Fellwechsel Frühjahr beim Pferd

Fellwechsel Frühjahr beim Pferd

Warum manche Pferde so heftig reagieren – und was du ab Januar tun musst

Der Frühling steht vor der Tür – und mit ihm ein Thema, das jeden Pferdebesitzer Jahr für Jahr begleitet: der Fellwechsel.
Für viele ist er nur ein lästiges Putzproblem.
Doch das Abwerfen des Winterfells ist für den Pferdekörper eine metabolische Höchstleistung, die enorm viel Energie, Nährstoffe und Kraft erfordert.

Kein Wunder, dass viele Pferde im Frühjahr:

  • müde wirken
  • mehr Haar verlieren als sonst
  • Verdauungsprobleme entwickeln
  • empfindlicher auf Wetterwechsel reagieren
  • stumpfes Fell oder Hautirritationen zeigen
  • anfälliger für Infekte sind

In diesem Artikel erfährst du:

  • warum der Fellwechsel so belastend ist
  • was im Körper deines Pferdes genau passiert
  • wie du Müdigkeit, Haut und Verdauung optimal unterstützt
  • welche fütterungsbegleitenden Ergänzungen hilfreich sein können

ℹ️ Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Bei stark verzögertem oder gestörtem Fellwechsel (besonders bei älteren Pferden) Tierarzt und PPID-Test. Ergänzungsfuttermittel sind keine Arzneimittel.

Fellwechsel Frühjahr beim Pferd: Warum manche so heftig reagieren – und was du jetzt tun musst

Der Frühjahrsfellwechsel ist mehr als kosmetisches Haarverlieren. Er ist einer der energieintensivsten Stoffwechselprozesse den Pferde durchlaufen – vergleichbar mit einem intensiven Wachstumsschub. Neues Keratin wird gebildet, Pigmente eingebaut, die Haut erneuert sich. Dafür braucht der Körper Ressourcen die viele Pferde nach dem Winter nicht mehr haben.

Der echte Auslöser: Melatonin – nicht Temperatur

Hier irren sich die meisten Pferdebesitzer: Nicht die steigende Temperatur löst den Fellwechsel aus. Es ist die Tageslichtlänge.

Wie Tageslicht den Fellwechsel steuert

Die Zirbeldrüse im Gehirn des Pferdes registriert über die Augen die Tageslichtlänge.

Bei langen Nächten produziert sie Melatonin. Bei kürzeren Nächten (ab Wintersonnenwende 21. Dezember!) sinkt der Melatoninspiegel.

Dieser sinkende Melatoninspiegel löst hormonelle Kaskaden aus → Sommerfellanlagen beginnen zu wachsen → Winterfell wird abgestoßen.

Praxiskonsequenz: Ein Pferd in einem hell beleuchteten Stall (künstliches Licht) kann seinen Fellwechsel verfrühen oder stören.

Und: Pferde die im Dezember krank waren oder unter Nährstoffmangel leiden, gehen geschwächt in den Fellwechsel – der im Januar bereits begonnen hat.


Was der Fellwechsel den Körper kostet

Fell besteht zu 95% aus Keratin – einem Protein. Um ein komplettes Sommerkleid zu wachsen braucht ein Pferd erhebliche Mengen Aminosäuren, Spurenelemente und Energie:

Nährstoff / System

Rolle im Fellwechsel – warum der Bedarf steigt

Aminosäuren (Methionin, Cystein, Lysin)

Keratin-Grundbausteine; schwefelhaltige AMS besonders wichtig; bei Mangel: dünnes, stumpfes neues Fell

Zink

Cofaktor der Keratinsynthese und Zellteilung; häufig mangelhaft in deutschen Heuqualitäten; bei Mangel: verzögerter, lückenhafter Fellwechsel

Kupfer

Pigmentbildung (Fellfarbe, Glanz); Bindegewebsaufbau; Mangel: verblasstes oder brüchiges Fell; wichtig: Zink:Kupfer-Verhältnis beachten

Selen + Vitamin E

Antioxidativer Schutz der Hautzellerneuerung; Selen in deutschen Böden oft sehr niedrig

Biotin (Vitamin B7)

