischen Beurteilung mitentscheidet. Solange das Pferd schmerzfrei ist, keine schwerwiegenden Gelenk- oder Rückenprobleme hat und ausreichend Muskulatur für das Tragen des Reitergewichts besitzt: ja. Angepasst und mit Verstand. Ein Pferd, das Freude an der Arbeit zeigt und physiologisch dazu in der Lage ist, profitiert von geregelter Bewegung unter dem Sattel mehr als von der Rente.

❓ Mein Pferd ist 25 und hat Heuwickel – was kann ich tun?

Sofort Zahnarzt. Heuwickelkauen ist das klassische Zeichen, dass das Pferd Heu nicht mehr kauen kann – das führt zu massivem Nährstoffmangel. Alternativen: Heu wässern (sehr weich), eingeweichte Heucobs, Heupellets, qualitativ hochwertiges Seniormüsli eingeweicht. Das Ziel ist, die Raufaseraufnahme sicherzustellen – auch wenn das Medium sich ändert. Niemals nur Kraftfutter geben, ohne Raufaseralternative.

❓ Braucht mein Senior-Pferd ein spezielles Seniorfutter?

Nicht zwingend – aber häufig hilfreich. Kommerzielle Seniorfutter sind in der Regel leichter verdaulich, eiweißreicher und haben angepasste Mineralstoffprofile. Der entscheidende Vorteil: Sie sind oft weicher und können eingeweicht werden – ideal für Zahnprobleme. Ob ein Seniorfutter sinnvoller ist als eine individuell zusammengestellte Ration, hängt vom Einzelfall ab. Eine Heuanalyse und Rationsberechnung durch einen Experten ist der seriöseste Weg.

❓ Wie oft soll ich meinen Senior zum Tierarzt?

Mindestens zweimal jährlich – das ist die klare Empfehlung. Beim Tierarztbesuch sollten Blutbild (ACTH, Insulin, Niere, Leber, Mineralien), Körperkonditionsscore, Zahnstatus (oder Verweis an Zahnarzt), Gelenk- und Muskelbeurteilung auf dem Programm stehen. Ab 20 Jahren oder bei PPID-Verdacht sollte der ACTH-Test zur Routine werden.

❓ Mein Senior trinkt im Winter wenig – was tun?

Das ist ein bekanntes Problem – und ein ernstes. Dehydration beim Senior führt zu Verstopfungskoliken, Nierenbelastung und schlechterer Nährstoffabsorption. Maßnahmen: Wasser anwärmen (15–20°C – nicht heiß); Elektrolyte anbieten (erhöhen den Trinkdrang); Mash füttern (enthält Wasser); Tränken täglich kontrollieren (Frost); Rübenschnitzel eingeweicht als Wasserquelle. Ein erwachsenes Pferd braucht täglich 25–50 Liter Wasser – Senior-Pferde oft am oberen Ende.

❓ Wann ist die Rente sinnvoll – und was bedeutet das?

Rente bedeutet nicht Stillstand und nicht Isolation. Ein Senior-Pferd in 'Rente' braucht tägliche Bewegung, soziale Interaktion, gute Fütterung und regelmäßige Gesundheitschecks – genauso wie ein arbeitendes Pferd. Der Unterschied ist die Art der Bewegung: kein strukturiertes Training mehr, aber täglich Führen, Paddock, Weide. Ein Pferd, das 'einfach auf der Weide stehen darf', verliert ohne Struktur schnell Muskeln, Gewicht und Lebensqualität.

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