Hufrehe beim Pferd vorbeugen: Was wirklich das Risiko senkt - ahipos-horses

Hufrehe beim Pferd vorbeugen: Was wirklich das Risiko senkt

Hufrehe (Laminitis) ist eine der schmerzhaftesten und häufigsten Erkrankungen beim Pferd – und eine der am meisten unterschätzten. Viele Besitzer denken erst an Prävention, wenn der erste Anfall bereits passiert ist. Dabei ist Laminitis in vielen Fällen vorhersehbar und durch konsequentes Management vermeidbar.

Dieser Artikel erklärt die Mechanismen hinter Hufrehe, zeigt die wichtigsten Risikofaktoren und gibt konkrete Maßnahmen, die das Risiko nachweislich senken.

Hufrehe entsteht selten „aus dem Nichts“. Meist treffen mehrere Faktoren zusammen: Stoffwechselstress (z. B. Übergewicht), ungeeignete Weidebedingungen, stärke-/zuckerreiche Rationen, Stress oder zu wenig Bewegung. Gute Nachricht: Du kannst an vielen Stellschrauben drehen – ohne dein Pferd „in Watte“ zu packen. Dieser Ratgeber bündelt wirksame Maßnahmen, die du sofort umsetzen kannst.

Wichtig: Akute Schmerzen, deutliche Lahmheit, warme Hufe oder starker Puls an der Fessel? Sofort Tierarzt.

Was bei Hufrehe im Huf passiert

Laminitis ist eine Durchblutungsstörung des Lamellensystems, das die Hufbeinaufhängung bildet. Das Lamellensystem (Verzahnung von Lederhaut und Hufhorn) hält das Hufbein in Position. Bei Laminitis versagt diese Versorgung:

  • Vaskuläre Dysfunktion: Durchblutung der Lamellen gestört → Gewebeischämie
  • Lamellendegeneration: Lamellenzellen sterben ab → Befestigungsverlust
  • Im Extremfall: Rotation oder Absenkung des Hufbeins

Der Schmerz entsteht durch den entzündlichen Prozess und den entstehenden Druck. In der akuten Phase ist jeder Schritt für das Pferd schmerzhaft.

Die drei Hauptrisikofaktoren – und wie man sie angeht

1. Kohlenhydrat-Überladung (Fructane, Stärke)

Der häufigste Auslöser: zu viel lösliche Kohlenhydrate (NSC = Non-Structural Carbohydrates) aus dem Futter, die in den Blinddarm gelangen und dort zu Azidose und Endotoxin-Freisetzung führen.

  • Frühjahrsgras: Enthält morgens und abends höchste Fructan-Konzentrationen. Weidezugang am frühen Morgen oder abends nach Sonnenuntergang risikoreicher als mittags.
  • Gedüngtes Gras nach Frost: Frost hemmt Wachstum, Photosynthese läuft weiter → Fructan akkumuliert. Nach Nachtfrost besonders riskant.
  • Getreidemengen: Große Stärkemengen auf einmal (über 1 g Stärke/kg KGW pro Mahlzeit) überfordern Dünndarm-Kapazität.

2. EMS und Insulinresistenz

Equines Metabolisches Syndrom (EMS) ist mittlerweile als eigenständiger Laminitis-Auslöser anerkannt. Chronisch erhöhtes Insulin schädigt die Lamellenvaskulatur direkt über Insulinrezeptor-vermittelte Wege – unabhängig von der Kohlenhydrat-Überladung.

Risikozeichen für EMS: Übergewicht, Fettdepots am Nackenkamm oder der Kruppe, schlechte Kondition trotz ausreichend Futter. Diagnose: Insulin-Messung beim Tierarzt.

3. Überlastung (Supporting Limb Laminitis)

Wenn ein Bein aufgrund von Verletzung oder Schmerz dauerhaft entlastet wird, trägt das gesunde Gegenbein dauerhaft zu viel Last. Das kann Laminitis im gesunden Bein auslösen – besonders bei schweren Pferden und längerer Schonung.

Was treibt das Rehe-Risiko hoch?

Welche Faktoren sind besonders kritisch?