Keratinmetabolismus; Haut und Hufe; im gesunden Pferdedarm ausreichend synthetisiert – bei Darmflora-Problemen fehlt es

Energie (Kohlenhydrate/Fette)

Fellwechsel kostet Energie; Pferde die schon an der Grenze sind, nehmen ab; Raufutterqualität entscheidend

Immunsystem

Fellwechsel belastet das Immunsystem; zeitgleiche Erkrankungen häufen sich; Weidebeginn = weiterer Infektionsdruck


Warum manche Pferde so viel mehr leiden als andere

Risikofaktor

Warum dieser Faktor den Fellwechsel schwerer macht

Nährstoffmangel über den Winter

Heu-dominierte Winterfütterung mit wenig Spurenelementen → Körper hat keine Reserve für den Aufbau

PPID (Cushing-Syndrom)

Häufigstes Erkrankungsbild bei gestörtem Fellwechsel ab 15 Jahren; erhöhter ACTH-Spiegel stört Melatonin-Rhythmus; verzögerter oder ausbleibender Fellwechsel → Tierarzt!

Hohes Alter (>18 Jahre)

Stoffwechsel langsamer, Immunsystem schwächer, Nährstoffaufnahme schlechter; Seniorfell wechselt oft unvollständig

Stallhaltung mit wenig Tageslicht

Künstliches Licht ohne UV-Anteil stört Melatonin-Signal; Fellwechsel verzögert oder ungleichmäßig

Stressbelastung (Turnier, Transport, Krankheit)

Cortisol hemmt normale Hormonsignale; Fellwechsel kommt ins Stocken

Übergewicht / EMS

Insulinresistenz und Entzündungsgeschehen beeinträchtigen Hautdurchblutung und Stoffwechsel


⚠️ Verzögerter Fellwechsel ab 10 Jahren: PPID ausschließen

Wenn dein Pferd ab etwa 10–12 Jahren den Fellwechsel immer schwerer schafft – zögernd, unvollständig oder mit langem Zottelkleid das erst im Sommer fällt – ist PPID (Equines Cushing-Syndrom) die häufigste Ursache.

PPID ist gut behandelbar (Pergolid) – aber nur wenn die Diagnose gestellt wird.

Test: ACTH-Messung im Blut – am besten im Herbst (August–Oktober) wenn ACTH physiologisch erhöht ist und Kranke sich deutlicher vom Normalbereich abheben.

Nicht abwarten: Jeder unbehandelte Cushing-Winter bedeutet mehr Substanzverlust.


Ab wann handeln? Der optimale Zeitplan

Zeitpunkt

Was jetzt zu tun ist

Ab Dezember / Januar

Heu- und Fütterungsanalyse; Spurenelemente prüfen und aufstocken; der Fellwechsel beginnt jetzt hormonell – wer jetzt startet hat die Nase vorn

Februar / März

Intensivphase des Winterfellabwurfs; erhöhter Aminosäurenbedarf; tägliche Pflege fördert Durchblutung und Haarausfall

April

Sommerkleid wächst; Qualitätskontrolle: Ist das neue Fell glänzend und dicht? Stumpf und dünn = Nachversorgung

Ganzjährig für Problemfälle

Ältere Pferde, PPID-Pferde, Magertypen: kontinuierliche Spurenelementversorgung ohne saisonale Unterbrechungen


Pflege im Fellwechsel: Was wirklich hilft

  • Täglich striggeln mit Gummistriegel: Löst Unterwolle, fördert Hautdurchblutung, stimuliert neue Haarfollikel
  • Putzreihenfolge: Erst Striegel (grob), dann Kardätsche, dann weiche Bürste – mechanische Förderung des Haarausfalls
  • Kratzmöglichkeiten anbieten: Pfosten mit Bürste, Stallwand mit rauher Struktur; Pferde wissen selbst was sie brauchen
  • Nicht zu früh eindecken: Decken stoppen den physiologischen Fellwechselprozess; nur bei echter Kälte oder Regen
  • Ausreichend Bewegung: Kreislauf und Hautdurchblutung ankurbeln; Schritt und leichtes Longieren besser als Box


ℹ️ Hinweis

Ergänzungsfuttermittel sind keine Arzneimittel und können Nährstoffmangel aus schlechter Grundfütterung nicht vollständig ausgleichen.


Unsere AHIPOS-Produktempfehlung

AHIPOS Elektrolyt – Ergänzungsfuttermittel mit Spurenelementen (Zink, Kupfer, Mangan, Selen) und Elektrolyten; als Beitrag zur bedarfsgerechten Grundversorgung in der metabolisch aktiven Fellwechselphase:

AHIPOS Elektrolyt

AHIPOS Body Builder – Ergänzungsfuttermittel mit Aminosäureprofil (Lysin, Methionin, Threonin); Keratin besteht aus Aminosäuren; für Pferde mit Bedarf an bedarfsgerechter Proteinergänzung:

AHIPOS Body Builder


Fazit: Diese 5 Maßnahmen machen den Unterschied

  1. Im Januar starten, nicht im April: Supplementierung VOR dem Haarflug beginnen – der Fellaufbau läuft schon.
  2. Spurenelemente checken: Zink, Kupfer, Selen, Biotin – Mangel ist häufig, Wirkung ist sichtbar.
  3. Täglich striggeln: Mechanische Förderung ist der günstigste und effektivste Eingriff.
  4. Bei gestörtem Fellwechsel ab 10 Jahren: PPID ausschließen lassen.
  5. Decken dosiert einsetzen: Zu warme Decken stoppen den natürlichen Prozess.


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FAQ: Häufige Fragen zum Fellwechsel im Frühjahr

❓ Wann beginnt der Frühjahrsfellwechsel beim Pferd?

Physiologisch startet er ab der Wintersonnenwende (21. Dezember) wenn die Tage wieder länger werden. Die Haare fliegen dann meist Februar bis April. Wer erst bei sichtbarem Haarausfall reagiert, ist 6–8 Wochen zu spät für die Nährstoffversorgung des neu wachsenden Fells.

❓ Mein Pferd schwitzt im Fellwechsel schnell – normal?

Ja. Das Winterfell ist eine Isolationsschicht – Pferde mit noch vollem Winterkleid überhitzen bei gleicher Belastung schneller als im Sommer. Training anpassen, Aufwärmphase verlängern, Elektrolyte bereitstellen.

❓ Hilft Striggeln wirklich – oder ist das Einbildung?

Ja, es hilft wirklich. Mechanische Stimulation durch Striggeln fördert die Hautdurchblutung, lockert verhakte Unterwolle und stimuliert die Talgdrüsen. 10–15 Minuten täglich mit einem Gummistriegel sind effektiv – und kosten nichts.

❓ Kann ich meinem Pferd Biotin während des Fellwechsels geben?

Biotin unterstützt Keratin-Stoffwechsel. Es wirkt aber nicht sofort – Keratin wächst langsam, Effekte sind erst nach 6–10 Wochen sichtbar. Sinnvoller: ganzjährige Grundversorgung mit allen relevanten Spurenelementen statt kurzfristiger Biotinkur.

❓ Mein älteres Pferd wechselt das Fell immer schlechter – was tun?

Erstens: PPID (Cushing) beim Tierarzt ausschließen – das ist ab 10 Jahren die häufigste Ursache. Zweitens: Nährstoffversorgung (Spurenelemente, Aminosäuren, Vitamin E) anpassen. Drittens: Scheren wenn das Winterfell die Schweißregulation verhindert. Viertens: Kein Boxenstress, ausreichend Tageslicht.

❓ Warum verliert mein Pferd im Winter schon Haare – obwohl es noch kalt ist?

Das ist physiologisch normal wenn die Tage wieder länger werden (ab Ende Dezember). Der Fellwechsel wird nicht durch Temperatur ausgelöst, sondern durch die Tageslichtlänge. Ein Pferd das im Januar bereits haart, ist absolut im Zeitplan.

❓ Ist das neue Fell stumpf – Zeichen für Mangel?

Stumpfes, dünnes oder ungleichmäßiges Sommerkleid ist oft ein Hinweis auf Spurenelementmangel (besonders Zink, Kupfer), Proteinunterversorgung oder Darmflora-Probleme (schlechte Aufnahme). Heuanalyse, Blutbild (Zink, Kupfer, Albumin) und Kotprobe (Parasitenausschluss) als nächste Schritte.

 

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