  • Energieüberschuss & Übergewicht (v. a. Fettspeicher am Mähnenkamm).
  • Stoffwechselrisiken (EMS/Insulinthemen) – tierärztlich abklären.
  • Weide-„Stolperfallen“: gestresstes/kurzes Gras, sonnig-kalte Phasen, Wachstumsschübe.
  • Ration mit viel Zucker & Stärke (große Kraftfuttergaben, getreidereiche Mischungen).
  • Plötzliche Futterwechsel, zu wenig Rohfaser.
  • Bewegungsmangel (außer im Akutfall – dann Ruhe!).
  • Schmerz/Entzündung (z. B. schlecht passende Hufe, andere Erkrankungen).

Konkrete Präventionsmaßnahmen

Maßnahme

Effektivität

Umsetzung

Weidemanagement: Fructan-arme Zeiten bevorzugen

Hoch

Weidezeit nach Frost pausieren

Weidezugang schrittweise im Frühjahr aufbauen

Sehr hoch

Start: 15 Min./Tag; wöchentlich steigern

NSC-Gehalt des Heus bestimmen

Hoch bei EMS-Pferden

Heuanalyse; bei EMS: Heu wässern (30-60 Min.)

Übergewicht reduzieren

Sehr hoch

Bewegungsprogramm + kalorienreduzierte Ration

EMS-Diagnose und Behandlung

Essenziell

Insulin messen, NSC reduzieren, Bewegung

Kraftfutterportion aufteilen

Mittel

Max. 1 g Stärke/kg KGW pro Mahlzeit

Darmflora stabilisieren

Begleitend

Lebendhefe, Säurepuffer – Endotoxin-Belastung reduzieren


Für die Darmflora-Stabilisierung als Teil der Laminitis-Prävention: AHIPOS Digestive Plus mit kohlensaurem Algenkalk (Magen-pH-Puffer) und Levucell SC (Lebendhefe) reduziert die Azidose-Neigung im Blinddarm – ein indirekter, aber physiologisch relevanter Beitrag.

Das Rehepferd: Was jetzt gilt

Nach einem Laminitis-Anfall ist das Pferd dauerhaft als 'Rehepferd' einzustufen – das Risiko eines erneuten Anfalls ist erhöht. Das bedeutet:

  • NSC-arme Ration dauerhaft (gutes Heu, kein Getreide, kein zuckerreiches Obst/Gemüse)
  • Regelmäßige Huffpflege (kurze Bearbeitungsintervalle, orthopädische Unterstützung)
  • Übergewicht dauerhaft verhindern
  • Bewegung: moderates, tägliches Bewegungsprogramm (keine Überbelastung, aber keine Dauerboxenhaltung)
  • Jährliche Insulin-Kontrolle beim Tierarzt

 

Häufige Fragen (FAQ)

Woran erkenne ich einen Hufrehe-Anfall?

Klassische Zeichen: Entlastungshaltung der Vorderbeine (nach vorn gestellt, Gewicht auf Hinterhand), Wärme in den Hufen, pochender Hufpuls (Arterie über der Fessel), Schmerzsignale bei Belastung. Schwere Fälle: Pferd liegt, will nicht aufstehen. Sofort Tierarzt.

Kann mein Pferd nach einer Hufrehe wieder normal geritten werden?

Das hängt vom Ausmaß des Schadens ab. Leichte Episoden ohne Hufbeinrotation erholen sich oft vollständig. Schwere Fälle mit Rotation haben eine schlechtere Prognose für volle Belastung. Tierärztliche und hufschmiedliche Langzeitbegleitung ist essenziell.

Muss ich den Weidegang komplett streichen?

Nicht immer – aber für EMS-Pferde und Rehepferde oft ja, zumindest im Frühjahr und auf gedüngten, fructanreichen Weiden. Paddock-Bewegung ohne Weidegang ist für viele Rehepferde eine gute Kompromisslösung.

Wie oft soll ich den Hufschmied für ein Rehepferd holen?

Mehr als für gesunde Pferde: alle 4-6 Wochen statt 6-8. Der Hufschmied kann durch die Bearbeitung die Biomechanik des Hufes unterstützen und Rotation oder Absenkung entgegenwirken.

Hinweis: Ergänzungsfuttermittel sind kein Ersatz für tierärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Problemen deines Pferdes wende dich bitte immer zuerst an einen Tierarzt.

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